Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1888)
- Date
- 1888-07-12
- Page
- Seite 448 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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448 Vermischtes. Mißbrauch des Namens Israel. Aus London, 2. ds., wird der „Frkf. Ztg." geschrieben: Mit dem Tode der Frau Esther Jezreel, der auf ihrem Landsitz Woodlands bei Chatham in Folge Nierenentzündung erfolgt ist, wird das an Kirchen und Sekten reiche England wohl um eine, die des „nenen und letzten Hauses Israel", ärmer werden. Sie war die Wittwe eines gewöhnlichen Soldaten, James White, der 1875 behauptete, besondere Offenbarungen erhalten zu haben, die in einer „Fliegenden Rolle" ausgeschrieben waren. Er nahm den Namen James Jeroboam Jezreel an, behauptete, der Nachfolger des 40 Jahre vorher verstorbenen John Wren, des Gründers der Sekte der christlichen Israeliten zu sein, übernatürliche Gaben und Talente zu besitzen und ein Werkzeug in der Hand Gottes zu sein. Sein Lesebuch, die fliegende Rolle, ist eine seltsame Mischung von Stellen aus dem Propheten Hezekiel und sinnlosem Gewäsch. Gleichwohl gelang es ihm, in Amerika und in England eine Menge Gimpel zu fangen, denen er weismachte, daß sie das auserlesene Volk Gottes und bestimmt seien, nach ihrem Tode tausend Jahre mit dem Messias zu leben. Viele verkauften ihr Hab und Gut und wanderten mit ihren Angehörigen nach Chatham, wo White, vulgo Jezrel, mit dem seinen Gimpeln abgenommenen Gelbe ein gewaltiges, auf einem Hügel stehendes Gebäude zu errichten anfing, das zur Aufnahme der in der Offenbarung Johannes erwähnten 144,000 Auserwählten bestimmt war. Sein Tod, der vor drei Jahren erfolgte, erschütterte einigermaßen den Glauben seiner Jünger an seine Unfehlbarkeit; denn wie Mutter Girling, die Gründerin der Sekte der „Shakers", erhob Jezreel Anspruch auf Unsterblichkeit. Aber man tröstete sich mit dem Glauben, daß sein Tod seinen irdischen Gebrechen zugeschrieben werden müsse, und seine Wittwe führte das Geschäft mit gewaltiger Energie fort und ihrem Einschreiten ist es zu verdanken, daß viele Gläubige, welche ihr ganzes Vermögen den Leitern der Sekte anvertraut hatten, aus der Gemeinde ausgestoßen und mittellos in die Welt hinausgetrieben wurden. Ihre Härte führte vor einigen Monaten zu ernstlichen Ruhestörungen, welche das Einschreiten der Polizei nöthig machten. Sie selbst verstand ihr Geschäft so trefflich, daß sie in einem hübschen Landgut wohnen und einen Zweispänner halten konnte, in dem sie mit ihren Livreebedienten regelmäßig Chatham besuchte. Sie war bloß 12 Tage lang krank. Ihre Getreuen suchten ihren Tod geheim zu halten. Das kolossale Gebäude auf dem Hügel von Chatham, dessen vier Wände (mehr ist nicht gebaut worden) weithin sichtbar sind, wird wohl das einzige Andenken an eine Sekte sein, die viele leichtgläubige Menschen zu Bettlern gemacht und viel Elend verursacht hat. Ein Dr. metl (Jude), Ende 20., nicht unschön, musifal., ohneVermög. mit kl. Praxis, die ders. wegen weit, gründl. Ausbild, in e. Specials, aufzngeb. beabs., wünscht beh. bald. Berheirathung 'm. e. nicht unvermög. gebild. jung. Dame von liebensw. Charaktereigensch. resp. mit deren Elt. in Correspond, zu tret. Nicht anonyme Offert, mit genauer Angabe der pers. Verh. w. mögt, mit Photogr. werd. höflichst erbeten bis zum 16. Juli cr. unter Chiffre J. F. 7400 au die Expedition des Berliner Tageblatt, Berlin 81V. Jede Correspondenz erfolgt zuück. Discret. erf. m. eig. Stell. [23.3265 Anzeigen. ilimat. Kurort Jugenheim a. K. 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Philippson. Druck von Greßner & Schramm in Leipzig.