Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 48 (23.11.1886)
- Date
- 1886-11-23
- Page
- Seite 767 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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161 Freund um Entschuldigung. Dieser wollte hiervon in seiner gefälligen Weise nichts wissen und meinte, er sei vielmehr mir Dank schuldig, denn was ich bemerkt hätte, fordere sein Nachdenken auf. In einem Punkte sei er noch nicht recht überzeugt, nämlich in dem, was der Mensch mit vollem Bewußtsein an sich selbst bilden oder vielmehr umbilden könne. Das meiste seien wir doch den Umständen und Erlebnissen schuldig, die natürlich eine volle Kraft auf unseren Seelenzustand ausüben, während wir selbst wohl über uns Nachdenken, über Gedanken und Vorsätze aber kaum hinauskommen. — Auch dies Mal war ich nicht ganz seiner Meinung. Man verwechselt hier leicht Ursache und Wirkung. Inwiefern Verhältnisse und Ereignisse auf uns einwirken, kommt zumeist auf unsere Auffassung an, wie wir das, was uns geschieht, erfassen und verstehen. Dies scheint mir die Hauptsache. Wie käme es denn sonst, daß gleiche oder ähnliche Verhältnisse die verschiedenartigsten Wirkungen bethätigen? Wie viele bedeutende und ehrenfeste Menschen sind aus der Armuth, die ihre Kindheit bedrückte und ihnen den Lebensweg so sehr erschwerte, hervorgegangen, Leuchten der Wissenschaft, der Kunst, der Industrie, vor Allem wahrhafter Tugenden, und wie viele Andere sind in eben dieser Armuth verkommen, zu Taugenichtsen, zu Verbrechern geworden. Wie viele Söhne des Reichthums, im Ueberfluß erzogen, mit allen Hilfsmitteln versehen, sind in das Lager der llsunssss doree über- und verloren gegangen, während Andere, namentlich durch eine ernste, ja strenge Erziehung, durch sittliche Vorbilder im Elternhause, durch den religiösen Geist, der ihnen in der Kindheit eingeflößt worden, in ihrem Wesen geregelt, in ihrem Streben erleuchtet, zu den schönsten Zielen gelangten, Zierden der Gesellschaft und des Staates, Zierden des Berufes, den sie gewählt. Die Verhältnisse, die dem Menschen gegeben werden, erscheinen nur wie das Holz, aus welchem Etwas geschnitzt werden soll, wie der Thon, welchen die Hand, sei es des Meisters oder des Schülers, ein Gebilde geknetet werden soll, das entweder mißlingt oder mißräth. — Das mag wohl sein, erwiderte mein Freund, aber ich sehe noch nicht ein, in wiefern der Mensch die Kraft und die Einsicht zur Selbsterziehung, zur Selbstbildung habe, während er doch in seinen Neigungen, ja Leidenschaften, in der Richtung befangen ist, von der Sphäre umgeben, in die er einmal gerathen. — Aber wir waren unterdeß an meinem Hause angekommen, und dringender Geschäfte halber mußten wir uns verabschieden. Doch versprachen wir uns, unsere Gedanken über diesen wichtigen Gegenstand das nächste Mal auszutauschen. Anzeigen. Ti"! f"0 werden 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- «iuO folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Ludolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Offene Kantorimd Religionslehrer - Stelle. Unsere Gemeinde sucht zum 1. Januar k. I. einen Kantor- und Neligionslehrer, der auch befähigt ist, zeitweilig den Schächter zu vertreten. Die Stelle ist mit 1800 Mk. dotirt und ist bei ausreichender musikalischer Bildung Gelegenheit zu Nebenverdienst. Meldungen werden bis Ende d. M. angenommen. Schrirnrn, im Novbr. 1886. [Sa3837 Der Borstand der Synagogen-Gemeinde. Eine geprüfte Lehrerin (mos.), welche bereits 5 Jahre mit außerordentlich gutem Erfolg selbständig unterrichtet hat und auch in der Lage, Kinder die Ansangsgründe im Lateinischen zu lehren, sucht, gestützt auf vorzügliche Zeugnisse zum 1. Dezember dieses Jahres oder später Stellung als Lehrerin oder Erzieherin in einem feinen Hause. sLcpt.3910 Gefl. Anfragen sind zu richten unt. M. 4837 an Rudolf Masse, Leipzig. Verlag von Gressner & Schramm in Leipzig. 1848-.1871.I 1789—1848. Geschichte Geschichte der Neuzeit von Corvin liegt vollständig in 30 Lieferungen ä 30 Pfennig vor. (Elegant gebunden in 3 Bdn. ä M. 4,50.) Das beste Geschichtswerk über die neueste Zeit. Allen aufs wärmste zu empfehlen. Corvins Schilderungen gewinnen dadurch an Interesse, dass er über einen grossen Theil der mitgetheilten Begebenheiten als Augenzeuge berichtet. der grossen französischen Revolution und ihrer Folgen von Corvin liegt vollständig in 25 Lieferungen ä 30 Pfennig vor. (Elegant gebunden in 2 Bänden ä M. 4.50.) Jedem, der sich für die Geschichte der Neuzeit interessirt, wird dies Werk eine willkommene Belehrung bieten. Zu beziehen durch jede Buchhandlung.