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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-06-14 · Heft 24 (14.6.1888) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 24 (14.6.1888)
Date
1888-06-14
Page
Seite 384 (sequence 16)
Language
German
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384 die Diebe u. s. w. werden das Reich Gottes erwerben". Und in einem angehängten Liede wird erbaulich geschildert, wie das „Weib frech geschmückt, Jünglingsunschuld stürzet", während dem starken Geschlechte zugerufen wird: „Weh' dir Mann, deß schnöde Brunst Jungfrauentugend schlachtet, Deine Lust verrauch' in Dunst, Von Dir selbst verachtet, Qualenreich, Teufeln gleich, Muß dein Geist zu Teufeln Hinziehn und verzweifeln!" Das ist die Sprache — so bemerkt ein amtliches Kreisblatt — in welcher diese frommen Männer Tugend und Sittlichkeit predigen! Und dieses Blatt ist vor dem Askanischen Gymnasium zu Berlin an Schüler verschiedener Altersklassen vertheilt worden; diese Vertheilung erfolgt systematisch an verschiedene Schulen durch die Traktatgesellschaften. Den Knaben und Jünglingen werden hier Bilder vorgesührt, welche man sonst der jugendlichen Phantasie ängstlich zu entrücken sucht; sie werden vor Lastern und Verbrechen gewarnt, die ihnen nach Namen und Begriff vollständig fremd sind. Bei wie vielen mögen die Traktätchen wohl aber die Wißbegierde wachrufen, zu erfragen und erforschen, was sich hinter diesem Namen Scheußliches verberge? Wie man mittheilt, ist die Angelegenheit zur Kenntniß der städtischen Schuldeputatian gelangt, und man darf annehmen, daß dieselbe Schritte thun wird, um zu verhindern, daß das fromme Gift weiterhin Verbreitung finde unter der ihrer Obhut anvertrauten Schuljugend. Das ist doch haarsträubend! ___ Vermischtes. Papst und Schuhmacher. Der Schuhlieferant des Papstes erhielt, wie man uns aus Rom berichtet, vor Kurzem die Ordre, sich in den Vatikan zu begeben, da der Papst eine Bestellung zu machen habe. Da der Meister selbst krank war, sandte er seinen ersten Gesellen, einen jungen Mann Namens Damasoni, der in das Privatkabinet des Papstes geführt wurde und dort dessen Aufträge cntgegennahm. Als der junge Mann sich mit einer tiefen Verbeugung entfernen wollte, hielt ihn der Papst zurück und sagte: „Wenn Sie meine Bestellung gut ausführen, will ich Ihnen für die weiblichen Mitglieder Ihrer Familie geweihte Rosenkränze schenken." Damasoni beugte das Knie vor dem Papste und erwiderte: „Eure Heiligkeit, ich stamme aus israelitischer Familie." Der Papst legte dem Gesellen die Hand auf die Schulter und erwiderte freundlich: „Das wird mich nicht verhindern, Ihnen auf andere Weise meine Erkenntlichkeit zu beweisen, Sie scheinen ein sehr braver Bursche zu sein." Konkurs-Ausschreibung. Durch die Berufung Sr. Ehrwürde!' des Herrn Dr. N. Parges als Rabbiner der israelitischen Religionsgemeinde in Leipzig wird die Stelle des >La:w3i Rabbiners und Religionslehrers in der hiesigen Eultusgcmeinde am 15. Aug. d. I. vakant. Dem hiesigen Rabbinate sind für Trauungen die politischen Bezirke Asch, Eger, Falkenau, Graslitz, Joachimsthal, Plan und Tepl mit den Curstädten Franzensbad und Marienbad von der K. K. Staatsbehörde zugewiesen. Bewerber, welche sich über ihre absolvierten rabbinischen u. academischen Studien genügend ausweisen können und besonders als Prediger befähigt sind, wollen ihre Gesuche und Zeugnisse bis zum 20. Juni d. I. an den Unterzeichneten Vorstand einsenden, bei welchem auch die Gehaltsmodalitäten, sowie die übrigen näheren Aufnahmsbedingnisse in Abschrift erhoben werden können. Karlsbad, am 27. Mai iw*. Der Vorsteher: Ludwig* Moser. Bemerkung. Wir wiederholen, was wir schon früher kund gegeben, daß es stets einer unsrer Redaktionsgrundsätze war und ist, aus einem jüd. deutschen Blatte nichts zu entnehmen, da wir auf diesem kleinen Gebiete Jedem sein Eigenthum schützen wollen. Wenn Versammlungen ihre Protokolle uns nicht wenigstens gleichzeitig und unmittelbar wie anderen Blättern zusenden und uns zumuthen, sie einem andern Blatte nachzudrucken, so verzichten wir überhaupt darauf. Die Redaktion. Anzeigen. [ Über 500 illustrationstafeln u. Kartenbeilagen. TTnenfb elir liola. für jeden GreToilcLetexi.. 4. Auflage ■ g| | V J Bl Bj liefert bei\ Zahlung von monatlich 3 Mark an franko Wohnort die Buchhandlung von Alexander Köhler, DRESDEN, Weißegasse 5, I. Verlag |c/es Bibliograph. Instituts \in Leipzig. 256 Hefte ä 50 Pf. — 16 Halbfranzbde. ä I0 M. Par adigmen - Tafeln zur hebräischen Grammatik voll Dr. G. Deutsch, Rabbiner in Brüx (Böhmen). Das Buch, ein nothwendiges Hilfsmittel des jüdischen Religionsunterrichtes/trägt der gebräuchlichen, analytischen Methode des Unterrichts im Hebräischen Rechnung und wird dabei dem gegenwärtigen Stande der Spracb-! Wissenschaft gerecht. Es ist daher ganz bez sonders den Religionslehrern zu empfehlen,! welche das Hebräische nicht aus der Univeri sität erlernt haben und wird mit besonderem - Nutzen auch von der Schuljugend verwendet I werden. Das Buch ist für den Preis von! 60 Pf. vom Vers, zu beziehen. Bei Eiu-! sührung in Schulen werden gerne Erleich- 1 terungen gewährt. Fabrik, reiferen Alters, isr., sucht KeBensgefÄhrtingebild. und nicht unter 29 Jahren. Offerten sub I\ R. 322 an die Exped. d. Berliner Tageblattes, Berlin SW. erb. [93.2822 Verlag von Baumgartners Buchh., Leipzig. Sehire beth Jaäcob. Israelitisches Schul - und Genieiiide- Gesangbuch. Herausgegeben von L. JLiebiing, ehern. Kantor in Hamburg, und 33. Jacobsolin, Kantor in Leipzig. Preis gebunden 2 Mk. 40 Pf. Bereits in vielen israelitischen G emeinden und Schulen eingeführt. Verlag von Banmgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Greßner & Schramm in Leipzig. Verantwortlicher Redaeteur Dr. L. Philippson.

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