Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1888)
- Date
- 1888-06-21
- Page
- Seite 400 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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400 Verehrung und Dankbarkeit als mit Neid und Haß ausspricht. Jener Chef ist ein kleiner Herr in den vierziger Jahren mit kurzem schwarzen Haar und kurzem dünnen Bartwuchs, mit durchdringenden schwarzen Augen, die er gern mit einer dunklen Brille gegen das Licht schirmt; in der Kopf- und Körperhaltung etwas nach der linken Seite gebückt. Wie seine Brüder und Neffen, zart gebaute, schmächtige junge Männer mit braunen, feingeschnittenen, klug und gütig blickenden Gesichtchen von reinstem orientalischen Racentypus, erscheint er und ebenso die Damen des Hauses stets in fränkischer Tracht. In dem parkartigen Garten einer seiner Villen am Meeresufer im äußersten Osten des Villenviertels Callamaria, die in unmittelbarer Nähe seiner riesigen Dampfmühlen liegt, wurde den Gästen eine Art „Jause" dargeboten. Der vom Meereshauch durchwehte, von Rosen- und Jasminduft erfüllte, weite Garten, dessen üppige Vegetation, dessen Plantanen und Linden, Dracenen und Lorbeergebüschen tiefen kühlen Schatten über die saftigen Rasenteppiche breiten, hinter dem im heitern französischen Äillenstil erbauten Landhause gewährte den erquicklichsten Aufenthalt in den heißen Nachmittagstunden und ließ es sehr wohl begreiflich erscheinen, daß es sich unter gewissen Umständen auch ganz wohl in Salonichi angesichts des entgötterten Olymps leben läßt. vermischtes. Geschmacklos! In dem viel besprochenen „Lutherfestspiel" kommt nicht nur für Katholiken Anstößiges und Wahrheitswidriges vor. So folgende Stelle: „Tezel: Sobald das Geld nur in dem Kasten klingt, Die Seele aus dem Fegefeuer springt. (Ein Jude drängt sich vor.) Was will der Jude? Jude: Nur ein kleines Wörtchen, Ehrwürd'ger Vater. Möchte gern von eu'rem Ablaß, von euren Jndulgenzen auch Ein Jndulgenzchen. Tezel: Auch für den Juden Quillt aus dem Gnadenborn des heiligen Vaters Vergebung — nur als Jude müßt ihr doppelt - (!) Jude: (rasch einfallend) Und sollt ich's dreifach, sollt ich's vierfach zahlen. Für gute Waare (!) zahlt man nie zu theuer." Ist dies nicht für den geläuterten Geschmack unseres Zeitalters ein beredtes Zeugniß? Der Protestant scheut sich nicht, den Juden zu mißbrauchen, wenn er den Katholicismus schmähen will! Was wäre wohl dem Juden Vorbehalten, wenn er derartiges thäte!! Konkurs-Ausschreibung. Durch die Berufung Sr. Ehrwürden des Herrn vr. N. Porges als Rabbiner der israelitischen Religionsgemeinde in Leipzig wird die Stelle des [La303t Rabbiners und Religionslehrers in der hiesigen Cultusgemeinde am 15. Aug. d. I. vakant. Dem hiesigen Rabbinate sind für Trauungen die politischen Bezirke Asch, Eger, Falkenau, Graslitz, Joachimsthal, Plan und Tepl mit den Curstädten Franzensbad und Marienbad von der K. ft. Staatsbehörde zug, wiesen. Bewerber, welche sich üb.r ihre absolvierten rabbinischen u. academischen Studien genügend ausweisen können und besonders als Prediger befähigt sind, wollen ihre Gesuche und Zeugnisse bis zum 20. Juni d. I. an den Unterzeichneten Vorstand einsenden, bei welchem auch die Gehaltsmodalitäten, sowie die übrigen näheren Ausnahmsbedingnisse in Abschrift erhoben werden können. Karlsbad, am 27. Mai 1888. Der Vorsteher: Ludwig Moser. Fabric. reiferen Alters, isr., sucht gclt£n&$£fäl)vtini gebild. und nicht unter 29 Jahren. Offerten sub P. K. 322 an die Exped. d. Berliner Tageblattes, Berlin SW. erb. [93.2822 Anzeigen. Heirathsgesuch. Ein Kaufmann, 3l Jahre alt, Besitzer von 10,000 M. selbstersparten Vermögens, ganz alleinstehend, sucht Gelegenheit in ein nachweislich rentables Geschäft zu heirathen. Offerten snb L. 8731 an Rudolf Masse, Leipzig erbeten. [2c. 2113 Ein Schadchen, der in bestsituirtesten israel. Kreisen Süddeutschlands verkehrt, bel. s. Adr. sub M. 14 Berlin, Postamt 72 einzusenden. [B. 2936 I. Bialo wird ersucht, umgehend Papiere Landsberg O. S. zu schicken Verlag von Banmgärtner’s BncMandlnng, Leipzig. Theoretisch-praktisches Lehr- und Uebungsbuch zur Erlernung der hebräischen Sprache von C. \^T Preis cart. 1 Mk. 20 Pf. Unterstützungskasse des Vereins isr. Elementarlehrer für Westfalen und die Kheinprovin;. An außerordentlichen Beiträgen sind ferner eingegangen: Von der Synagogen - Gemeinde Witten M. 20, Lehrer Wallerstein-Crefeld, Collekte und div. Spenden M. 273,50, Fräulein A. R. in N. M. 1, Lehrer Fröhlich M.Gladbach, Theil einer Sammlung auf der Hochzeit Moritz Wolff M. 8,50, Rabb. Dr. Frank-Cöln von Ph. Fleck M. 10 u. S. Simo.t M. 10, Lehrer Oppenheimer-Mülheim a. d. Ruhr von Gustav Hanau anläßlich seines 70. Geburtstages M. 50, Lehrer Spier-Bockolt, Theil einer Sammlung bei Gelegenheit einer goldenen Hochzeit M. 25, derselbe von Cosman Cohen am Jahrzeittage von s. Mutter M.!0, von s. Vater M. 10 und bei der Brismiloh seines ersten Enkels M. 20, außerordentliche Beiträge der Conserenzbesucher in Düsseldorf M. 8,97, Lehrer Kahn-Hagen i. W-, Collekte M. 30,50, Lehrer Goldstein-Grevenbroich von Fabrikbesitzer Spier in Wickrath M. 20, Lehrer Levi-Neuß von L. Simons M. 30, Lehrer Gossel-Connen, Collekte M. 26,45. Bielefeld, 13. Juni 1888. Der Borstand. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Greßner & Schramm in Leipzig. Verantwortlicher Redaeteur Dr. L. Philippson.