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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-07-26 · Heft 30 (26.7.1888) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 30 (26.7.1888)
Date
1888-07-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis Vierteljahr!. S M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streisband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner 0r. Ludwig Khilippson in Kann. Expedition: Leipzig, Kospitakstraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 26. Juli 1888. Nr. 30. « ^^U'Lettende ArtUel: Der rudlscheElnfluk.—Literarischer Wochenbericht. - Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Leipzig, Gießen, Aus dem Landtagswahlkreise Bielefeld-Herfort-Halle. — Oesterreich-Ungarn: Wien. — Frankreich: Paris.— Schwerz: Bern, — Rußland: Warschau. — Bulgarien: Sofia. — Großbritannien: London. — Nordamerika: Washington. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Kurze Bemerkungen. V. — Protokoll der Bersanimlung jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover. Se-itcnbe Ö z i'iii cf. Bonn, 22. Juli. Der jüdische Einstuß. Von der Behauptung ausgehend, daß der gegenwärtige Kaiser eine ausgesprochene Abneigung gegen den Freimaurerorden habe, eröffnen die Stöcker'schen Organe einen Feldzug gegen diesen Orden. Wir bemerken im Voraus, daß wir persönlich in diesen Streit nicht einzutreten vermögen, da wir dem Freimaurerorden nicht angehören und Aufforderungen, in denselben einzutreten — selbstverständlich nur von einzelnen Personen ausgegangen — stets abwiesen, und zwar besonders aus dem Grunde, weil wir nicht durch Hinterthüren da eingehen mochten, wo unsren Glaubensgenossen in Preußen die Hauptpforten verschlossen waren. Jedenfalls sind damit die feindseligen Kundgebungen nicht bloß gegen Kaiser Friedrich, sondern auch gegen Kaiser Wilhelm I. gerichtet, welcher Protektor der Freimaurerlogen und für den Orden sehr eingenommen war (s. unsre Correspondenz ans Berlin in dieser Nummer). Es ist dies bezeichnend für jene Leute, welche stets die „Königstreue" für sich allein in Anspruch nehmen, diese jedoch nur betreffs des zeitweilig herrschenden Monarchen zu verstehen scheinen. Fallen sie doch jedenfalls in dieses Kriegsgeschrei gegen die Freimaurer erst jetzt ein, während die römisch-katholischen Organe es zu aller Zeit erhoben haben. Wie dem auch sei, uns interessirt dieser Streit nur aus einem Punkte. Die Feindseligkeit der protestantischen wie der katholischen Eifrer geht aus dem Motiv hervor, daß der eigentliche Grundsatz des Freimaurerthums jede Ausschließung nach Confessionen zurückweist und das reine Menschenthum zu seiner Fahne macht, während die ultramontanen und die protestantischen Zeloten es als „christliches Princip" ansehen, jeden Andersgläubigen auszuschließen. Mit gewohntem Judenhasse polemisiren deshalb die„Kreuzzeitnng" und der „Reichsbote" gegen den Orden damit, daß in demselben der jüdische Einfluß vorherrschend sei, daß die Freimaurerlogen die eigentliche» Träger dieses jüdischen Einflusses und nur die Filialen der All. isr. univ. seien. Sie verfolgen hiermit ihre alte Methode, nach welcher sie den Liberalismus mit dem Judenthume, jetzt wieder die Freimaurerei identificiren, um ihren gläubigen Anhängern ein Gruseln einzuflößen. Für jeden Anderen ist diese Behauptung eine lächerliche Erfindung. Die bedeutendsten preußischen Logen haben das sog. „schwedische System", welches Juden nicht bloß die Aufnahme, sondern anderswo aufgenommenen selbst den Besuch verweigert. Aber auch in Logen anderer Länder ist die Zahl jüdischer Freimaurer so geringzählig, daß von einem Einflüsse oder gar von einem beherrschenden Einflüsse gar nicht die Rede sein kann. Aber Thatsachen zu ignoriren, wenn es ihrem Interesse zu nützen scheint, passirt den Führern jener Partei täglich. Die Behauptung jüdischen Einflusses machte ja von vornherein das Hauptmotiv des Antisemitismus aus, und mit einer nicht beneidenswerthen Unverfrorenheit sprachen sie von einer desfallsigen „Berjudung" Deutschlands, Oesterreichs und dann selbst Frankreichs. Wir sagen, „selbst Frankreichs", wo doch bekanntlich die Juden 30

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