Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 51 (14.12.1886)
- Date
- 1886-12-14
- Page
- Seite 814 (sequence 14)
- Language
- German
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814 wahrscheinlich eine Art Brustumhang oder Besatz) gehen, wenn sie nicht einen Köntösch (bpü.'P, scheint ein Ueberwurf nach Art der ungarischen Dolmans zu sein, die nur leicht umgeworfen werden), Mantel oder Pelz, kurz irgend ein Ueberkleid trägt. Trägt sie aber ein Brüstchen, dann bedarf es keines anderen Oberkleides. 12. Ferner wurde noch betreff der Frauenkleidung für gut erkannt: was nämlich etwa Prunk, namentlich in diesen schweren Zeiten betrifft, so sei dein in folgender Weise. An Wochentagen soll durchaus weder Seide, noch Gold oder Silber, außer auf der Haube getragen werden 0; an Sabbathen und Feiertagen hingegen ist Seide, Gold und Silber erlaubt, aber kein färbiger Damast. Ebensowenig sollen mit Gold und Silber gestickte Pantoffeln und Tücher selbst an Feiertagen, geschweige denn am Sabbath getragen werden. 13. Hat ein Einzelner bei einem Vorsteher etwas zu thun, dieser aber verfügt über keine Zeit, so soll er zu dem zweiten Vorsteher gehen, der sein Verlangen anzuhören hat. Hat aber auch dieser keine Zeit, so sollen zwei Beisitzer (□mti) befugt sein, ihn anzuhörcn und sein Ansuchen zu erfüllen. 14. Betreff der Pleiten, wie viel nämlich die Reichen und die weniger Bemittelten (a-ou:) zu halten verpflichtet sind, ebenso wer solche am Sabbath und wer an Wochentagen halten soll, entscheidet man nach jüdischem Rechte. Wer gegen einen dieser Punkte handelt, wird mit 5 fl. rb. bestraft, von denen die Hälfte der herrschaftlichen Kasse, die andere der der Gemeinde zufällt. So geschehen am Freitag den 13. Ellul 5505. Unterschrieben sind: Elias, Sohn des Jakob oder Josef aus Teplitz '"‘■Q ’pr.) David Katz (•■";) aus Teplitz (p’Vddd yu3 Tn 'pp) Jakob Skalken (ip^ apy 'pn) Jakob Zebi aus Teplitz nu npir) Vermischtes. Aus Paris. Ueber den dritten Band der b'rauve juive von Drumont findet sich ein witziger Artikel von Abraham Dreyfuß im „Gil Blas". Unter anderem erzählt er, wie sich das Buch von Drumont verkäuflich machte: „Was thut Drumont? Er schmiert allen Klatsch und Bätsch gegen die Juden zusammen .... und das Schönste, 1) Hier folgen drei Worte, deren Bedeutung ich nicht ermitteln konnte, nämlich: ""p paN. das Schlaueste, was den Erfolg des Werkes sicherte, das war das Namenregister, ein prächtiger Fund dieses Register. Man hatte schon ähnliche Indexe veröffentlicht, aber einen solchen von 3000 Namen noch niemals. Natürlich wollten die bezeichneten Personen, ihre Freunde und Feinde, doch lesen, was auf sie Bezug hatte, und dadurch allein wurden 6000 Exemplare abgesetzt. Es war ein Meisterstreich; ich selbst hatte mich fangen lassen. Mein Name stand im Register: „Dreyfus (Abraham) II. 340." Ueberrascht und erfreut, sehe ich schon eine Verketzerung voraus, welche das verständige Wohlwollen der Theaterdirectionen auf mich lenken wird. Das Glück! denke ich. Und in meiner Freude rechne ich nicht mehr. Ich ziehe 7 Franken aus meiner Tasche, als wäre ich nicht selbst Israelit, kaufe die zwei Bücher, schlage Band II bei Seite 340 auf und finde in der That meinen Namen, aber ohne ein liebenswürdiges oder böses Wort in einem Haufen jüdischer oder angeblich jüdischer Schriftsteller verloren .... Ich war bestohlen." Ein Bravourstück. Man schreibt aus Than-Hoa (Anam), daß der Lieutenaiit Franck, vom anamitischen Tiralleurregimente, als er am 12. März in einer einsamen Straße von einer Schaar- Rebellen angegriffen wurde, nicht allein Stand zu halten vermochte, sondern diese sogar zur Flucht zwang, obwohl er aus mehr als zwanzig Wunden blutete. Er kehrte erschöpft, sterbend, aber glücklich, daß es ihm gelungen, die französische Uniform siegen zu lassen, in die Kaserne zurück. Sein Commandant hat an den General einen lobenden Bericht über diesen Offizier gesandt. Der betreffende Offizier, der Bruder des Sekretärs des israelitischen Eonsistoriums zu Lyon, stammt aus Elsaß- Lothringen. Keine Erfindung und kein Mißverständniß. Die Notiz, die wir in Nr. 45 d. Bl. lesen, ist völlig richtig. Bei Liberias im Dorfe Miron wird alljährlich Lag-beomer auf dem Grabe des '‘;'fc’'p die Jahrzeit so gefeiert, und zwar wird von allen Ecken und Enden, sogar von Grusien her gewallfahrtet; nicht nur Lumpen, sondern sogar theme Seidenstoffe werden verbrannt, und es wird viel Unfug dort getrieben. Zgierz. T. Lipscheit.