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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-08-02 · Heft 31 (2.8.1888) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 31 (2.8.1888)
Date
1888-08-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine des Zudenlhums. Cm unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis Viertelsährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner Di-. Ludwig Khilippson in Dann. Expedition: Leipzig, Kospitakstraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direet, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr t2 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. - Leipzig, den 2. August 1888. Nr. 31. bürg, Kiew. - Italien: Rom. - Rumänien: Bukarest. - Großbritannien-London. - äiti - Jfc? Sfofyeii. Feuilleton: Gegensätze. II. — Die Israeliten in China. — Zum Andenken an A. Bernstein. '- Vermischtes. Bon», 29. Juli. Das „internationale Illderühum^. Der auch von uns besprochene und bestrittene Artikel! des Herrn von Treitschke in den „Preuß. Jahrbüchern" hat durch den Umstand von Neuem die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, daß Kaiser Wilhelm II. dem Verfasser jenes Artikels! durch ein Telegramm seinen persönlichen Dank ausgesprochen! hat, in welchem besonders die Wahrheitsliebe Treitschke's,! die er auch hier „wie immer" bewähre, hervorgehoben ist. Selbstverständlich kann dies das Urtheil, welches sich Jemand über Treitschke, dessen Geschichtswerke und Journalartikel gebildet hat, nicht verändern; aber es verleiht doch jenem Artikel eine besondere Wichtigkeit, da hierdurch die gegenwärtigen Ansichten des regierenden Herrn sich als mit denen Treitschke's identisch bezeugen. Wir dürfen deshalb nicht unterlassen, unseren Protest gegen die antisemitische Tendenz Treitschke's immer wieder zu erheben und verlautbar zu machen. In jenem Artikel sagt er u. A., daß die freisinnige Partei, welche er brandmarkt, unterstützt werde von der „allerdings ansehnlichen Macht des internationalen Judenthums". Dies ist allerdings keine neue Phrase, welche vielmehr die antisemitischen Hetzer von Beginn an gegen die Juden schleuderten; hier wird sie von Neuem und zwar von einer bei einem Theile des Publikums mit einer gewissen Autorität bekleideten Seite wieder aufgetischt, und, nachdem das Stillschweigen der Antisemiten während der kurzen Negierung Friedrich III. gebrochen ist, wird sie bald von allen Seiten widerhallen. Was denkt sich nun der preußische Historiograph unter dem „internationalen Judenthum"? Er weiß doch so gut wie wir, daß auch das Christenthum, der Islam und der Buddhismus international sind, daß der Katholizismus, sowohl der römische wie der griechische, schon durch seinen Namen auf Futernationalität, ja Universalität Anspruch macht, daß der Protestantismus sich nicht weniger international fühlt, da alle diese religiösen Erscheinungen! viele Nationen umfassen, immerfort danach streben, sich noch! weiter auszubreiten, wo möglich alle Menschenvölker zu vereinigen, wobei sie freilich eine der anderen entgegenstehen. Was läge also für ein Vorwurf darin, daß auch das Judenthnm „international" ist, d. h. Gruppen von Bekennern in allen Welttheilen, inmitten aller Nationen besitzt? Ja, hat es doch niemals Andere sei es durch Gewalt, sei es durch Verlockung zu sich herübergezogen und nicht durch eine wohl bezahlte Proselytenmacherei noch nach immer größerer Jnternationalität getrachtet, und wurden seine Bekenner nur durch die Gewalt aus ihren alten und dann immer wieder aus den friedlich erworbenen Wohnsitzen vertrieben und über die Oberfläche der Erde zerstreut. Es ist dieses Moment von Wichtigkeit, weil sie eben durch diese gewaltsame Zerstreuung völlig auseinander gerissen und außer jeder Verbindung, jedes realen Zusammenhanges gebracht wurden. Warum? Weil es uns doch nun deutlich sein muß, daß unsre Gegner, freilich in Weise, der Bezeichnung „internatio-! nal" für das Judenthum eine andere Bedeutung geben. Herr 31

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