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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-01-26 · Heft 4 (26.1.1888) · p. Seite 63

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 4 (26.1.1888)
Date
1888-01-26
Page
Seite 63 (sequence 15)
Language
German
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63 Endlich nahm ich Abschied von allen diesen Herrlichkeiten und voll diesen trefflichen Freunden, die später unter glücklichen Verhältnissen wiederzusehen mir vergönnt war. In der sog. gelben Kutsche fuhr ich nach Leipzig, und wanderte von da nach Halle zurück. Im folgenden Jahre beendete ich meine Gymnasialzeit: sie war eine ruhige Fahrt über einen stürmelosen Ocean. Aus der Secunda erinnere ich mich insvnders der Begeisterung, mit welcher wir, Lehrer und Schüler, die Gedichte Ossian's bewunderten. Sie wurden damals von Allen, auch von Goethe, für klassische Poesie erachtet und dem Homer, dem Buche Hiob, Sophokles und Shakesspeare gleichgestellt. Man hatte keine Ahnung davon, daß dieselben durchaus nicht dem Alterthume entstammten, sondern von Macpherson selber verfaßt waren. Erst einige Jahrzehnte später wurde der Nachweis geführt, zuerst von einer schwedischen Gräfin. Ich versuchte dieselben metrisch zu übersetzen, aber trotz ziemlicher Gewandtheit im Versificiren zeigte sich mir der Stoff zu spröde und ich gab den thörichten Versuch auf. Zur selben Zeit studirte ich eifrig die nordische Mythologie, welche damals noch wenig bekannt war und den griechischen Mythen gegenüber mißachtet wurde. Ich verfaßte eine ganze Reihe kleiner epischer Gedichte aus diesem Kreise. Mein jüngerer Bruder sammelte sie, schrieb sie sauber in ein Heft und trug sie in der Declamationsstunde im Gymnasium vor, z. B.: „In Walaskialf saßen die Götter zu Rath, Was Balder's Traum zu bedeuten hat; Wohl weiß es Odin, kennt's Frigga's Sinn, Doch Jeder scheuet der Rede Beginn" u. s. w. Sein Lehrer, ein vr. Lindner, der Nachfolger von Wilhelm Müller, dem Sänger der Griechenlieder und mir später als Bibliothekar der herzoglichen Bibliothek freundlich gesinnt, schüttelte den Kopf über die barbarischen Namen, und fragte: Wo haben Sie denn das wieder aufgetrieben? Mein Bruder verrieth aber den Verfasser nicht. Sie sind mir übrigens verloren gegangen, wie fast alle poetischen Versuche meiner! Jugend. Die Welt hat schwerlich etwas daran verloren. Ein Resultat war die vom Berliner „Freimüthigen" veröffentlichte Abhandlung: „Eine Parallele zwischen der griechischen und der nordischen Mythologie". Ich ging zum Studium nach Berlin. Meine Erlebnisse daselbst habe ich in früheren Artikeln geschildert. — Die Erzählungen aus der Jugendzeit haben immer den Zweck, den Bildungsgang zu zeigen, der zur Entwicklung einer bestimmten Individualität sührte. Ich brauche mich nach obigen Aufzeichnungen hinsichtlich meiner nicht weiter auszulassen. Die eigentliche Grundlage ist immer der Geist im elterlichen Hause, die Auffassung des Lebens, die darin waltete. Dies ist der Boden, aus welchem der Stamm sprießt und emporwächst. Fragen mich aber meine freundlichen Leser, welches Facit ich ans meiner Jugendzeit gezogen und durch das ganze Leben mit mir getragen habe? Die bedeutendsten unter unseren Weisen hatten die Gewohnheit, alle ihre Beobachtungen und Erfahrungen in einen Wahrspruch zusammenzufassen und diesen ihren Schülern und Zeitgenossen zu übergeben. Eine Sammlung solcher Wahrsprüche ist uns bekanntlich in den herrlichen Pirke Aboth, „Sprüche der Väter", überliefert. Denen will ich mich auch im Entferntesten nicht gleichstellen, aber sagen will ich in wenigen Worten, welche Ueberzeugung sich in mir frühzeitig ausgebildet und mich das ganze Leben hindurch beherrschte. Die wahren Grundpfeiler für den Ausbau des Menschenlebens, die unzerreißbaren Anker für unser Schifflein sind: Gottvertrauen, Liebe und Arbeit! Diese drei in Verbindung führen sicher alle Wege, welche Geschick und eigene Wahl uns einschlagen lassen; sie bereiten uns die wahren Freuden und heben über alles Leid hinweg, sie verlassen uns nicht in der Stunde der Prüfung und bauen immer wieder auf, wenn ein Blitzstrahl sie getroffen und zertrümmert hat. Ohne diese ist das Leben fade, inhaltslos und allen Zufälligkeiten preisgegeben. Diese aber zu überwinden, ist der Mensch berufen und vermag es allein durch Gottvertrauen, Liebe und Arbeit. Wirklich reelles Heiratsgesuch! Zwei isr. Kaust. Kompagnons) ans laFaj mitten v. 26—28 I., äugen. Aeuß. u. feiner! intellig. Bildung, Inh. e. bedeut. Fabrikationsgesch. in erster Hasenu. Handelsstadt Deutsch!., mit bedeut. Vermögen, wünschen die Bekanntschaft zweier geb. jungen Damen, am liebsten Schwestern aus Ia Familien mit tadellosen Namen zwecks Herrath zu machen. Eltern, resp. Vormünder, welche bestrebt sind, ihren Schutzempfohlenen eine unbedingt sichere und j sorgenfreie Existenz zu gründen, belieben ihre! Offert, mit Pootogr. sud J. P. 86k6 an die j Expedit, d. Berliner Tageblatt, Berlin SW. einzusenden. Anonyme nicht berücksichtigt. Gegenseitige D scretion Ehrensache. fB.44 6 Anzeigen. 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