Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1888)
- Date
- 1888-08-09
- Page
- Seite 506 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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506 32. Riesser, 7)r., Gabriel, Obergerichtsrath. 5. Sachsen. 33. Kaiser, Max, Kaufmann. 34. Lehmann, Emil, Advokat. 6. Anhalt. 35. Herz, Isidor, Kaufmann und Konimerzienrath. 36. Philippson, vr., Gustav, Rabbiner. 7. Braunschweig. 37. Aronheim, vr., Adolph, Advokat. 38. Jüdel, Jtzig, Bauquier. 8. Baden. 39. Kusel, vr., Advokat. 9. Mecklenburg. 40. Marcus, vr., Lewis Jacob, Advokat und Vicepräsident des meckl. Landtags. 10. Reuß j. L. 41. Hirsch, vr., Max, Schriftsteller. Dem Berufe nach gehören von vorstehenden 41 Abgeordneten an: dem Kaufmannsstande 17 „ Juristenstande 14 „ ärztlichen Stande 4 „ Schriftstellerslande 3 „ Lehrerstande 2 „ geistlichen Stande 1 41 Personen. Von den deutschen Einzelstaaten stellen: Preußen 18, Bayern 8, Hamburg 3, Hessen 3, Anhalt 2, Braunschweig 2, Sachsen 2, Baden 1, Mecklenburg 1, Reuß j. L. 1; zusammen 41 Abgeordnete. Bon größeren deutschen Einzelstaaten fehlen die Reichslande, die erst seit 1870 zum deutschen Reiche gehören, deren Fehlen also durch die Kürze der Angehörigkeit begreiflich ist, und Württemberg, dessen Fehlen allerdings eine auffallende Erscheinung ist. Württemberg zählt nach der Bolkszählung vom 1. Dezember 1885 über 2 Millionen Einwohner, worunter 13,171 Israeliten. Die jüd. Bevölkerung Württembergs nimmt eine achtbare Stellung ein, sie lebt mit allen Konfessionen im besten Einvernehmen, der Bildungsgang der Israeliten in Württemberg ist ein durchaus befriedigender. Sie weisen ans allen Gebieten des öffentlichen Lebens hervorragende Vertreter auf, ihr Kultus ist vorzüglich geregelt, der Staat besoldet die 12 Rabbiner, die Lehrer u. s. w. und wir finden eine Anzahl Glaubensgenossen, welche sich Verdienste erworben und mit Orden geschmückt sind. Es fehlt sonach an ausgezeichneten Männern in Württemberg nicht und es ist daher desto auffallender, daß in Württemberg noch nie ein Jsraelite in die parlamentarischen Körperschaften gewählt wurde. Der in Stuttgart erscheinende „Beobachter" brachte am 26. und 27. Mai 1887 eine Abhandlung über die staatsbürgerliche Gleichberechtigung in Württemberg, aus der hervorgeht, daß der württembergische Staatsdienst sich den württembergischen Israeliten verschließt. Im Ministerium des Innern, im Kriegs- und Unterrichtsdepartement, im Departement der Finanzen, der Verkehrsanstalten findet der „Beobachter" keine Juden, nur meint er, daß sich der liberale Rechtsstaat rühmen kann, zwei oder drei israel. Staatsdiener in der Justiz zu finden und fügt noch hinzu, daß diese nur auf der untersten der definitiven Stufen zu treffen seien, dagegen das höhere Amt, der Eintritt in ein Kollegialgericht ihnen, verschlossen ist. Es kann bei dem zähen Festhalten der württembergischen Regierung an dem früheren Standpunkte nicht wundern, wenn ein Jude nicht in die erste württembergische Kammer berufen wird, dagegen muß es befremden, wenn bei den Wahlen zum Landtag und Reichstag, die doch von dem Volke selbst erfolgen, noch nie ein Jsraelite als Abgeordneter hervorgegangen ist. Der freundliche Leser mag diese Abschweifung entschuldigen und uns zu unserem Thema zurückkehren lassen. Es sollte diese Erscheinung an dieser Stelle verzeichnet werden, sie durfte nicht unberührt bleiben. In Frankfurt a. M. wurden allein 4 Abgeordnete gewählt. Beer und Rothschild wurden von dem König Friedrich Wilhelm IV. in das preußische Herrenhaus berufen, letzterer wurde auch in den deutschen Reichstag gewählt. Die große Anzahl der jüd. Abgeordneten innerhalb des Zeitraums von 40 Jahren zeugt von dem hervorragenden Antheil, den die Israeliten an dem politischen und parlamentarischen Leben nehmen und von dem Vertrauen der Wähler. Es giebt Bezirke, in welchen, wie in Hof in Bayern zur Zeit der Wahl Arnheim's, kein einziger Jsraelite wohnte und in welchen dennoch ein Jude zum Abgeordneten gewählt wurde. Die jüdischen Abgeordneten haben das Vertrauen der Wähler glänzend gerechtfertigt, sie entwickelten eine reiche und heilvolle Thätigkeit, sie standen auf der Höhe ihrer Aufgabe und ihres Ansehens. Möge das deutsche Volk solche geistige Kräfte und lautere Charaktere, welche die Zierde der Menschheit bilden, fick auch ferner zu erhalten verstehen. Es wäre eine Versündigung gegen die Menschheit, dem Dienste derselben wegen der Kon fession auch nur eine befähigte Kraft entziehen zu wollen. Anderseits mag das Vertrauen der Wähler den Gewählten ein weiterer Sporn sein, in sittlicher wie intelligenter Richtung nach stets höheren Zielen zu streben, vorhandene Mängel zu mindern und die Kulturentwicklung fördern zu helfen. Sigmund Heumann. Aus der Pfalz, 27. Juli. (Privatmitth.) Es giebt in Deutschland gewisse Städte und Landstriche, in welchen der Judenhaß ein historisches Erbtheil ist, wie Leipzig, Bresj lau ff. und hierzu gehört auch die Pfalz. Wir wollen nicht