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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-02-02 · Heft 5 (2.2.1888) · p. Seite 79

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 5 (2.2.1888)
Date
1888-02-02
Page
Seite 79 (sequence 15)
Language
German
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79 welches den Erblasser seit seiner Jugend durchs Leben begleitete und das erst kurz vor dessen Tode seine unvermuthete Lösung fand. An der Schwelle des Todes mußte der 85 jährige Greis die traurige Gewißheit erlangen, daß sein Vater, den er als unmündiges Kind verloren hatte, das Opfer eines Verbrechens geworden war. Herr Theobald Uffeuheimer stammt, wie erwähnt, aus Preßburg, wo sein Vater Abraham als Juw^lenhändler ansässig war. Vor etwa 75 Jahren - der Söhn war damals noch ein kleiner Knabe — verschwand Abraham Uffeuheimer plötzlich in mysteriöser Weise. Er war unter dem Vorwände, daß ein Fremder mit ihm ein Geschäft machen wolle, sammt seinem Juwelenkasten in ein Wirthshaus in Preßburg gelockt worden und kehrte nicht mehr nach Hause zurück. So schlecht war es damals mit dem Recht und der Sicherheit in Ungarn bestellt, daß weder die Familie des Vermißten, noch die jüdische Gemeinde es wagte, eine Anzeige zu machen und einen Verdacht gegen den Besitzer des Wirthshanses auszusprechen, weil zu befürchten stand, daß, wenn sich die Beschuldigung als unwahr erweisen sollte, ein Ausbruch der Bo-lkswuth gegen die Juden folgen würde. Die Behörde selbst scheint sich um den Fall, der in der ganzen Stadt bekannt war, nicht gekümmert zu haben, und so blieb Abraham Uffeuheimer verschollen, ohne daß seine Familie sich Gewißheit über sein Schicksal verschaffen konnte. Um die Mitte Oktober d. I. wurde aus Preßburg gemeldet, daß daselbst in einem Hause der Schöndorferstraße beim Wegräumen der Dielen eines Zimmers das Skelet eines Mannes gefunden wurde, welches schon 60 bis 80 Jahre dort gelegen haben muß. Man erinnerte sich des Verschwindens Uffenheimer's, und bei Prüfung der näheren Umstände des Falles, stellte es sich heraus, daß dieß die Neste des Juwelenhändlers sein müssen, der in diesem Hause unzweifelhaft ermordet und beraubt worden war. Ein Blatt mit dieser Meldung kam durch Zufall dem in Wien lebenden Sohn in die Hände, der daraus mit tiefer Erschütterung erfahren mußte, daß die Leiche seines ermordeten Vaters jüngst aufgefunden, und daß derselbe in der That das Opfer eines ungesühnt gebliebenen Verbrechens geworden sei. Unter dem Eindrücke, den diese Enthüllung auf den Greis machte, setzte er das Testament auf, durch welches er den größten Theil seines Vermögens wohlthätigen Zwecken widmete, und die schmerzliche Erfahrung mochte seine schwachen Kräfte so erschüttert haben, daß er vier Tage später aus dem Leben schied. Herr Landrabbiner vr. Rülf zu Braunschweig sendet uns freundlichst ein Gedicht, welches er in einer Handschriften- Sammlung im städtischen Archive, die von einem christlichen Sammler herrührt, gefunden hat. Wir erinnern uns desselben, wenn auch dunkel, und zwar besonders deshalb, weil es von einem Christen an die erste Rabbinerversammlung gerichtet war. Der ersten Rabbiner-Versammlung zu Braunschweig am 18. Juni 1814. Seid allesammt gegrüßt, Ihr rüstigen Streiter, Auf heiligem Schlachtgefild; Ermattet nicht, o kämpfet muthig weiter; Euch deckt des Höchsten Schild! Des Geistes Fackel einmal angezündet, Wird leuchten immerdar, Bis vor dem reinen Himmelsglanz entschwindet Der nächt'gen Geister Schaar. lind ist zur Ernte reif die Saat geworden, Die Ihr jetzt ausgestreut, So eilet dann vom Süden und vom Norden, Zur Welfenstadt wie heut! Der heil'ge Kampf, hier hat er angefangen, Hier laßt uns einst begehen Das Siegesfest — und sind wir heimgegangen, Laßt's unsere Kinder sehn. Anzeigen. Ty| n/vyiri j"/\ werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- JLJLJL&wJL CtiUt/ folgende Wochennummer bis spätestens Sonnabend eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Israeli«. Wtcr-Pk»j>ai>at »oh Frau Hermiae Heme, Cassel, Rosenstraße. Wissenschaftliche, praktische und gesellschaftliche Ausbildung. Zahlreiche Referenzen. [33.5982 Isr.Penfionatu.höhereTöchlLrs'chule von Geschwister Sobernheim, Bingen a.RH. Aufnahmen von Zöglingen zu jeder Zeit. Beginn des Sommerjemesters am s. April.

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