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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-04-19 · Heft 16 (19.4.1888) · p. Seite 255

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 16 (19.4.1888)
Date
1888-04-19
Page
Seite 255 (sequence 15)
Language
German
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255 reisten nun nach Prag, wo Austerlitz auch seine Mutter besuchte. Nach einigen Tagen reiste das Paar nach Wien; in Brünn jedoch wurde er auf Grund eines Telegrammes verhaftet und nach Prag zurück eskortirt, trotzdem Austerlitz seinen Paß als vr. Brown vorwies und sich stellte, als ob er nicht deutsch verstände. Auch im Polizeigefängnisse in Prag, wo er fünf Tage behalten wurde, sprach er nur englisch. Am sechsten Tage wurde er dem Strafgerichte ausgeliefert. Der Prager Dolmetscher im Englischen, Professor Fischel, wurde zum Verhöre beigezogen. Landesgerichtsrath Peschek im Beisein des Staatsanwalts v. Raap führte das Untersuchungsverhör. Als der Londoner Advokat vr. John Brown vorgeführt wurde, sagte er dem Landesgerichtsrath: „Prosina, Yy jste pan rada?“ Ueberrascht fragte der Untersuchungsrichter, ob er denn Böhmisch verstände? „Ich heiße Jacob Austerlitz und bin ein Prager!" Noch größere Ueberraschung. Der Angeklagte legte nun ein umfassendes Geständniß ab. Auf seine Bitte wurde die von ihm entführte Emma Jackson, welche als unschuldig auf freiem Fuße belassen war, zu seiner Mutter gebracht. In der Schlußverhandlung war nur Ximens aus Dresden erschienen, der für Austerlitz und seine Geliebte 100 Gulden hinterlegte. Der Angeklagte wurde zu sechs Monaten einfachen Kerkers verurtheilt. Austerlitz trat sofort die Strafe an. Emma durfte ihn jeden Sonntag besuchen. „Ich will getauft sein," äußerte er eines Tages zum Jnspectionsbeamten. Senat und Consistorium entschieden nach dem Willen des Sträflings. Caplan Pater Nowotny ertheilte ihm Religionsunterricht und nach überstandener Strafzeit wurde der Taufact in der Kirche zum heiligen Geist vollzogen. Niemand Geringerer als Cardinal Fürst-Erzbischof Schwarzenberg als Delegirter fungirte als Pathe. Der Täufling wählte den Namen Edmund und mit Bewilligung der Statthalterei nahm Austerlitz den Familiennamen Howard an. Bald darauf folgte bei St. Castalus die Trauung des Edmund Howard mit Emma Jackson. Der vor sieben Jahren noch lebende Handelskammer-Beamte Antosch war Trauungszeuge. Howard trat als Sprachlehrer bei dem Maschinenfabrikanten Evans ein. Die Mutter der Emma besuchte ihre Tochter in Prag und unterstützte sie heimlich, da der Vater noch immer grollte. Howard übersiedelte mit seiner Familie nach Oedenburg, wo er die Concession zur Errichtung eines Musik-Instituts erhielt. Nach einiger Zeit reiste Howard nach London, um eine Versöhnung mit dem Schwiegervater herbeizuführen, was aber nicht gelang; er gerieth vielmehr mit seinem Schwager, dem jungen Jackson, in Streit. Es kam zu einem Duell, in welchem Jackson verwundet wurde. Howard kam nicht mehr nach Oedenburg zurück. Emma erhielt einen Brief mit den wenigen Worten: „Ich will Geistlicher werden." Seitdem war er für sie verschollen. Frau Howard, die ihre zwei Kinder durch den Tod verloren hatte, wurde in einer vornehmen Familie in Wien Gesellschafterin. Inzwischen war Howard in ein Jesuitenkloster als Laienbruder getreten. Pater Beckx, welcher den eifrigen Mann lieb gewann, verhalf ihm, nachdem er binnen drei Jahren die Maturitätsprüfung abgelegt, in das Jesuiten-Seminar nach Rom. Durch seine Sprachenkenntnisse und seine Rednergabe bald bekannt, wurde ihm Cardinal Antonelli Freund und Beschützer. Howard bekam die höheren Weihen und wurde Adlatus im Secretariate am päpstlichen Hofe. Nach dem Tode des Bischofs von Ankona fragte eines Tages Cardinal Antonelli: „Warum reicht Howard nicht ein?" — „Endlich ist hier das Gesuch, auf welches ich warte", sagte er nach einigen Tagen. Und bei der Besetzung des Bischofsstuhles von Ankona und Cäsarea erhielt Howard in der That die Würde eines Bischofs in partibus und erfolgte zugleich dessen Ernennung zum Cardinal. Im Hochsommer 1880 erhielt Cardinal Howard eine Mission Seitens des Conclave an den Kaiser von Oesterreich. Ehe Howard nach Ischl reiste, verständigte er seine Frau, von deren Aufenthalt als Gouvernante in einem fürstlichen Hause in Wien er Kenntniß hatte, daß er nach Ischl komme, und schlug ihr eine Zusammenkunft vor. Sie kam. Nach mehr als achtjähriger Trennung sah er sie wieder, die noch immer sehr stattliche Frau. Er legte sein geistliches Gewand ab, ging mit seiner Frau nach London und ward — Journalist. Nachschrift. Unser Leipziger Korresp. erinnert uns daran, daß die Fabel von der jüdischen Herkunst des Cardinals bereits früher in dieser Zeit, erwähnt und berichtigt worden und daß es aus dem zuverlässigen Werke «Men of the Times», London 1884, hervorgeht, daß er in Nottingham im Jahre 1829 als Sohn des Edward Gyles Howard, Enkel des 15. Herzogs vonNorsolk geboren und 1877 zum Cardinal ernannt worden sei. Nach einer Meldung der Times vom 14. d. M. ist er übrigens eben in London angekommen und beim jetzigen Herzog von Norfolk, seinem Verwandten und Haupte der englischen Katholiken, abgestiegen. Daß er irrsinnig geworden sei, ist also ebenso erdichtet, wie seine jüdische Abstammung. Berichtigung. In dem Smyrnaer Bericht in Nr. 15, S. 236, Z. 6 lies: „ans Judenthum". Israelitisches Nensrorrcrt, j zur Ausbild. jung. Mädchen u. für Schalpflichtige v. Frau Alma Silbermaun, gepr.| Lehrerin, Berlin W., Magdeburgerstr. 36. | Anzeigen. Jsr.TScht«k-Pensionatu.HöhereUnterrichts-A»stalt. Gegründet 1864. — Aufnahme von Zöglingen zu jeder Zeit. — Prospekte auf Wunsch. Frau Sirrlrtor Therese Gronau, Lerlin, Hinöersiilstr. 11, Königsplatz.

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