Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1888)
- Date
- 1888-02-16
- Page
- Seite 111 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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111 diesen Momenten hat jenes Drama große Schwächen. Cs giebt eben noch zu Viele, welche es kitzelt, in allen Juden Shylocks und diese so tief stürzen zu sehen; sie möchten, daß alle Töchter dieser Juden mit den Schätzen ihrer Väter entführt und in die Arme irgend welcher zweideutiger Personen gelegt werden. Daß Andere sich an dem Meisterwerke Lessings ergötzen, der darin verkündeten Menschenliebe als dem Fond der Religion ihre Zustimmung geben und sich wohl heimlich eingestehen, daß auch die Juden ihr volles Menschenrecht besitzen und das Judenthum die erhabensten Lehren umfaßt, ist anzuerkennen. Nur wie weit diese principielle Anschauung einen breiten Platz in der Wirklichkeit einnimmt, ist zweifelhaft. Als einen der weisesten Rathschläge, die wir Menschen uns geben können, haben wir den zu betrachten, welcher uns mahnt, unsere Bedürfnisse einzuschränken und uns möglichst unabhängig zu machen. Man weiß, wie dieser Moralsatz vielfach gemißbraucht worden und zum Diogenes, zum Fakirthum und Anachoretcnwesen geführt hat. Andererseits ist eben das Maß, welches wir in allen Dingen zu beobachten hätten, schwer zu bestimmen und unter Verhältnissen höchst schwierig einzuhalten. Selbst die Regel, uns nach der Decke zu strecken, d. h. unfern Verbrauch nach unfern Mitteln du» zurichten, hilft nicht viel, denn man wird über die Grenze der uns zu Gebote stehenden Mittel nicht recht zweifelhaft sein, und kommt es dabei doch stets auf die richtige Verwendung dieser Mittel an. Hier hilft im Allgemeinen nur die Ansicht des Aristoteles, welche auch Maimonides angenommen, nämlich daß die Tugend stets in der Mitte zwischen zwei Extremen, welche Laster sind, besteht. Geiz und Verschwendung sind die beiden Laster, die Mäßigkeit befindet sich in der Mitte. Wer viele Mittel besitzt, hat auch die Verpflichtung, nicht sie für sich aufzuspeichern, sondern auch zum Besten Anderer zu verwenden, so daß er hierbei über seinen persönlichen Bedarf hinauszugehen hat. Andererseits wer nicht allein steht, hat auch die Bedürfnisse der Seinigen ins Auge zu fassen und kommt hierdurch leicht in die Gefahr, seine Mittel zu überschreiten. Gewiß, die Lebensverhältnisse sind so verwickelt, daß allgemeine Grundsätze geeignet und deshalb nützlich sind, um als Mahnworte in unsere Seele zu dringen, damit wir uns nicht dem Strome überlassen und zum freien Spiel der Wellen werden — im Einzelnen aber nützen sie wenig, da es eben auf die richtige Erwägung der Verhältnisse ankommt, die keine leichte Aufgabe ist. Anzeigen. Ty* Qpyinf p werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet and müssen für die nächst« IIImwI Wivv folgende Wochennnmmer bis spätestens Sonnabend eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncenexpedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Die Stelle des lLasw Jsr. Tochter-Pensionat u. Höhere Unterrichts-Anstalt. & j Gegründet 1864. — Ausnahme von Zöglingen zu jeder Zeit. — Prospekte aus Wunsch. Frau DirrKtor Therese Gronau, Lettin, Hinderfinstr. 11, Lönigsplatz. Isr.Penswmtu. höhereWchterschule von Geschwister Sobernheim, Bingen a.RH. Ausnahmen von Zöglingen jeder Zeit. Beginn des Sommersemesters am 9. 'April. der Samsonschule in Wolfenbüttel ist erledigt uno sofort zu besetzen. Meldungen sind zu richten an Herrn Gustav Cohen, Hannover, Brühlstr. 4. Für einen gebildeten Kaufmann, Jsr., ansprechende Persönlichkeit, in sehr geachteter Lebensstellung, in einer Provinzialhauptstadt, eigenes Vermögen l40 Mille, wird von dessen Verwandten eine passende Parthie aus seiner Familie gesucht. Eltern oder Bei wandte junger Damen von angenehmem Aeußern werden gebeten, ihre Adressen nebst näheren Angaben sub B. L. 835 bei Rudolf Mosse, Berlin SW. niederzulegen. Discretion zugesichert. sB.86i Wegen Krankheit meines jetzigen suche ich für sofort ein älteres gebildetes iüd. Fräulein, welches die Küche gut versteht und auch in Handarbeiten geübt ist. ^La508 Gehaltsansprüche u. Photographie erbeten. Frau Jda Hirschseld, Reinsberg i. d.Mark. Pmfim in UordiMstn. Schüler, welche zu Ostern das hienge Gymnasium oder Real-Gymnasium besuchen sollen, finden in e. gebildeten jüdischen Familie freundliche Aufnahme. Beste Referenz, stehen zur Seite. S. Frohsinn, Hagenstr. 41. Für mein Manufacturwaarenu. Confectionsgeschäst suche pr. 15. März oder 1. April ein Lehrmädchen (Jsr.) aus achtbarer Familie. sK.110 Hagen i. w. M. Ostwald. Pension. Bei e. s. höh. Schule gepr. jüd. Lehrer (Wests.) finden zu Ostern einige Knaben geg. mäßige Vergütung liebev. Pension u. guten Unterr. Vorderen. f. Mittelkl. höh. Schule Vorzügl. Res. Erfolge Nachweis!. Off. sub 8. 7559 Rudolf Mosse, Leipzig. fLc439 mo Ulatzoth empfiehlt in beF. feinster Maare A. Steinberg sen., Vlotho ».Weser.