Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 45 (2.11.1886)
- Date
- 1886-11-02
- Page
- Seite 716 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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716 Am 17. Oct., dem Geburtstage des sel. Predigers Mannheimer, hat der Verein, der den Namen seines edlen Gründers trägt, die Interessen des Fondes, der jetzt 27,400 fl. beträgt, sowie die Jahresbeiträge und Spenden, in Summa 1225 fl. an 27 Petenten (10 Lehrer, 9 Rabbinerwitwen, 5 Lehrerswitwen und 3 Rabbiner) vertheilt. 4 erhielten ä 100 fl., 10 ä 50 fl. und 13 ä 25 fl. — Vor einigen Wochen starb der ehemalige Hofwechsler Herr Ignaz Deutsch, welcher bei dem ehemaligen Minister für Cultus und Unterricht, Grafen Leo Thun, großen Einfluß besaß, den er zu Gunsten der orthodoxen Partei, als deren Oberhaupt er sich gerirte, verwendete. Da wir jede Ansicht, die aus Ueberzeugung hervorgeht, achten, so würden wir ihm diese Ansicht nicht übelnehmen, aber es war das nicht, wenigstens eine Zeit lang, wie notorisch bekannt ist, seine Ueberzeugung. Was aber noch schlimmer ist, er war einer der schlimmsten Angeber gegen seine Glaubensbrüder, die nicht seine Ansicht theilten und schon der Midrasch sagt von Moses iUW p'v. Möge Gott ihm ein gnädiger Richter sein. Frankreich. Paris, 24. October. Nach den Algier'schen Blättern hat am Abend von Kol Nidre in Algier ein skandalöser Auftritt vor der großen Synagoge stattgefunden. Ein Trupp jüdischer Soldaten hatte sich angesammelt, um dem Großrabbiner Bloch aufzulauern und ihn zu insultiren, weil er, wie sie meinten, ihnen bei dem Commandanten der Garnison die Erlaubniß nicht ausgewirkt habe, am Versöhnungstage dem Gottesdienste beizuwohnen. Sie mußten durch die Polizei auseinander getrieben werden, welche den Großrabbiner auch bis zu seinem Hause geleitete, um ihn zu schützen. Dabei war die Klage dieser Soldaten unbegründet. Der Großrabbiner war um den Urlaub der Soldaten eingekommen und der Commaudant hatte ihn bereitwillig ertheilt. Der Bescheid des Letzteren wurde als Beweis hernach veröffentlicht. Wahrscheinlich war es die Schuld eines unteren Ofsiciers, daß die jüdischen Soldaten ohne Nachricht hiervon geblieben. Rußland. Petersburg, 19. Oct. Man schreibt uns: Trotz der schwierigen Lage, in welcher Rußland sich bereits befindet, fährt die Regierung fort, eine große Bevölkerungsklasse zu verfolgen. Gefällt es irgend einem Machthaber, so werden alte Verfügungen hervorgesucht und es geht an die Ausweisung der Juden. So sind einer Correspondenz der„Russkija Wjedomosti" zufolge in der verflossenen Woche Juden in Massen aus Kijew verwiesen worden, weil auf Grund einer Verfügung aus dem Jahre 1881 nur solche Juden, welche Kaufleute erster Gilde oder verabschiedete Soldaten find, das Aufenthaltsrecht in Kijew haben. Wer die Verhältnisse in den südwestlichen Provinzen Rußlands kennt, der weiß, welche Folgen in commerzieller Hinsicht diese Ausweisungsmaßregeln für die christliche Bevölkerung nach sich ziehen. Odessa, 15. Oct. Wie bekannt, hat die Handwerker- Uprawa von Odessa in letzter Zeit von ihrem Rechte, den ausländischen Juden das Handwerk zu verbieten, in rücksichtsloser Weise Gebrauch gemacht. Da hierbei eine große Anzahl solcher Familien betroffen wurde, welche bereits Jahre lang in Odessa leben und sich in reeller Weise ihr Brod verdienten, so begab sich dieser Tage eine Deputation von solchen Handwerkern zu dem Stadt-Gouverneur, Contre-Admiral Selenoi, dem sie ihre bedrohte Lage auseinandersetzten, was zur Folge hatte, daß die Handwerker-Uprawa vom Stadt- Gouverneur den Befehl erhielt, alle Verfolgungen und Schließungen von Werkstätten der ausländischen Juden bis auf Weiteres einzustellen. — Auf Befehl des Odessaer Polizeimeisters wurden die jüdischen Hotel-Kommissionäre ausländischer Staatsangehörigkeit entlassen. Großbritannien. London, 25. Oct. (Privatmitth.). Man geht jetzt hier mit dem Gedanken um, im nächsten Jahre in der Albertshalle eine Ausstellung jüdischer Alterthümer zu bewerkstelligen. Wie sich von selbst versteht, wird man aus der altisraelitischen Zeit, mit Ausnahme einiger makkabäischer Münzen und solcher von Bar-Kochba, nichts oufzubringen vermögen. Hingegen wird das Mittelalter sowie die letzten Jahrhunderte recht reichlich vertreten sein. Man rechnet besonders auf reich und künstlerisch verzierte Vorhänge, Thoramäntel und andere synagogale Paramente, auf Becher, Lampen und Leuchter und andere für den Gottesdienst bestimmte Arbeiten der Goldschmiedekunst, merkwürdige Thorarollen u. s. w. Die Sache hat vielen Anklang gefunden und selbst protestantische Geistliche zeigen lebhaftes Interesse. Sobald sich dafür ein größeres Comitö gebildet haben wird, werden wohl auch weitere Schritte gethan werden. — Vor Kurzem wurde die neue spanisch-portugiesische Synagoge im nördlichen Theile Londons mit großer entsprechender Feierlichkeit eingeweiht. Bonn, 24, October. (Notizen). In Rotterdam feierte am 16, ds. Friedrich Gernsheim sein 25 jähriges Jubiläum als Musik-Dirigent. Im Jahre 1861 wurde er zum Musik- Director in Saarbrücken ernannt, einige Jahre später (1865) wurde er Lehrer für Clavierspiel und Composition am Conservatorium in Köln und seit 1874 führt er die Leitung des Conservatoriums und die Leitung des Vereins „Tonkunst" in Rotterdam. Er ist auch als tüchtiger Componist im In-