Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-04-05 · Heft 14 (5.4.1888) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 14 (5.4.1888)
Date
1888-04-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227717-3227732--45204-3264704
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein iniparteiWcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. GZepeöition: Leipzig, Wotzpkcrtz 17. In redaetionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 5. April 1888. Nr. 14. JttbaU. Leitende Artikel: Schlagwörter unserer Zeit. — Die Spaniolen in Serbien. — Wohlthätige Werke. III. Das deutsche Synagogenlied im deutschen Cultus. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin. Leipzig, Mainz. — Oesterrreich-Ungarn: Wien. — Rußland: Warschau, Lodz. — Großbritannien: London. — Palästina: Jaffa. — Bonn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Eine Scene im österreichischen Abgeordnetenhause. -- Beaumarchais und die Juden. Stextcwbe Bonn, den 1. April. Schlagiviirter unserer Zeit. In einer nach allen Richtungen hin viel bewegten Zeit wie die unsrige, in welcher sich Jedermann von den verschiedenartigsten Interessen in gleicher Weise ungezogen und getrieben fühlt, kommen Schlagwörter schnell und weithin zur Geltung. Es herrscht ein gewisses Verlangen nach ihnen, welche einen in den Geistern schlummernden Gedanken zum präcisen Ausdruck bringen. Aber um so gefährlicher sind sie. Sie prägen der Menge einen gewissen Gedanken, eine bestimmte Geistesrichtung auf; sie verallgemeinern die in ihnen theilweise vorhandene Wahrheit und werden das Motiv zu einer langen Gedaukenreihe, die, in Thaten umgesetzt, recht gefährlicher Natur sind. Die große Menge der Menschen, wir sagen es ohne Scheu, hat nur eine oberflächliche Denkweise und begnügt sich schnell mit einem Ausspruch, der ihr augenblicklich richtig scheint, ohne ihn auf seinen wahren Gehalt zu prüfen. Hierdurch gereicht aber auch selbst der Theil Wahrheit, der in solchen Schlagwörtern enthalten ist, zu großem, oft unabsehbarem Schaden. Um so mehr ist es Pflicht, solche weit verbreitete und bis zum Mißbrauch verwendete Schlagwörter einer näheren Prüfung zu unterziehen. Mögen unsere Leser uns gern dahin folgen. I. Der Kampf ums Dasein! Es war dieses Wort ein Ausfluß des Pessimismus (genauer des Darwinismus), der sich vor einige» Jahrzehnten zuerst allmälig, dann aber rasch eine weite Verbreitung in den Geistern gewann. Der arme Mensch und die armen Erdgeschöpfe überhaupt, die ins Dasein gerufen worden und werden, um vom ersten bis zum letzten Lebenshauche um die Erhaltung dieses Daseins zu kämpfen, mühsam zu ringen und mit nur schwachem Erfolge! In der That, man kann es ja nicht leugnen, haben die Wesen auf Erden für ihr Dasein selbst einzutreten, ihre Kräfte gegen Gefahren und Nöthen einzusetzen, ihre Bedürfnisse mit schwerer Arbeit zu befriedigen. Der Gedanke „Kampf ums Leben" ist nicht neu; er findet seinen Ausdruck schon auf der ersten Seite der h. Schrift (1. Mos. 3, 17.): „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brod verzehren", und „mit Beschwerde sollst du von dem Erdboden essen alle Tage deines Lebens, und Dorn und Distel soll er ersprießen lassen." Der fruchtbaren Einbildungskraft erscheint da der Mensch wie auf ein schmales Brett gestellt mit einem Genossen, das auf dem Ocean schwimmt; beide kann es nicht tragen, und es gilt da, wer den Anderen hinunterzustoßen vermöge in die Tiefe. Denn es handelt sich nicht bloß um die beständige Arbeit, welche das Schriftwort andeutet, sondern auch um die Stelle des Erdbodens, den das Individuum einnehmen und für seine Arbeit verwendbar machen will. Oder sie stellt ihn einem Feinde, einem Raubthier, einem furchtbaren Orkan gegenüber, wo es einen schweren Kampf kostet, um siegreich zu bestehen. Und was ist das für ein Weltregiment, welches 14

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.