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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-08-02 · Heft 31 (2.8.1888) · p. Seite 495

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 31 (2.8.1888)
Date
1888-08-02
Page
Seite 495 (sequence 15)
Language
German
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495 Zum An-enkrn an Ä. Arnstein. „Vergänglich ist des Mimen Kunst", sagt Schiller — aber noch vergänglicher ist der Ruhm jener unermüdlich, aber still arbeitenden Redacteure, deren Name, wenn sie nicht zugleich die verantwortlichen des Blattes sind, nicht einmal genannt wird. Wenn sie ihre Thätigkeit einstellen, kurze Zeit, und sie sind vergessen! Darum hat es uns gefreut, soeben das Andenken A. Bernstein's — ursprünglich und auf dem Titel seiner früheren Schriften nannte er sich Rebenstein — erneuert zu sehen. Allerdings trifft Obiges auf Bernstein nicht ganz zu, denn seine populair-naturwissenschaftlichen Schriften, sowie seine zwei jüdische Novellen erhalten seinen Namen gewiß noch für lange Zeit — aber, die Hauptarbeit seines Lebens waren einige Tausend Leitartikel, wenn auch meist von kleinem Umfang, und in dieser Beziehung ist der Nachruhm ein so überaus vergänglicher. Vor Kurzem ist in Berlin der früher viel genannnte Franz Duncker verstorben. Die „Franks. Ztg." widmet ihm einen Nachruf, und da heißt es: „Seit 1849 war ein kleines Volksblatt erschienen, die „Urwählerzeitung", von Bernstein geschrieben, einem bis dahin fast nur als Belletrist bekannten Literaten. Der unscheinbare, schüchterne Mann, so nervös, daß er nach seinem ersten Erscheinen auf der Anklagebank der körperlichen Aufregung wegen auf die von ihm bis dahin mit Muth durchgeführte Verantworlichkeit als Redacteur verzichten mußte, verwandelte sich, sowie er die Feder zur Hand nahm. Dann war er schneidig und kühn, dann zergliederte er mit einem ganz spezifischen Scharfsinn die frömmelnde Sophistik der „Kreuzzeitung" und ihrer Partei, dann deckte er die hölzerne Phrasenhaftigkeit der Regierung bei deren Verkehr mit den Kammern schonungslos in all ihrer Hohlheit auf, und eine solche Polemik, die sonst in der Zeitung so leicht plump oder giftig wird, beseelte der Geist des echtesten Humors, wie ihn viele Leser gewiß schon aus Bernstein's jüdischen Novellen kennen. Dazu trat eine seitdem nicht wieder erreichte Gabe gemeinverständlicher Darstellung, der Mann, der seinen Lesern den Bau jeder feinsten Maschine klar machen konnte, vermochte sie auch in dem Wesen der verwickeltsten politischen Frage zurechtzuweisen. Denn wie wissensklar und gewandt Bernstein außerdem in der Belehrung auf allen Feldern der Naturwissenschaften war, das ist bekannt und ist von höchster wissenschaftlicher Stelle her durch Verleihung des Ehrendoktors bestätigt worden. Mit diesem Manne verbündete sich Duncker, als die Urwählerzeitung durch Machtgebot des Polizeigewaltigen Hinckeldey unterdrückt worden war. Unter dem neuen Namen der »Volkszeitung" 4) ließen sie das Blatt 1853 wieder aufleben 1) Diese „Berliner Bolkszeitung" war eine Zeillang das einzige fortschrittliche Blatt von außergewöhnlicher Verbreitung und darum großem Einfluß. Redaction. und erhielten sein Dasein in fast täglichen Kämpfen, oft der gewaltsamsten Art, mit den Behörden, Hand in Hand der hochbegabte Schriftsteller mit dem festen opfermuthigen Verleger. Wenn die Traditionen der Demokratie in Preußen in jener Zeit des dumpfsten Druckes nicht erloschen sind, wenn das flüchtige Morgenroth der neuen Aera das Volk sofort wieder wach und zur Arbeit frisch fand, so ist der Dank dafür zuerst an die beiden Männer und ihr Blatt zu richten. Und man empfand das in weiten Kreisen." Vermischtes. Ein Beleidigungsprozcß aus Conkurrenz. Aus München vom 2. Juli schreibt man der „Frkf. Z.": Eine Beleidigungsklage, deren Ursachen unsere israelitischen Mitbürger seit längerer Zeit in Aufregung erhalten, wurde heute vor dem hiesigen Amtsgericht durch Vergleich erledigt. Nach einer Bekanntmachung des hiesigen Rabbinats vom October 1887 ist der Genuß von Hinterfleisch als nicht koscher für jüdische Familien verboten. Trotz dieser Bekanntmachung sah sich das Rabbinat unterm 4. November 1887 veranlaßt, darauf aufmerksam zu machen, daß trotz des Verbotes der Metzger und Geflügelhändler Samuel Ascher fortfahre, von ihm gekoschertes Hinterfleisch zu verkaufen. Der in Württemberg an Ascher ertheilte Befähigungsnachweis sei in Bayern nicht bestätigt worden. Das Rundschreiben des Rabbinats wurde von dein Metzger und Geflügelhändler David Heumann weiter verbreitet und auch im Schlacht- und Viehhof vertheilt. Das veranlaßte Ascher, seinerseits ein gedrucktes Circular vertheilen und ein Inserat im Mainzer „Israelit" erscheinen zu lassen, indem er behauptet, sein Fleisch sei koscher, wenn aber das Rabbinat zusehen wolle, müsse es finden, daß Heumann schon seit etwa sechs Jahren an die Restauration Jochsberger, in der beinahe ausschließlich Israeliten als Gäste verkehren, unkoscheres Fleisch verkaufe. Nun strengte Heumann die Beleidigungsklage an. Zur Verhandlung waren 12 Zeugen als Sachverständige geladen, darunter der Rabbiner Dr. Perles, während die Rabbiner Dr. Damberger in Würzburg und Dr. Mayer in Regensburg kommissarisch vernommen worden waren. Der Vergleich kam vor Vernehmung der Zeugen dahin zu Stande, daß beide Parteien erklärten, sie könnten einander nichts vorwerfen. Heumann übernimmt die Gerichtskosten und zwei Drittel, Ascher ein Drittel der Auslagen.

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