Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1888)
- Date
- 1888-05-24
- Page
- Seite 335 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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335 Am 12. April d. I. waren es 25 Jahre, daß 1)r. Julius Barasch, der um die Bildung seiner Glaubensbcüder sich verdient gemacht hat, aus dem Leben geschieden ist. Diesen Tag hat die historische Gesellschaft Jul. Barasch in Bukarest durch die Er¬ I e u i 1 Corresponden;. Riga, den 7. Mai 1888. Gedächtnisfeier. Am 24. Jjar vorigen Jahres verstarb hier eines der angesehensten Mitglieder der hiesigen Gemeinde, der Lehrer W. Kaplan. Einer jener ausgeprägten Charaktere und energischen Erscheinungen, wie sie die erste Hälfte dieses Jahrhunderts in größerer Anzahl hervorbrachte, deren Reihen sich immermehr lichten, ohne neuen Ersatz zu finden, war der Verewigte in mißlichen Verhältnissen geboren und erzogen, hatte sich aber durch eigene Kraft, durch eisernen Fleiß und staunenswerthe Beharrlichkeit durch alle Hindernisse Bahn gebrochen, sich emporgearbeitet und sich einen schönklingenden Namen weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus erworben. Die heilige Sprache mit seltener Fertigkeit und Gediegenheit beherrschend und mit einem Feuergeiste begabt, hat er in den Reihen derjenigen Männer tapfer mit gekämpft, welche der Bildung innerhalb unserer Glaubensgenossen in Rußland Bahn gebrochen. Um die neuhebräische Literatur hat er sich als Schriftsteller, Journalist und Dichter sehr verdient gemacht. Wohl erkennend, daß der Heranwachsenden Jugend die größte Aufmerksamkeit zugewendet werden müsse, hatte er sich mit dem ihm eigenen Eifer und mit voller Liebe seinem Berufe hingegeben, seinen Schülern allzeit weise und gute Lehren ins Herz gepflanzt und sie so für alles Schöne und Edle empfänglich gemacht. Volle fünsunddreißig Jahre hat er an der hiesigen Gemeindeschule treu seines Amtes gewaltet, stets aufopfernd und heilbringend. Zugleich hat er aber auch der hiesigen Gemeinde seine Kraft gewidmet. In guten und bösen Tagen stand er den Vorstehern derselben treu zur Seite und schaffte oft durch seinen klaren, scharfen Verstand weisen Rath. In den Verwaltungen aller Wohlthätigkeitsinstitutionen hat er eifrig mitgearbeitet, und zu manch gutem Werke ist die Initiative von ihm ausgegangen. In den verschiedensten Lagen des Lebens hat besonders die lernende Jugend, deren Freund er allzeit war, bei ihm Trost und Rath gesucht und solchen auch stets gefunden. Von Wahrheitsliebe und Gerechtigkeitssinn tief beseelt, hat er ein makelloses Leben geführt und kann in jeder Hinsicht als nacheiferungswürdiges Muster aufgestellt werden. Heute um die elfte Morgenstunde versammelte sich in der Aula des neuerbauten prächtigen Schulhauses der hierichtung eines Barasch-Fonds verewigt und zugleich die Biographie des Frühheimgegangenen erscheinen lassen; dieselbe hat Hrn. M. Schwarzfeld, den wackeren Secretär der genannten Gesellschaft, zum Verfasser (Bukarest 1888). Dr. Kayserling. leton. sigen Gemeindeschule die Elite der hiesigen jüdischen Gemeinde, um gemeinsam mit den Lehrern, Schülern und Schülerinnen dieser Anstalt am Jahrestage der vor einem Jahre erfolgten Beerdigung dieses allseits hochgeehrten, innig geliebten Mannes eine Gedächtnisfeier zu veranstalten. Der geräumige, mit Trauerflor drapirte Saal konnte kaum die Menge der Einlaß begehrenden fassen. Galt es ja das Andenken eines würdigen Mannes, eines edlen Menschen zu ehren und ihm eine stille Zähre zu weihen. Die Trauerrede wurde vom Vorsteher dieser Schule, dem Prediger Rabbiner Dr. Adolph Ehrlich, mit Zugrundelegung des Textes aus dem Wochenabschnitte 4. B. M., Kap. 2, Vers 2 gehalten. Im Anschluß an diese Schriftstelle beleuchtete er die beiden Forderungen, die hier an uns gestellt werden: die Berufstreue nnd die Treue vor Gott, die der Verewigte in seinem Leben geübt, und entrollte in ergreifenden, tiefempfundenen Worten den Anwesenden ein Bild von dessen Leben und Wirken. Hiernach hielten die Lehrer A. Lurie und H. Mendelssohn schöne Reden und schilderten in herzlichen, warmen Worten den Verblichenen als Menschen, Gatten, Vater, Freuno, Lehrer und Kollegen. Eines der schönsten Gedichte Kaplans wurde vom Lehrer M. Aronsbecg ins Deutsche übersetzt und vorgetragen. Zwischen den Reden wurden Psalmen von Schülern und Schülerinnen theils vorgetragen und übersetzt, theils gesungen. Das ganze Arrangement hatte ein tief ernstes weihevolles Gepräge und machte auf alle Anwesende einen tiefen Eindruck. Gerührt und ergriffen verließen die Gäste um 12l;2 Uhr den Saal. Die zahlreiche Betheilignng zeugt beredt von der Liebe und Achtung, welche der Verblichene in den weitesten Kreisen genoß. O, daß doch viele solcher Männer dem Judenthume erstehen möchten, deren Wirksamkeit bei ihren Mitmenschen solch warme Anerkennung fände! B. Hirschberg, Lehrer. Vermischtes. Der freigebige Poljakow. Bon dem soeben verstorbenen russischen „Eisenbahnkönig" Poljakow erzählen russische Blälter mancherlei Anekdoten, unter Anderen auch folgende: Ihm nahten sich, besonders in früheren Jahren, als es ihm, dem einstigen kleinen Beamten, bereits recht gut ging, er aber doch noch öfters „starke Reclame" brauchte, Revolver-Journalisten, so einer.