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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-10-12 · Heft 42 (12.10.1886) · p. Seite 670

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 42 (12.10.1886)
Date
1886-10-12
Page
Seite 670 (sequence 14)
Language
German
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670 und um der ausschließenden Stellung willen, die man ihnen aufgezwungen. Vor dem ersten Kreuzzuge ist davon keine Spur; die Duldung und einträchtliches Zusammenleben waren daselbst auch für sie heimisch. Mit einem Schlage änderte sich dies und der blutig angefachte Fanatismus sah in ihnen Feinde und Verfluchte Gottes, gegen welche Alles erlaubt sei, was Moral und Gesetzbücher sonst verpönten. Aber sehen Sie, wie sich mit der Zeit dies Alles verändert hat. Sicherheit des Lebens, des Eigenthums und der Heimstätte kam; die Beschränkungen im bürgerlichen Leben wurden aufgehoben und das gleiche Recht für Alle verfassungsmäßig sestgcstellt. Dies Alles ist bereits auch im Herzen des Volkes festgewurzelt, und darum fürchte ich jene schmähliche Agitation in der jüngsten Zeit nicht, da es ihr, so vielen Schaden sie auch augenblicklich für unsere Verhältnisse zu unseren Mitbürgern anrichten möge, nicht gelingen wird, an den Grundsäulen unseres Staates zu rütteln, der Gleichheit aller Staatsangehörigen vor dem Gesetze, dem gleichen Rechte für Alle. Gewiß, das Friedensbedürfniß, das unser geehrter Historiker so treffend gezeichnet, die Achtung vor dem Rechte und die Duldung aller aufrichtigen Ueberzeugungen werden die Spuren bald verwischen jener Gährung, welche noch einmal die reaktionären Gewalten erwirkt haben, indem sie Haß und Borurtheil zu verbreiten suchten. Gerade dem nationalen Geiste in edlerem Sinne, der in uns Deutschen so lebhaft erwacht ist, vertraue ich, daß er eben in dem Zusammenfassen aller Glieder des Volkes seine Befriedigung und seine Kraft finden werde!" — Meine Worte fanden einen allgemeinen Anklang und die Gesellschaft bezeugte mir dies, indem sie mich umringte und viele mit warmem Händedruck ihr Einverständniß mir kundgaben. Doch wir waren jetzt bei Coblenz angelangt, und der herrliche Anblick, der sich hier, wo die Mosel und die Lahn in den Rhein münden» darbietet, fesselte die Aufmerksamkeit Aller und ließ in ihnen allgemeine Betrachtung nicht aufkommen. Die Bevölkerung Jerusalems. Der „Warte des Tempels", dem Organe der in Württemberg heimischen christlichen Secte, welche bei Jaffa eine Colonie gegründet, (1886, Nr. 28) wird aus Jerusalem vom 25. Juni geschrieben: „Jeder, der Jerusalem in den letzten paar Jahren gesehen, ist überrascht von der Vergrößerung und Verschönerung, welche diese Stadt in den letzten zwei Decennien erfahren hat, indem sich außerhalb der alten schmutzigen und unwegsamen Stadt eine Vorstadt erhob, die an Ausdehnung der alten Stadt nicht nachsteht und sich vor ihr durch hübsche Bauten, Reinlichkeit und frische Luft auszeichnet. Diesen Aufschwung verdankt aber die heilige Stadt nicht dem Umstande, daß sie für irgend einen materiellen Umtrieb eine I günstige Gelegenheit darböte, vielmehr ist das Urtheil eines Juden ganz richtig, welcher sagte: „Jerusalem ist gut zum Beten, aber nicht zum Geschäftemachen." Auch ist die Vorstadt hauptsächlich mit Juden bevölkert, die theils in besonderen einzelnen Wohnhäusern, theils in für sich abgeschlossenen Colonien zu Hunderten beisammen wohnen. Allerdings sind auch in der Vorstadt Magazine, Lokanden, Gasthäuser, Hospitäler, Schulen und Consulate erbaut worden, bilden aber doch gegenüber der jüdischen Bevölkerung den kleineren Theil. Unzweifelhaft ist die Zunahme der jüdischen Einwohnerschaft großentheils den bekannten europäischen Judenverfolgungen zuzuschreiben, doch giebt es auch viele reiche alte Juden, die ihren Wohnsitz hierher verlegen, um ihre Tage im Lande ihrer Väter zu beschließen und in heiliger Erde begraben zu werden. Um für die Seelenzahl der Bevölkerung einen Anhalt zu bekommen, war ich bemüht, Erkundigungen bei den verschiedenen Religionsgenossenschaften einzuziehen, die auch bereitwilligst gegeben wurden und wohl nicht viel von der Wahrheit abweichen werden. Nur bei den Juden wollte es mir scheinen, daß sie aus politischen Gründen geneigt wären, lieber zu niedrig als zu hoch zu greifen. Nach diesen Angaben beziffert sich die Bevölkerungszahl folgendermaßen: Juden, Aschkenasim und Sephardim zusammen 20,000 Muslimen 5,600 Christen, und zwar Griechen 4,600 Katholiken 2,100 Protestanten 850 Armenier 450 Kopten 85 Unirte Katholiken 70 Abessinier 56 Syrier 40 zusammen: 33,851 Hierzu mag bemerkt werden, daß früher die Zahl der Muslimen auf 8000 angegeben wurde, so daß also die mohammedanische Bevölkerung in einer merklichen Abnahme begriffen ist. Die christliche Bevölkerung besteht dem größten Theil nach aus Eingeborenen, doch kommt bei den Katholiken eine beträchtliche Anzahl von temporär ansässigen Mönchen und Nonnen in Betracht, die in den letzten Jahren sich entschieden vermehrt haben. Die Abessinier von pechschwarzer Farbe kommen und gehen und sind als Wächter, weil sie mit den Arabern nicht fraternisiren, sehr beliebt. Die Protestanten sind zum größten Theile Europäer, Engländer und Deutsche, die förmlich im Dienste der englischen Mission oder doch zu derselben in Beziehung stehen, oder auch wie die Tempelmitglieder selbständig einen Missionszweck verfolgen, sich aber grundsätzlich des Proselytenmachens enthalten. Obige Bevölkerungsliste kann keinen Anspruch auf ab-

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