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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-04-26 · Heft 17 (26.4.1888) · p. Seite 271

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 17 (26.4.1888)
Date
1888-04-26
Page
Seite 271 (sequence 15)
Language
German
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271 Corresponden). Königsberg i. Pr., im März. Lehrer-Eonferrnz. Ueber die in dem Verbände der Synagogen-Gemeinden Ostpreußens am 13. v. M. hier stattgefundene „Dritte Religionslehrer-Conferenz" erfolgt hiermit ein kurzer Bericht, in welchem nur diejenigen Verhandlungen und Beschlüsse mitgetheilt werden, welche für die Leser dieser Zeitung Interesse haben dürften. Zu der von dem Vorsitzenden der Schul-Jnspection des Verbandes, Herrn Rabbiner Dr. Bamberger-Königsberg, berufenen Conferenz waren 35 Lehrer erschienen. Außer dem Vorsitzenden des Verband-Ausschusses, Hrn. Stadtrath Elösser- Jnsterburg, waren zahlreiche Gäste theils als Vertreter der Gemeinden, theils als Freunde des Religionsschulwesens zugegen. Bereits am Vorabende hatte eine Besprechung der aus neun Mitgliedern bestehenden Schul-Jnspection zum Zwecke der Vorbereitung der Conferenz stattgefunden. Den Vorsitz in der Conferenz führte Herr vr. Bamberger, der in der Leitung der Verhandlungen von einem Bureau unterstützt wurde. Auf der den Lehrern einige Zeit vorher schon mitgetheilten Tagesordnung befanden sich acht Gegenstände, von denen hier die folgenden hervorzuheben sind. — Herr Ahrenfeld-Lötzen berichtet über den Normal-Schulplan, die Schulordnung und die Beschaffung der nothwendigen Lehrmittel. Indem der Referent ein getreues Bild von den in den Religionsschulen herrschenden Zuständen entwirft, kommt er zu dem Schluffe, daß die Ziele des Normalplanes noch lange nicht erreicht sind und ein größerer Arbeitseifer der Lehrer daher erforderlich ist. In der an das Referat sich knüpfenden längeren Debatte werden beinahe übereinstimmend die Schwierigkeiten betont, welche der Erreichbarkeit im Wege stehen. Beschlossen wird die Wahl einer Commission zum Zwecke der Modificirung des Normalplanes. — Herr Sturmann-Osterode hält einen Vortrag über den Werth des nachbiblischen Geschichtsunterrichts tu den Religionsschulen. Die Nothwendigkeit dieses Unterrichtsgegenstandes wird nachgewiesen; die Schwierigkeiten desselben sind nicht größer, als die des Geschichtsunterrichtes überhaupt in den Schulen; der ganze Lernstoff wird auf drei Schul-Jahre vertheilt. Die Aufnahme dieses Gegenstandes als eines besonderen Pensums in den Lectionsplan wird nach ftattgefundener Debatte beschlossen. Ueber die Methode, den Umfang und das Schulbuch für diesen Gegenstand soll die oben gewählte Commission später Vorschläge machen. — Herr Sekretär Klein- Königsberg berichtet über die bisherigen Ergebnisse der Hilfscasse und die definitive Anstellung der Beamten. Für die Gemeindebeamten in den Provinzen Ost- und Westpreußen und Pommern ist eine Hilfscasse gegründet und von dem Minister bestätigt worden. Referent beklagt das geringe Interesse der Beamten für dieses Institut. Von 250 Beamten sind nur 19 Mitglieder der Casse beigetreten. Derselbe Mangel an Interesse ist in den Gemeinden selbst vorhanden, denen die Sorge für ihre Beamten und die Hinterbliebenen derselben besonders am Herzen liegen sollte. Die feste Anstellung der Beamten scheitert an der mangelnden Leistungsfähigkeit der meisten Gemeinden. Dagegen ist zu constatiren, daß die Gemeinden fast ausnahmslos an dem Princip festhalten, sich ihre Beamten bis in das späte Lebensalter hinein im Amte zu erhalten. Nachdem hierauf der Vorsitzende des Verband-Ausschusses, Herr Stadtrath Elösser-Jnsterburg, die bisher vergeblichen Bemühungen des Verbandes um die Erreichung des zu erstrebenden Zieles geschildert hatte, wird nach einer weit ausgeführten Discussion der Antrag des Referenten angenommen: den Berbandsvorstand zu ersuchen, den Gemeindevorständen den Beitritt zur bestehenden Hilfscasse dringend zu empfehlen. — Im Namen der Schul-Jnspection spricht Herr Ahrenfeldt-Lötzen über die Fortbildung der Lehrer. Referent hält es für beinahe unmöglich, daß der von der Gemeinde angestellte Schochet ein tüchtiger Lehrer mit methodischer Vorbereitung für das Lehrfach ist. Für die Mehrzahl dieser Lehrer ist ein Wegweiser für den Unterricht, wie dergleichen Lehrmittel für die öffentlichen Schulen des Staates vorhanden sind, durchaus erforderlich. Nach einer kurzen Debatte wird folgende Resolution angenommen: In Erwägung, daß die größere Anzahl der bei den Verbandsgemeinden angestellten Lehrer weder seminaristisch noch überhaupt pädagogisch vorbereitet sind; daß die hieraus resultirenden Uebelstände durch die stattfindenden Schulinspectionen und die hierbei ertheilten Belehrungen allein nicht beseitigt werden können: hält die Schulinspection die weitere Fortbildung vieler Lehrer für durchaus geboten und empfiehlt den Gemeinden, ihren Lehrern die Möglichkeit zu verschaffen, bei bewährten Lehrkräften in nicht zu weiter Entfernung an den Unterrichtsstunden in den verschiedenen Lehrgegenständen hospitirend theilzunehmen. Sämmtliche Mitglieder der Verbands-Schul-Jnspection sind gerne erbötig, alle erforderlichen diesbezüglichen Unterweisungen ohne jede Entschädigung zu übernehmen. — Anknüpfend an einige von Mitgliedern der Conferenz mitgetheilte Fälle betr. der von de» Behörden theils genehmigten, theils wieder für ungesetzlich erklärten Austritt eines Schülers aus der Religionsschule gleich nach vollendetem 13. Lebensjahre, setzt der Vorsitzende, Herr vr. Bamberger, die Gründe auseinander, daß die Conferenz sich den angeführten Fällen gegenüber nicht für competent halten kann, auf eine einheitliche Regelung dieser Verhältnisse hinzuwirken. — Es folgten Probelektionen von bewährten Lehrern in den verschiedenen Gegenständen des Schulplanes mit den Zöglingen des Israel. Waisenhauses, in dessen Räumen

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