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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-07-12 · Heft 28 (12.7.1888) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 28 (12.7.1888)
Date
1888-07-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Hudenthums. Ein miMtkiisches Organ fite alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Donn Krpedition: -Leipzig, Kospitalstraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 12. Juli 1888. Nr. 28. . Inhalt, Leitende Artikel: Haben wir die Reaction zu fürchten? — Die Encyclica Leo XIII. — Bericht des Arbeits-Nachweisungs- Bureau der Vereinigten jüdischen Wohlthätigkeits-Gesellschaften der Stadt New-Dork, für das Geschäftsjahr 1887. (Schluß.)—Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Leipzig, Nürnberg, Görlitz, Oppeln. — Luxemburg: Luxemburg. — Oesterreich-Ungarn:Pest,Wien. — Frankreich: Paris. — Italien: Rom. — Rumänien: Bukarest. — Großbritannien: London. — Spanien: Madrid. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Kurze Bemerkungen. I. II. III. — Vermischtes. SeitenSe €1 zti&af. Bonn, 8. Juli. Haben wir die Ueaction;u fürchten? „Ein Geschlecht geht und ein Geschlecht kommt!" sagt Kohelet. Er wollte mit diesen Worten nicht sowohl auf die Vergänglichkeit alles Irdischen und so auch des Menschen Hinweisen, als vielmehr, wie der Zusammenhang lehrt, als auf einen Beweis für seinen Wahlspruch: „Alles ist nichtig!" Denn er verbindet jenen Satz mit dem Kreisläufe, in welchem sich alle Naturerscheinungen, Sonne, Wind, Gewölk u. s. w. bewegen und sich immer wiederholen, so daß er in dem Ausruf endet, daß Alles, was gewesen, wiederkehrt. Er spricht also dem Menschendasein darum eine völlige Ergebniß- und Erfolglosigkeit zu, da „nichts Neues unter der Sonne geschieht." Wie aber dem alten Weisen die Kenntniß fehlte und fehlen mußte, daß diese Sonnen und Erden, diese Meere und Festlande im langen Laufe der Zeiten allerdings großen Veränderungen unterliegen und namentlich die Erde eine lange Entwickelungsbahn in von einander sehr verschiedenen Phasen verfolgt hat — so entging ihm auch noch jede geschichtliche Erfahrung und die Erkenntniß, daß die Menschengeschlechter durchaus nicht dieselben bleiben, sondern viele und bedeutende Verschiedenheiten aufzuweisen haben, welche eine fortschreitende Entwickelung nicht zweifelhaft lassen. Diesen Mangel kann man jenem alten Autor, der in einer, im ruhigen Gange und Gleichmaß befindlichen Nation (während des Bestandes des zweiten Tempels) lebte, wohl Nachsehen. Die Jahrtausende, die seitdem am Menschengeschlechte vorübergegangen und einer Hellen geschichtlichen Beleuchtung sich erfreuen, haben uns ein Anderes gelehrt und uns Entwickelungsgesetze offenbart, welchen auch das Menschengeschlecht unterworfen ist. Wir brauchen es hier nicht zu wiederholen, daß diese Entwickelung keine geradlinige, daß sie mit Stillstand und Rückschritt verbunden ist, wollen aber hervorheben, und dies ist der eigentliche Zweck dieses Artikels, daß es nicht minder hier als Gesetz sich bekundet, daß selbst die rückschreitenden Geschlechter zu einem früheren Standpunkte nicht zurückkehren können, sondern die wesentlichsten Errungnisse der vorangegangenen Zeiten annehmen und auf deren Standpunkt verbleiben müssen. Selbstverständlich ist es, daß dieser Wandel der Menschengeschlechter in ihren geistigen Anschauungen und deren Verwirklichung im Leben in einer bewegten Zeit viel rascher verläuft und sich um so kenntlicher macht. Einen besonderen Beweis für diese unsre Sätze liefert das letzte Jahrhundert und in ihm besonders die Geschichte der jüdischen Bevölkerung Europas. Wer genauer beobachtet, kann nicht übersehen, wie verschieden der Charakter der jetzigen Generation, ihre Auffassung und Bestrebungen von denen sind, welche vor einem Menschenalter, sagen wir in den vierziger Jahren, die Menschen beherrschten, und wiederum, welch' ein anderer Geist das Geschlecht in den zwanziger Jahren beseelte, und wie ganz anders geartet dieser war, als im letzten Jahrzehent des vorigen und dem ersten des jetzigen Jahrhunderts. Und dennoch steht jedes dieser Geschlechter auf den Schultern des vorangegangenen und kann es

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