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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-05-17 · Heft 20 (17.5.1888) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 20 (17.5.1888)
Date
1888-05-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine des Iudmiliums. Ein unPirteiisches Organ für alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Wlippson in Bonn. G-epeöition: Leipzig, Wotzplah 17, In redaetionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 17. Mai 1888. Nr. 20. Inhalt, Leitende Artikel: Auch ein antisemitischer Kampf. Der Prozeß Schönerer in Wien. — Notiz. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Frankfurt a. M. — Oesterreich-Ungarn: Wien. — Frankreich: Paris. — Schweden: Stockholm. Rußland: Petersburg. — Großbritannien: London. — Palästina: Jaffa. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Ein Mailied im Jahre 1888. — Aus der Praxis. S.citc'nbe ClzliUcf. Bonn, den 13. Mai. Auch ein antisemitischer Kampf. Es war ein und ein viertel Jahrhundert seit dem Schlüsse des dreißigjährigen Krieges vergangen, als Herder seine „Ideen zur Philosophie der Geschichte" und seine „Briefe zur Beförderung der Humanität" verfaßte. Welch ein Abstand in verhältnißmäßig so kurzer Zeit. Gegenwärtig ist seitdem kaum ein Jahrhundert verflossen, und welcher Abstand wiederum seit jenen mit so außerordentlichem Beifall aufgenommenen und ihrer Zeit so wirkungsreichen Schriften. Wer jetzt von Humanität, von Kosmopolitismus, von Menschheit spricht, läuft Gefahr, in das vorige Jahrhundert zurückversetzt zu werden. Man will nur noch das Menschengeschlecht in schroff geschiedene Rayen und diese wieder in mannigfach verschiedene Nationen zerreißen. — Sah man doch vor Kurzem, als von einem erlauchten Herrscher Worte der Gleichachtung aller Bekenntnisse und Nationalitäten, die im Staate gleichberechtigt bestehen, ergingen, in gewissen, bedeutsamen Kreisen eine nicht geringe Erbitterung sich kundgeben und selbst in Organen der Presse sich äußern. In der That, wer da glaubt, daß Principien wie Minerva aus dem Haupte des Jupiters hervorgehen und, sobald sie als dem Verstände einsichtig und dem Rechtsgefühl entsprechend erkannt werden, sofort die Herrschaft erlangen und die Welt leiten, irrt gewaltig. Sie sind stets von langer Hand vorbereitet, entwickeln und verbreiten sich in den Geistern allmählich, müssen sich kämpfend durchringen und sind, wenn sie zur Geltung gekommen, immer noch vielfachen Schwankungen und Rückschritten unterworfen. Jüngst trafen wir auf ein recht eclatantes Beispiel. In der vor Kurzem erschienenen Schrift von Dr. Theodor Ilgen (Düsseldorf, Boß 1888) „Das Königreich Westfalen" wird (S. 54) die Constitution dieses neuen Reiches, das aus Hessen, dem linkselbischen Theile der Provinz Sachsen, einem Theile von Hannover, aus Braunschweig und Westfalen zusammengesetzt war, mitgetheilt. Sie war von Napoleon aus Fontainebleau den 15. November 1807 decretirt. Fm zehnten Artikel derselben ward „die Gleichheit aller Unterthanen vor dem Gesetze und die freie Ausübung des Gottesdienstes der verschiedenen Religionsgesellschaften" proclamirt, indem „alle Einwohner des Königreiches dieselben Rechte genießen sollen." Dieser Grundsatz wurde genau ausgeführt und in dessen Folge erhielten auch alle in diesem Staate ansässigen Juden die volle Gleichberechtigung *), wie dies auch in Frankreich, 1) Wie dies nicht bloß ein geschriebenes Wort bbeb, sondern that-ächlich wurde, ersieht man aus S. 91 des angeführten Buches, das nur aus Urkunden und archivalischen Quellen geschöpft hat. Es heißt da: In religiöser Hinsicht drängte nämlich alles nach Toleranz im Königreich Westfalen. Der „Moniteur" sagte am 14. Januar: „Kaum giebt es ein Königreich, in welchem mehrere Religionen vorhanden wären, kaum eins, worin die Toleranz bessern Fuß gefaßt und folglich die Polizei des Cultus unnützer wäre." Die Humanität sei die herrschende Religion zu nennen. — Diese Humanität führte auch die Befreiung der Juden von den bisher üblichen Abgaben herbei, und die völlige Gleichstellung derselben mit den übrigen Unterthanen, wie sie in Frankreich bestand. Es wurde demnach durch königliches Dekret vom 27. Januar allen Edelleuten, Lehnsherren und anderen Gutsbesitzern verboten, 20

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