Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1888)
- Date
- 1888-07-26
- Page
- Seite 479 (sequence 15)
- Language
- German
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479 Gemeinde die Versammlung herzlich willkommen, besonders betonend, wie sehr es ihm und der Gemeinde zur Ehre gereiche, die Versammlung in ihrer Mitte tagen zu sehen. Er wisse sehr wohl, daß die Wirksamkeit des Vereins nur der Hebung und Förderung der Schule dienen sollte und wünsche derselben daher aus vollem Herzen reichen Segen. — Auch! Herr Moses begrüßte die Versammlung und drückte seine Freude aus, seine Erlebnisse in dem Kreise wieder einmal ausfrischen zu können, dem auch er in früheren Jahren angehört habe. Hieran schloß sich die Berichterstattung des Vorsitzenden zunächst dahin, daß der deutsch-israelitische Gemeindebund zu den Kosten der Versammlung wiederum einen Zuschuß von 100 M. bereitwilligst gewährt habe. Ferner ceferirte er, daß auf das von ihm in Folge des vorjährigen Beschlusses des Vereins an die Verwaltung der Seminarbibliothek zu Hannover gerichtete Gesuch um Darleihung von Büchern an die Lehrer der Provinz Hannover Namens der Verwaltung von Hrn. Seminardirector vr. Kroner die Antwort erfolgt sei, daß nach Fertigstellung des Catalogs der Bibliothek Bücher verabfolgt werden könnten, während aus das gleiche Gesuch an die Verwaltung der Gemeindebibliothek daselbst eine Antwort nicht ertheilt worden sei. Die Antwort des Ausschusses des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, betreffend das Gesuch um Subventionirung größerer jüdischer Schriftwerke, laute dahin, daß derselbe keinen Fonds besitze, der hinreichend wäre, diesen Antrag in seiner Allgemeinheit zur Ausführung zu bringen. Dagegen sei man gern bereit, so oft für ein bestimmtes Werk eine größere Anzahl von Lehrern als Käufer sich melden würde, mit der betreffenden Verlagsbuchhandlung wegen Erzielung eines ermäßigten Preises in Verbindung zu treten. Bei der nun folgenden Wahl eines Vorsitzenden wurde der bisherige Vorsitzende, Lehrer Fauerbach-Hildesheim, wiedergewählt. Da derselbe jedoch die Wahl entschieden ablehnte, so wurde Lehrer Blumenfeld-Adelebsen zum ersten, Lehrer Stern-Hildesheim zum zweiten Vorsitzenden, Lehrer Bach rach-Pattensen zum ersten, Lehrer Rose-Gehrden zum zweiten Schriftführer gewählt. Nach Feststellung der Tagesordnung erhielt Lehrer Spanier-Stolzenau das Wort zu seinem Bortrage: „Winke über die methodische Behandlung des Naturgeschichtsunterrichts unter Berücksichtigung der Junge'schen Methode." Die dem gediegenen und mit vielem Fleiße ausgearbeiteten Vortrage zu Grunde gelegten Leitsätze wurden nach eingehender Debatte von der Versammlung in folgender Fassung angenommen: 1) Die beschreibend systematisirende Methode genügt nicht vollständig, um das Ziel der allgemeinen Bestimmungen: „Gewöhnung zur einer aufmerksamen Beobachtung und Erziehung zu sinniger Betrachtung der Natur" zu erreichen. 2) Es ist eine Neugestaltung des naturgeschichtlichen Unterrichts mit theilweiser Benutzung der Junge'¬ schen Methode anzustreben. 3) Die Ziele der rein Junge'schen Methode sind in einzelnen Theilen theils für die Volksschule zu hoch gestellt, theils lassen sie sich nicht practisch verwerthen. 4) Bei Behandlung eines Objectes hat man folgendes als Leitstern für den Unterricht anzusehen: Die Wechselbeziehung, in welcher das Geschöpf zu seinem Aufenthaltsorte, zu seiner Nahrung steht, die dadurch bedingte Körperbeschaffenheit und die Bedeutung des Geschöpfes im Haushalte der Natur. 5) Der Unterricht in der Botanik hat, wo dies angeht, möglichst im Freien zu geschehen, jedenfalls aber ist eine mehrmalige Repetition der behandelten Pflanzen am Standorte derselben vorzunehmen. Zweite Sitzung: Nachmittags 2>/r Uhr. Nach Eröffnung der Sitzung gelangte der Antrag des Vereins der israelitischen Lehrer des Landrabbinats Emden, die Gründung eines allgemein deutsch-israelitischen Lehrerbundes betreffend, zur Besprechung. Im Allgemeinen wurde folgende Meinung zum Ausdruck gebracht: Die Verhältnisse des jüdischen Schulwesens und die Stellung der jüdischen Lehrer seien im deutschen Reiche so verschieden, daß man sich von der Wirksamkeit eines derartigen Bundes nur wenig versprechen könne. Ferner glaube man, daß die Versammlungen des eventuell zu gründenden Lehrerbundes ähnlich wie die der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung nur von den Lehrern der Umgegend oder höchstens der Provinz des Versammlungsortes besucht würden, betheiligten sich doch von den Lehrern des Landrabbinats Emden, von welchen der Antrag ausgegangen ist, schon seit Jahren nur hin und wieder einer oder zwei an den Versammlungen des diesseitigen Vereins, dem sie doch naturgemäß angehören sollten. Um jedoch dem Unternehmen, falls es sich realisiren sollte, nicht fern zu bleiben, gelangte auf Antrag des Lehrers Stern-Hildesheim folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Die Versammlung beschließt, obgleich sie sich die Schwierigkeiten nicht verhehlt, die sowohl der Gründung wie dem Fortbestand eines allgemeinen deutsch - israelitischen Lehrerbundes entgegenstehen, sich demselben dennoch anzuschließen, falls die Mehrzahl der jüdischen Lehrervereine Deutschlands sich für die Gründung eines solchen Bundes ausspricht." Bei den nun folgenden freien Besprechungen wurde