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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-11-02 · Heft 45 (2.11.1886) · p. Seite 719

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 45 (2.11.1886)
Date
1886-11-02
Page
Seite 719 (sequence 15)
Language
German
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719 starb. Vor 48 Jahren war Diejenige, die man heute zur letzten Ruhestätte geleitete, Wittwe geworden. Ihr Gatte, mit dem sie kaum zwei Jahre verheirathet gewesen, wurde im Jahre 1838 durch den Tod dahingerafft, und damals leistete sie den schrecklichen Schwur, so lange das Tageslicht zu meiden, bis Gott sie abberuft, und sie an der Seite des todten Gatten im finsteren Grabe ruhe. Mit welcher grenzenlosen Liebe muß diese Frau ihrem Gatten zugethan gewesen sein, daß sie diesen Schwur redlich hielt. In der Wohnung, die sie damals inne hatte, und in welcher sie auch starb, wurden nach dem Begräbnisse die Fenster mit schwarzem Tuche verhüllt, und in diesem Quartiere hat die Witwe volle achtundvierzig Jahre gewohnt, ohne das Tageslicht mehr zu schauen. Nur in den Nächten verließ sie auf einige Minuten das Zimmer, aus dem sie sich bei Tage nie entfernte, so daß die Hausbewohner, die inzwischen häufig wechselten, von der Existenz der Märtyrin gar keine Ahnung besaßen. Aber auch die Bewohner des Bezirkes hatten allmälig die um ihren Gatten trauernde Wittwe vergessen. Gestern erst erinnerten sie sich ihrer, als ihr Ableben zur Anzeige gebracht wurde. Auch die Haus-Insassen erlangten erst gestern davon Kenntniß, daß eine Frau R. Rakonitz ihre Mitbewohnerin gewesen. Heute wurde, wie schon erwähnt, die Wittwe, welche 48 Jahre hindurch in einem finsteren Gemach gehaust, dem finsteren Grabe überantwortet, und nun ist sie mit Demjenigen vereint, für den sie ein Menschenalter hindurch in so martervoller Weise getrauert. Anzeigen. Ty% »pyto werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- X.li.OC/1 CbfJVs folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Budolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Baeanz einer Predigerrefp. Rabbiner-Stelle. Am i. April 1887 soll an unserer Gemeinde ein Prediger resp. Rabbiner angestellt werden, welcher auch die Befähigung hat in den obersten Klassen des König!. Gymnasii den Religionsunterricht zu ertheilen. Das Einkommen beträgt mindestens 3500 M. pro Jahr. Offerten nimmt entgegen Hirschberg i. Schl. Br.752 Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Vaca»; einer Kantor - Schächter-Stelle. Am 1. April 1887 ist an unserer Gemeinde die Stelle eines musikalisch gebildeten Cantors, welcher auch zugleich das Schächteramt ausübt, zu besetzen. iBr.750 Das Gehalt beträgt 2100 Mark jährlich. Anmeldungen nimmt entgegen Hirschberg i. Schl. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Pensionat. In meinem Pensionate finden j. Mädchen v. 10 I. an, Aufnahme. Unterricht in Religion, Wissenschaften, fremden Sprachen u. Musik. Vorzug!. Pflege u. gewissenh. Beaufsichtigung. Prospecte und beste Referenzen des In- und Auslandes stehen zur Verfügung. Hannover. Jenny Lehmann, Lavesstr. 16. gepr. Lehrerin. In meinem Pensionate finden israelit. junge Mädchen behufs Ausbildung, wie schulpflichtige Kinder freundliche Ausnahme. Frau Alma Silbermann, gepr. Lehrerin, Berlin W., Potsdamerstraße Nr. 30a. Verlag von Daumgartner's Duchhandlung in Leipzig. Zu beziehen durch jede Buchhandlung: L. A. Alberl's Englischer Dolmetscher. Anweisung, die englische Sprache binnen kurzer Zeit leicht und ohne Lehrer zu erlernen. Nebst einem Wörterbuche der deutschen und englischen Sprache, worin die Aussprache und richtige Betonung der englischen Worte angegeben ist rc. 11. Auflage. — Preis eleg. gebdn. 2 M. 40 Pf. Vorzüglich geeignetes Fest-Geschenk. Im Verlag von Baumgäriner's Buchhandlung in Leipzig erschien und ist in jeder Buchhandlung zu haben: KeogrcrpHifches Lotto. Ein Gesellschaftsspiel siir 2 -8 Personen. 4. Auslage. In eleg. Kasten. Kreis 4 Mark. Von diesem in ganz Deutschland und Oesterreich bekannten und beliebten Spiele ist soeben die neue Auflage in eleganter Ausstattung erschienen. Dieses unterhaltende Spiel, welches acht sorgfältig in Farbendruck ausgeführt- Landkarten enthält, ist zugleich das beste Lehrmittel, um sich in kürzester Zeit eine gehende Kenntniß der hervorragendsten Hauptstädte, Länder, Flüsse, Gebirge, Meere, Inseln rc. zu verschaffen. Jeder Spieler erhält eine Karte mit roth ausgezeichneten geographischen Punkten (Bayern, Ostsee, Alpen, Wien u. s. w.). Einer der Mitspielenden ruft die Namenskärtchen aus und die Spielenden besetzen mit kleinen Blättchen die ansgerufenen Punkte. Wer zuerst eine ausgemachte Anzahl von Punkten besetzt hat, ist König. Als äußerst amüsante und zugleich in hohem Maaße instruktive Unterhaltung für die Winterabende kann es Alt und Jung nicht warm genug empfohlen werden und sollte in keiner Familie fehlen.

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