Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-05-10 · Heft 19 (10.5.1888) · p. Seite 303

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 19 (10.5.1888)
Date
1888-05-10
Page
Seite 303 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3227717-3227737--45303-3264808
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sonschule den bisherigen Realschullehrer Vr. Tachau aus Frankfurt a. M. gewählt. Der Eintritt des neuen Leiters der Anstalt erfolgt am 1. Juli. — Man schreibt aus Mannheim, 18. April: Die im deutschen Buchhandel und in der wissenschaftlichen Welt gleich hochgeachtete Verlagsbuchhandlung von I. Bensheimer beging heute den Tag ihres 50jährigen Bestehens. Die Firma wurde am 18. Apr. 1838 von Jakob Bensheimer begründet und Pflegte vornehmlich und mit bestem Erfolge die juristische und pädagogische Verlagsrichtung. Unter der Leitung der Söhne des Gründers, die jetzt Eigenthümer des Geschäftes sind, wurde dasselbe mit einer großen Druckerei verbunden, und es zählt jetzt zu den bedeutendsten seiner Art in Südwestdeutschland. Im Berlage der Firma I. Bensheimer erscheinen zwei große politische Tagesblätter: die Neue Badische Landeszeitung und die Badisch-Pfälzische Volkszeitung, sowie fünf Fachzeitschriften, und zu ihren Autoren zählt die Firma Namen vom besten Klange auf juristischem, pädagogischem und belletristischem Gebiete. — Man schreibt aus Heidelberg, 20. April: Das Sommcrhalbjahr der Universität beginnt mit einem Jubiläum, indem der Nestor der Orientalisten, Hofrath Dr. Weil, der verdiente Verfasser der Kalifengeschichte und vieler anderer Werke, am 25. seinen 80. Geburtstag feiern wird. — Aus Paris berichtet man das Avancement dreier Offiziere jüdischer Religion: der Oberlieutenant von der Infanterie Salomon Rosenwald wurde Oberst und Commandant des 2l. Linienregiments; der Kapitain Alfred Prdger wurd Baiaillonschef im 25. Linienregiment; der Artilleriekapitain Lson Framfort wurde Schwadronchef. — Aus Wien wird geschrieben: Dem Tirector A. S. Fischer, dem^ Leiter der Kindergärtnerinnen - Bildungsanstalt und des Kindergartens in der Leopoldstadt, der vor einigen Tagen sein 25 jähriges Jubiläum gefeiert hat, wurde vom Gemeinderathe die große goldene Salvator-Medaille verliehen. — Der Anfangs April d. I. in Warschau verstorbene Herr I. Reichmann hat c. 100,000 Rubel für Wohlthätigkeits-Anstalten testirt und außerdem zur Errichtung einer jüdischen Handwerkerschule ein großes Grundstück angewiesen. — Ieuilleton. Die Schöpfungstage. Die Geologie auf ihrem jetzigen wissenschaftlichen Stand- Punkt lehrt, daß die Erdoberfläche verschiedene Epochen, allerdings von für unsre Zeitbegriffe außerordentlicher Länge, bis zu ihrer heutigen Entwickelung durchgemacht hat. Was die auf dieser Erdoberfläche befindlichen Wesen betrifft, wird als Resultat der Untersuchungen und Beobachtungen im jüngst erschienenen zweiten Theile der „Erdgeschichte" von Prof, vr.M. Neumayer (Leipzig, Bibliographisches Institut 1887) folgendermaßen beschrieben: „Wir begegnen zuerst einer Epoche, in welcher nur niederes Thierleben, theilweise von durchaus fremdartiger Form, existirt, allmählig gesellen sich Fische, später Amphibien hinzu; dann folgt ein langer Zeitraum, während dessen Reptilien in unglaublicher Mannigfaltigkeit Land und Meer bevölkerten und die Herren der Schöpfung waren. Diese gewaltigen Thiere nahmen jene Plätze ein, welche heute Säugethiere und Vögel im Haushalte der Natur besetzt halten. Mächtige Saurier schwammen im Ozeane wie heute die Walfische, riesige Thiere derselben Klasse belebten, theils auf allen Vieren sich fortschleppend, theils auf den Hinterbeinen wandelnd, die Wälder, wie heute die großen Säugethiere in den Tropenregionen, und durch die Luft glitten, von ihren Flughäuten getragen, die eidechsenartigen Pterodaktylen, längere und über alle Beschreibung häßliche Geschöpfe. Auch die Pflanzenwelt trug einen fremden Charakter; keine Blüthe war noch vorhanden, Farnkräuter, Schachtelhalme, Bärlappgewächse und ihnen verwandte, aber heute ausgestorbene Typen, wie die Siegel- und Schuppenbäume, bildeten die Wälder. Später gesellten sich Nadelhölzer und Sagopalmen zu ihnen, aber noch immer fehlte es an blühenden Gewächsen. Diese erscheinen erst in einer verhältnißmäßig späteren Zeit, und bald darauf erfolgt ein überraschender Rückgang der Reptilien. An ihrer Stelle nehmen Säugethiere und Vögel schnell überhand und mögen auch namentlich unter den ersteren noch manche Formen fremdartig genug erscheinen, so ist doch der Hauptsache nach die Beschaffenheit der Thier- und Pflanzenwelt derjenigen ähnlich, welche wir heute in den äquatorialen Gegenden finden." Man lese nun die mosaische Schöpfungsgeschichte noch einmal. Wer das Neumayer'sche Werk kennt, weiß, daß in demselben gründlich und unparteiisch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung bis zu unsrer Zeit zusammengestellt sind. In ihrem gedanklichem Inhalte unterscheidet sich nun die wissenschaftliche Theorie nicht wesentlich von der mosaischen Schöpfungsgeschichte. Was hier als „Tage" erscheint, sind dort die „Epochen", wie sie durch bie Fossilien durch die verschiedenen Lebewesen charakterisirt und unterschieden werden. Die allmählige Entwickelung und das stufenmäßige Erscheinen der immer höher organisirten Thiere und Pflanzen in aufsteigender Linie ist der Hauptgedanke, in welchem nun Schrift und Wissenschaft übereinstimmen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.