Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1888)
- Date
- 1888-01-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Ju-mthums. Ein un-artcnsches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. GxpeöiLion: Leipzig, Woßpkah 17. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, m allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 26. Januar 1888. Nr. 4. Jöbalt. Leitende Artikel: Die Stöckeriade in ihrem weiteren Verlauf. — Ein Blick in die Vergangenheit. — Das „Herz" in der Bibel. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Colberg. Vom Neckar, Ober-Ingelheim. — Rußland: Warschau. — Rumänien: Bukarest. — Palästina: Jerusalem. — China: Hong-Kong. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Aus meiner Knabenzeit. (Schluß.) ZeifanSe 0 zl'i&cf. Bonn, den 22. Januar. Die Ltöckeriade in ihrem weiteren Verlauf. Es giebt Menschen, welche, so oft sie auch durch ihr eigenes Thun und durch Andere zurückgedrängt werden, immer wieder und oft unerwartet zum Vorschein kommen und in einen gewissen Vordergrund treten. Zu diesen gehört auch Stöcker. Bei den letzten Reichstagswahlen verschwand er auf das Andrängen der Cartellparteien außer Sicht; er hielt sich still und im Reichstage schweigsam; sein Concurrent Böckel schien ihn gänzlich zu beseitigen. Aber er wußte, seine Stunde würde wieder schlagen. Diese Stunde schlug in der Versammlung vom 28. November xr. bei dem Grafen Waldersee unter den Auspicien des Prinzen und der Prinzessin Wilhelm. Der Mann hatte ja nicht bloß auf eine Karte gesetzt. Er hatte die Judenhetze, die Christlich- Socialen und die Berliner Stadtmissivn, und verwickelte sie alle drei mit dem Vorbehalt, sobald es nöthig, eine herauszulösen und den Leuten vorzuzeigen. Jetzt, nach dieser Versammlung, war er wieder obenauf. Für die, von ihm allein gegründete und geleitete Stadtmission sollten der Minister von Puttkammer und andere einflußreiche Männer in einem Comits einen neuen Strom von Geldmitteln herbeischaffen. Da traten ihm nicht bloß die liberalen, sondern auch die gouvernementalen Blätter entgegen, schrieben dem ganzen Unternehmen politische Zwecke zu, warfen ihm die „ Stöckerei und Muckerei" vor und verlangen jetzt vor Allem die Entfernung Stöckers aus der Leitung der Stadtmission. Selbstverständlich schreckt Stöcker vor dieser Polemik nicht zurück; gerade eine solche ist sein Lebenselement. In Reden wie in Schriften antwortet er. Er will die Stadtinission jetzt von den Christlich-Socialen trennen, um der ersteren jeden politischen Zweck absprechen zu können; allerdings die Judenhetze kann er nicht loslassen und behält sie den Christlich-Socialen vor. Ueber eine solche Rede wird berichtet vom 12. Januar aus Berlin: „In einem der hiesigen Bürgervereine hat Herr Hofprediger Stöcker gestern Abend seinem Herzen wieder einmal Luft gemacht. Zunächst gegen die Inden, wie folgt: „Das Schlimmste, was der Berliner Bewegung im Laufe des Jahres passirt ist, war der Versuch eines reichen Juden, sie durch Hergabe einer größeren Summe der Versumpfung entgegenzuführen, was aber von dem gesunden Sinne der Berliner Conservativen zurückgestoßen wurde. (?) Wir müssen gegen jeden Einfluß des Judenthums auf die Berliner Bewegung protestiren. Wenn diese aus Feigheit oder Opportunismus jemals aufhören könnte, die Anmaßungen des Judenthums zu bekämpfen, so wäre ihr der Grabstein schon gesetzt. Es ist die Pflicht des Berliner Bürgerthums, sich der Inden zu erwehren, die im socialen, wie im nationalen Leben den Bürgern die Freude am Dasein stören." Dann gegen die officiöse und halbofficiöse Presse wegen der Artikel gegen die Stadtmission. „Es sei unerhört in Preußen, daß officiöse und halbofficiöse Organe eine von Politik durchaus freie, rein religiöse Sache (?) wie die Stadtinission so angreifen und von „Muckerei" und „Stöckerei" sprechen. Der 4