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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-10-05 · Heft 41 (5.10.1886) · p. Seite 655

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 41 (5.10.1886)
Date
1886-10-05
Page
Seite 655 (sequence 15)
Language
German
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655 In der Sektion für landwirthschaftliches Versuchswesen sprach der bekannte Chemiker Dr. A. Frank (Charlottenburg) „über den Werth und die Verwendbarkeit des Thomasschlackenmehls für den Ackerbau." — Wir erwähnen dies nur, weil auch hier der Beweis geliefert wird, auf welchen verschiedenen Gebieten unsre Glaubensgenossen gegenwärtig thatkräftig und mit Erfolg wirksam sind. — Iieuilleton. Vermischtes. Eine neue Entdeckung wurde in der ersten Sitzung des zu Berlin abgehaltenen Congresses der deutschen Naturforscher und Aerzte in einem längeren Vortrage über „Hand und Fuß" mitgetheilt, nämlich daß der Mensch nicht — vom Affen, sondern vom — Fisch abstamme! Der Vortragende wollte nämlich entdeckt haben, daß in den Flossen der Fische die Keime oder Rudimente vorhanden seien, die sich zu den Extremitäten der Wirbelthiere und dann zu Hand und Fuß des Menschen entwickelt haben; auch einige kleine Ueberbleibsel der Kiemen sollen sich in den Athmungsorganen der Menschen finden. Man sieht, zu welchen Absurdidäten und Verirrungen die Voraussetzung der Darwinschen Entwicklungstheorie führt, da man unter dem Schirme derselben gewiß noch zu den mannigfaltigsten Schlußfolgerungen kommen wird. Den Weg freilich, auf welchem sich diese Entwickelung vollzogen habe, können die Herren nicht angeben, und jeder von ihnen weiß nur für seine Ansicht irgend einige unsichere Beobachtungen anzugeben, welche Mittelglieder vorstellen sollen. Die ihnen unbequeme Darwinsche Vererbungstheorie schieben sie gänzlich bei Seite. Niemand wird von vornherein leugnen, daß es innerhalb der organischen Welt viele Aehnlichkeiten und Verschiedenheiten in der Gestaltung der ganzen Organismen und der einzelnen Organe gebe und geben müsse. Die letzteren aber nur als Entwickelungsetappen, die ersteren als verschiedene Entwicklungswege anzunehmen, ist eben nur Hypothese. Man weiß ja aus allen Gebieten der Wissenschaft, daß, sobald man von einer bestimmten Theorie ausgeht, man stets zu Folgerungen kommt, welche als Beweise dienen und die Theorie bestätigen sollen. Liegt diese letztere in der Strömung der Zeit, so gelangt sie zur Herrschaft über die Geister, bis sie sich selbst widerspricht und die Forscher zwingt, sich ihrer wieder zu entledigen. Die früher auch bei den Naturforschern obwaltende Anschauung, daß jedes organische Wesen für seine Lebensbedingungen zweckmäßig geschaffen worden, so daß trotz des allgemeinen Typus die größte Mannigfaltigkeit entstanden ist, und daß eben die verschiedenartigen Lebensbedingungen früherer Erdepochen auch andersgestaltete Organismen, iminer aber mit demselben Typus, hervorbrachten, diese Anschauung wird, wie sie immer noch ihre Bertheidiger hat, einmal noch aus dem gegenwärtigen Wüste der Ansichten sich wieder hervorringen. Anzeigen. Ty% QAiin 4-a werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- Xll&Cl Cl* UV? folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag 0ingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Eilialen in Berlin etc. zu adressiren. Bekanntmachung. Die diesjährigen Zinsen der von uns verwalteten Kaufmann August Johnson'schen Familienstiftnng sollen einem weiblichen Mitglied aus der Verwandtschaft des Stifters, das erwiesen arm ist, als Beisteuer zur Verheirathung gewährt werden. Die Auszahlung erfolgt, nachdem die vollzogene Trauung durch oen Rabbiner nachgewiesen ist. sBra702 Die zur Theilnahme an dem Genuß der Stiftung berechtigten weiblichen Familienmitglieder werden hierdurch aufgefordert, etwaige Bewerbungen um die zu vergebenden Zinsen, unter Beibringung der ihre Ansprüche begründenden Documente — insofern dies nicht schon früher geschehen sein sollte — an den Vorstand der hiesigen Synagogen-Gemeinde portofrei bis zum 1. November e. einzureichen. Breslau, den 23. September 1886. Das Curatorium der Johnsohn'schen Stiftung. Pensionat und Höhere Töchterschule von Frau Dr. Leverson in Hannover, Thiergarten straße 3 und 4. .. Aufnahme von Zöglingen zu jeder Zeit. Israel. Handels- und Sprach-Znstitut, ™ Internationales Pensionat — zu Brüssel 168—170 Chaussee d’Etterheck (Mark Leopold). Direktor: Prof. L. Kahn (F. 8. 8. L. etc.) vereideter Translator am Brüsseler Gerichtshöfe. Schnelles Erlernen der neuern Sprachen. — Besondere Curse für erwachsene junge Leute.

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