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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-03-08 · Heft 10 (8.3.1888) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 10 (8.3.1888)
Date
1888-03-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine 'VT*- »*.**■■*.** (W^HVVttfllWIl'V« Ein nMlkiischcs Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. GZepsörLion: Leipzig, Wotzpkirh 17. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. In redaetionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichsalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 8. März 1888. Nr. 10. Inh alt. Leitende Artikel: In'DGP ]ü N31 n.t — Schuld, Sühne, Strafe. — Die Stöckeriade in ihrem weiteren Verlauf. VI. — Politische Briefe aus Oesterreich. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Gera. — Oesterrreich-Ungarn: Pest, Linz, Duna-Szerdahely. — Rußland: Warschau. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Aus dem Stillleben einer kleinen Gemeinde. Jteife'ViSe ßUtiHef. . Bonn, den 4. März. iN'Dtr p S2*l NOb& NH' Wenn auch die h. Schrift die Welt als die beste, alle Wesen als „gut in ihrer Art" rühmt, so finden wir doch in ihr die innigsten Ausdrücke für die Mühen und Leiden des Menschen, für die „heiligen Uebel des Lebens". Heißt es doch schon auf einer der ersten Seiten: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brod verzehren", daß also der Mensch Alles, was er bedarf und genießt, durch Mühen und Arbeiten erkaufen muß. Ergreifend kennzeichnet der Sänger des 90. Psalms, nach der Tradition Moses selbst, die Stürme, die das Menschenleben bewegen, so B. 9: „Wir verbringen unsere Jahre wie einen Seufzer; unsere Lebensjahre, ihrer sind siebzig Jahre und bei großer Kraft achtzig Jahre, und ihr Sturm ist Müh' und Unheil, denn schnell eilt's und wir fliegen dahin." In jedem fühlenden Herzen wird die Klage Hiobs nachklingen (7, 1): „Hat der Mensch nicht Dienst auf Erden? find wie Löhners Tage seine Tage nicht? Gleich dem Knechte schmachtet er nach Schatten, gleich dem Löhner harrt er seines Lohnes." Darum sehnt sich das Menschenherz immer wieder nach Frieden, nach Ruhe und Sicherheit von Außen und Innen — und deshalb müssen wir es uns bewußt machen, daß das Ziel, welches uns die Religion Israels aufpflanzt, daß ihr vorzügliches Charakteristicum — der Friede ist. Friede ist der Höhepunkt, ans welchen von der viel bewegten Ebene des Lebens das Judenthum seinen Bekenner in allen Lagen und Stimmungen hinweist. Auf dem stürmischen Meere des Lebens ist es uns das Fahrzeug mit dem hoch aufgerichteten Maste, an welchen es den Wimpel mit den großen goldenen Lettern „Schalom" befestigt hat, und unter dem wir sicher in den Hafen gelangen. Die Verheißung für Israel (3. Mos. 26, 6) lautet: Friede wird sein in deinem Lande, kein Raubthier und kein Feind soll ihm nahen. Der Priestersegen, der täglich über Israel ausgesprochen werden soll, endet mit dem Worte: „Er gebe dir Frieden!" (4. Mos. 6, 26). Die Religion Israels wird als „ein Bund des Friedens" immer wiederholt bezeichnet (4. Mos. 25, 12 und ebenso bei dem letzten der Propheten Maleachi 2, 5). Der Altar, der (Richter 6, 24) errichtet wird, erhält den Namen „der Ewige (giebt) Friede." Friede und Wahrheit werden als eng verbunden gepriesen (2. Kön. 20, 19). Darum fordert Secharja (8, 19) auf: „Liebet die Wahrheit und den Frieden". Frieden, ja Frieden wird im Gottvertrauen gefunden, wie uns Jesaias lehrt (26. 3). Schon die Aussicht auf Frieden entzückt den, welcher von Kampf umtost wird: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Boten, der Frieden kündet" (Jesaias 52, 7. Nahum 2,1). Der Psalmist ermahnt uns: „Frieden suche und jage ihm nach" (34,15), denn „der Friede ist das Werk der Gerechtigkeit" (Jesaias 32, 17); „Recht und Frieden küssen sich" (Psalm 85, 11); „die Wege-der Weisheit sind Frieden" (Spr. 3, 17); „Wer die Lehre liebt, hat großen Frieden" (Ps. 119, 165). Darum verkündet der Prophet 10

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