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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-01-05 · Heft 1 (5.1.1888) · p. Seite 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 1 (5.1.1888)
Date
1888-01-05
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 Gerste und zweite Stockwerk nahmen die Klassenräume der 'lateinischen Schule ein und in einem niedrigeren Oberstock hatte das naturhistorische und antiquarische Museum seinen Platz. Stieg man aus dem Hause in den Hof hernieder, so befand man sich auf einem sehrlangen Rechteck, von beiden Seilen von einer Reihe großer Gebäude flankirt, links das Waisenhaus für die Knaben und für die Mädchen, dann das große Alumnat für 3—400 Schüler, welche ein jährliches Honorar von resp. 38 und lö Thalern oder garnicbts zu zahlen hatten, worin auch das Schulgeld eingeschlossen war, mit Wohnungen für die beaufsichtigenden Lehrer und ein Haus für den Rektor. Rechts das Gebäude für die Speisesäle und die schön geschmückte Aula, dann für die Cannstedter Bibelanstalt und endlich für die Rendantur und das Sekretariat. Zu den Seiten dieser beiden Häuserreihen ziehen sich wieder Straßen und Baulichkeiten hin, links die Elementarschulen, die von Tausenden von Schülern und Schülerinnen besucht werden, auf der rechten Seite Krankeu- : haus und Wirtschaftsgebäude. Der ausgedehnte Hof wird durch ein anderes stattliches Gebäude geschlossen, mit einem Vorgarten, in welchem jetzt die Statue Francke's steht, segnend die Hand auf das Haupt eines Knaben legend, geschmückt. Dies war das Pädagogium, ein anderes Gymnasium für Junker und Söhne reicher Leute, das aber gegenwärtig aufgehoben ist. Dies war der Schauplatz für meine nächsten drei glücklichen Jahre. — Was nun die jüdische Gemeinde betrifft,! so bestand sie damals nur aus einer kleinen Seelenzahl, aus wenigen hallischen Familien und einigem Zuzug aus den derschiedenen Provinzen. Sie besaß eine alte, ziemlich verwitterte Synagoge am Ende eines Sackgäßchens an der „großen Berline", ganz nach altem Stil, die beweglichen Stände ringsum den Almemor gruppirt, und ein dürftiges Gemeindehaus, in welchem ein alter Vorsänger mit Familie hauste; dazu noch ein etwas entlegener Friedhof aus alter Zeit. Bon irgend einer Ordnung im Gottesdienste, von einem Religionsleyrer nebst dessen Unterricht war keine Rede. Erklärlicher Weise ersuchten deßhalb einige anständige Familien meinen Bruder nach dessen Ankunst, ihren Kindern Religionsunterricht zu ertheilen, und sobald ich in Halle angelangt war, wurde mir dieses Amt überwiesen. Trotz meiner Jugend faßten diese Eltern volles Vertrauen zu mir. und ich suchte, demselben nach Kräften zu entsprechen, indem ich den Knaben und Mädchen die Religionslehre und hebräisch Lesen und Uebersetzen beizubringen mich bemühte. Es hatte auch ganz guten Erfolg, denn die Kinder bemerkten, daß ich sie etwas zu lehren hatte, daß es mir von Herzen ging und ich es sehr ernst nehme. Für mich war dies zugleich eine willkommene Erwerbsquelle und eine gute Uebung meiner Kräfte. Mußte ich doch reiflich erwägen, was ich in der Religionslehre und wie ich es vortragen wollte? Dafür gab es damals noch keine Hunderte von Schriften, aus denen man sich das nöthige Material holen konnte und es bedurfte der eigenen Findigkeit. — (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. i Ty| 4*a werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- | XilOvI folgende Wochennummer bis spätestens Sonnabend eingehen. Dieselben sind ausschliesslich L s.n die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Eilialen in Berlin etc. zu adressiren. Für unser Colonialwaaren- und Landesproducten-Geschäft en gros und en detail, suchen wir auf sofort oder Ostern aus respektabler Familie einen mit gute.! 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