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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-01-12 · Heft 2 (12.1.1888) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 2 (12.1.1888)
Date
1888-01-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein iniparteiWes Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig a Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. GZepeSition: Leipzig, Woßplcrtz 17. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 12. Januar 1888. Nr. 2. Inhalt, Leitende Artikel: Wie die Geschichte Israels einseitig beurtheilt wird. — Das „Herz" in der Bibel. — Eine Methode der Antisemiten. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. — Oesterreich-Ungarn: Wien. — Rußland: Warschau. — Türkei: Smyrna. — Amerika: Washington. — Bonn: Notizen. Bonn, Pest, Oppeln: Literarische Notiven. — Feuilleton: Aus meiner Knabenzeit. IX. — Eine Gegen-Erklärung. — Nachtrag: Deutschland: Berlin, Straßburg. — Rußland: Lodz. '^8-onn, den 8. Januar. Wie die Geschichte Israels einseitig beurtheilt wird. Man braucht nicht zu betonen, welche außerordentliche Leistungen die moderne Geschichtsforschung für die Gewinnung, die kritische Sichtung und Darstellung des historischen Materials vollbracht hat. Dagegen hat sie, indem sie sich von den hergebrachten Anschauungen und Schilderungen freimachte, zu einer beispiellosen Hypothesensucht, zu den vielfachsten Einseitigkeiten in der Beurtheilung der Ereignisse und Persönlichkeiten verleiten lassen. Zu keiner Zeit wurden über die wichtigsten geschichtlichen Vorkommnisse so verschiedenartige Meinungen vorgetragen, die theils aus Parteirücksichten und von Parteistandpunkten, theils ganz subjectiv aus der Sucht etwas Neues und Eigenthümliches vorzubringen, flössen. Man benutzte hierzu die kühnsten Combinationen und scheute sich nicht, verdächtige Quellen zu verwenden, die treuesten aber bei Seite zu lassen. Dieses Schicksal traf vor allem die Geschichte des Volkes Israel. Seit Manetho und Tacitus bis zu unfern Tagen hat Jeder, welcher diese Geschichte schrieb, sehr oft ohne einen Beruf hierzu, eine andere und meist einseitige, oft feindselige Darstellung zu Tage gebracht; das Vorurtheil oder dogmatische Prämissen hatten und haben ihren vollen Antheil hieran. Man könnte verführt werden, es mit zu den Mißgeschicken Israels zu zählen, daß es seine Geschichte unaufhörlich aus den verschiedensten Ideen sich erzählen lassen muß, ohne irgend etwas dagegen thun zu können. Proteste und Widerlegungen helfen da so gut wie nichts; denn der Nächste, der sich zu einer Geschichte des Volkes Israel veranlaßt glaubt, schreibt doch wieder allerhand Sonderbarkeiten, um das mildeste Wort zu brauchen. Wir hatten vor Kurzem in einer Reihe von Artikeln den ersten Theil der Geschichte des Volkes Israel von Renan zu besprechen, der, in immerhin glänzender Darstellung, der Hypothesen, Willkürlichkeiten und selbst Widersprüche eine ganze Fülle enthält. In den Grundzügen läßt er Israel als Träger des Monotheismus volle Gerechtigkeit widerfahren; aber in seiner Schwärmerei für ein Rassenschema schreibt er wieder jenen der semitischen, den Polytheismus den Ariern zu. Doch hat man ihn endlich überzeugt, daß er hiermit der geschichtlichen Wahrheit ins Gesicht schlägt, und nun redet er sich dahin aus, daß man zwischen den ansässigen und den nomadisirenden Semiten unterscheiden müsse, daß nur diesen letzteren aus ihrem Nomadengeiste der Monotheismus eigen sei, während die ansässigen Semiten dem Polytheismus verfallen wären. Für diese nomadisirenden Semiten bleiben nur die Israeliten und einige arabische Stämme übrig, für welche letzteren jedoch der Beweis ihres Monotheismus noch geliefert werden soll. Nun waren die Ahnen jener ansässigen, semitischen Stämme doch auch Nomaden gewesen, und andererseits wurden die Israeliten recht frühzeitig und für anderthalb Jahrtausende in Kanaan ansässig und hätten also füglich auch Polytheisten werden müssen. Man braucht nur das Capitel über „Jahve" zu lesen, um sich erstaunt zu fragen, wohin soll uns ein s

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