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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-06-14 · Heft 24 (14.6.1888) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 24 (14.6.1888)
Date
1888-06-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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o Allgemeine citung -es Iudenlhums. Ein unparteiWes Organ für alles jüdische Interesse. Diese Leitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 1t5) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. GxpeöiLion: Leipzig, Woßplcrh 17. In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. Philippsoir in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 14. Juni 1888. Nr. 24. Iabalt. Leitende Artikel: Schlagwörter unserer Zeit. XVII. — Die Verfassung des Volkes Israel. — Ein allgemeiner Verein jüdischer Lehrer im deutschen Reiche. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig. Ober-Ingelheim. — Oesterreich-Ungarn: Men, Prag. — Rußland: Lemberg, Von der russischen Grenze. — Großbritannien: London. — Türkei: Haifa. — Bonn: Notizen. — Paris: Literarische Notizen. — Feuilleton: Die Palästinerin. — Aus der Predigt eines Rabbiners. — Die „innere Mission". — Vermischtes. ZeitenSe dzti&ef. Bonn, den 10. Juni. Schlagwörter unserer Zeit. XVII. „Die Naturwissenschaften über Alles!" Wir brauchen wohl kaum nachzuweisen, wie sehr dieses Wort auf allen Gebieten des Geistes jetzt wiederhallt, in der Literatur, sowohl streng wissenschaftlich wie populär, den Hauptraum einnimmt — wenn wir von der belletristischen absehen — und selbst in der Zeitungspresse eine große Rolle spielt. Das Wort ist bereits zum Feldgeschrei eines heftigen Kampfes gej worden, und ist nicht minder in die ehrwürdigen Hallen der Religion und Sittlichkeit eingedrungen. In der Kürze uns deshalb über diese Frage, welche allerdings noch langer Zeiten zu ihrer Lösung bedarf, möglichst einiges Licht zu schossen, erscheint uns räthlich. Wir persönlich können hierbei auf! eine gewisse Unparteilichkeit Anspruch machen. Schon in unsrer Jugend ergaben wir uns ebenso den naturwissenschaftlichen wie philologischen Studien und aus der Vereinigung derselben entsprangen einige unsrer früheren Schriften; später bezeugten wir unsre Liebe für die Naturwissenschaften noch in unsren „Reden wider den Unglauben". Es war unser Bemühen, bis heute den Fortschritten der Naturwissenschaft, so weit es uns möglich, zu folgen, und wir halten es noch heute für ein Bedürfniß, daß der jüdische Religionslehrer einige Kenntniß von den Naturerscheinungen besitze. Denn in der That hat es keine positive Religion gegeben, welche so wie das Judenthum ihren Gottesbegriff auf die Natur als Schöpfung Gottes gegründet hat, und deshalb gerade im Stande ist, auf vernunftgemäßem Wege ihre Lehren zu erweisen. Um dies zu erkennen, braucht man nur in den Büchern unsrer h. Schrift zu forschen. Wir berufen uns z. B. auf den 8., 19. und 104. Psalm, auf viele Stellen des 2. Jesaias und ganz besonders auf die Cap. 38—41 des Buches Hiob, wo der Gottesbegriff, um von aller menschlichen Zuthat befreit zu werden, auf die großen Werke der Schöpfung gestützt, ja durch diese Anschauungen die Vorstellung von der Vorsehung und Vergeltung festgestellt wird. Diesen Weg, welchen unsre Vorfahren uns angezeigt, dürfen wir zum j Wohle unsrer Religion und ihrer Bekenner, zur Festigung unsrer lleberzeugungen, zur Unterweisung uusrer Jugend nicht vernachlässigen. Auf unsren Lehrersemiuarien müßte hierauf Bedacht genommen werden. — In den Jahren 1849 und 1850, da die Erwartungen auf die Entwickelung der! Freiheit und des Völkerfriedens in die Brüche gegangen und die Reaetion sich geltend machte, war man auf den Gedanken gekommen, daß durch die Verbreitung der naturwissenschaftlichen Erkenntniß die Menschen zur politischen und socialen Freiheit erzogen werden würden, und man begann eifrig, in Versammlungen durch Vorträge und durch populäre naturwissenschaftliche Schriften nach dieser Richtung hin wirken zu wollen. Nach einiger Zeit überzeugte man sich, daß man auf diesem Wege zu dem erhofften Ziele nicht gelange. Das Interesse des Publikums blieb so lange rege, wie man die wunderbaren, oder vielmehr die, die allgemeine Kenntniß 24

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