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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-11-16 · Heft 47 (16.11.1886) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 47 (16.11.1886)
Date
1886-11-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudcntliums. Em unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. Gspe-ition: Leipzig, Wotzpkah 17. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch denBuchhandel. 50. Jahrgang. Leipzig, den 16. November 1886. Nr. 47. IahaU. Leitende Artikel: Die antisemitische Ohnmacht. — Die Loblieder unter den Psalmen. — Die weltgeschichtlichen Heroen und die Juden. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Frankfurt, Posen, Vom Rhem. — Frankreich: Paris. — Rumänien: Bukarest. — Spanien: Madrid. — Amerika: New-Iork. — Bonn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Correspondenz. £eifce-/nbe GUft&cf. Bonn, 10. November. Die antisemitische Ohnmacht. Die Herbstsession des österreichischen Reichsrathes ist zu Ende gegangen. Bevor sie begann, hatte von Schönerer, der antisemitische Hauptagitator in Oesterreich, mit pomphaften Worten verkündet: er werde einen Gesetzentwurf zur Beschränkung der staatsbürgerlichen und bürgerlichen Rechte der Juden im Abgeordnetenhause einbringen. Das hat er nun unterlassen. Gleiches hatte Jstoczy, der tapfere Ungar, ge- Ihan, und ebenso wenig wie dieser Ritter von der traurigen Gestalt hat Stöcker Reichstag oder Abgeordnetenhaus mit dergleichen Anträgen behelligt. Diese Himmelsstürmer, die sich des Antisemitismus bedienten, um gewählt zu werden, und ihren Wählern einen großartigen Feldzug gegen die Juden verheißen hatten, können alle drei überhaupt von irgend welchen parlamentarischen Erfolgen nicht reden, und wenn ihre unmittelbaren Anhänger nicht Leute wären, die durch Nichts stutzig gemacht werden können, wären sie schon längst über diese ihre Häupter stutzig geworden. Fragt man nun, weshalb wohl jene Agitatoren es unterlassen haben, ihre gesetzgeberischen Produkte im betr. Parlamente ans Licht zu bringen? —- so schließt es sich von vornherein aus, daß sie einen derartigen Gesetzentwurf nicht hätten abfassen können. Brauchten sie doch nur ein wenig, in der Rumpelkammer der Vergangenheit sich umzusehen, um für jede Art Bedrückung und Verfolgung der Juden eine Formel zu finden, von den! Beschlüssen der Concile bis zu den gegenwärtigen russischen Judengesetzen oder selbst auch nur bis zum preußischen Judengesetz vom 23. Juli 1847. Sie fanden da Gesetze und Dekrete vom Scheiterhaufen bis zur Versagung der öffent« lichen Aemter, und diese Stufenleiter hat sehr zahlreiche Sprossen, denn in Nichts ist der Mensch erfindungsreicher als wenn es gilt, seine Nebenmenschen zu plagen und zwar unter gesetzlicher Form. Nicht minder kann man nicht annehmen, daß jene Herren schwiegen aus Furcht, sich zn compromittiren. Sie haben auf diesem Felde sich so viel compromittirt, daß sie darin nicht weiter gehen können. Die Antisemiten haben so tief in die Ascheneimer der Verleumdung gegen die Juden gegriffen, um damit das von ihnen gesäete Unkraut des Hasses zu düngen, daß jene leer geworden, und sie haben dies mit g^^^Offenheit in den Volksversammlungen wie in der Pr^^W^n. So bleibt für die Beantwortung jener Frage nichA2^Mr übrig, als daß sie auf die völlige Aussichtslosigkeitrhrer Anträge, auch nur eine kleine Minorität für diese zu erlangen, rechnen mußten, daß sie einsahen, es würde durch ihren Versuch die Geringzähligkeit nicht blos ihrer Fraktion, denn die ist hinlänglich bekannt, sondern derer, welche einen solchen Antrag unterstützen würden, in einer niederdrückenden Klarheit sich zeigen. Sie zogen es deshalb vor, sich still zu verhalten, als ihre Ohnmacht kundzugeben, was ihren Anhang nur vermindern könnte. — Die Antisemiten hatten zwei Wege, um ihre feindlichen Pläne irgendwie zu verwirklichen: sie konnten gesetzgeberisch zu wirken suchen und zu diesem Zwecke das Volk! aufwühlen, um Antisemiten in die Parlamente zu wählen, 47

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