Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 40 (28.9.1886)
- Date
- 1886-09-28
- Page
- Seite 638 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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638 schwer und täglich werden wir Dich vermissen mit Deinem Geist, dessen blitzende Strahlen oft mit zündender Gewalt hineinfuhren in das Dunkel der heutigen Zeit, die Geister der Finsterniß erschreckend und uns zu edlem Thun ermahnend. Wir würden nicht in Deinem Geist handeln, wollten wir klagen und verzagen. Bist Du uns auch entrückt, Dein Geist bleibt in uns lebendig. In diesem fortzuwirken mit verdoppelter Kraft, das wollen wir uns in dieser feierlichen Stunde geloben. So bleiben wir Dir treu über das Grab hinaus, wie wir Dir die Treue im Leben bewahrt haben würden, wenn nicht der unerbittliche Engel des Todes Dir die Streitaxt aus der Hand gerissen hätte. Wir nehmen sie auf und lassen sie nicht eher ruhen, als bis in dem verzweiflungsvollen Kampfe der Sieg unser geworden ist. Dann werden wir Deiner als eines der hervorragendsten Vorkämpfer für den endlichen, aber unausbleiblichen Sieg in Liebe, Dankbarkeit und Verehrung gedenken, in Deinem Geiste und Sinne wollen wir wirken, so lange uns die Kraft dazu verliehen. Im Namen der sechs freisinnigen Wahlvereine Berlins rufe ich Dir ein letztes, schmerzliches Lebewohl zu!" Nach Schluß der Ansprachen ertönte wieder Chorgesang, dann gab der Rabbiner vr. Ungerleider dem vielbetrauerten Freunde noch das Wort des Psalmisten auf den letzten Weg mit: „Du, Herr, segnest die Gerechten, Du krönest sie mit Gnaden, wie mit einem Schilde!" Das Gitter der Löwe'schen Familiengruft war rings mit Trauerflor umwunden; von der ausgeschachteten Grube sah man jedoch Nichts, dieselbe hatte sich vielmehr in eine Blumengruft verwandelt, in welche die irdische Hülle des tapferen Kämpfers sanft und weich gebettet wurde. Der Chorgesang: „Was vom Staube, kehrt zum Staube" beendete die tief ergreifende Trauerfeier. Ludwig Löwe ruht unmittelbar an der Seite seiner ihm im Tode vorangegangenen Gattin. Vermischtes. Historische Anecdote. Dem Kaufmann Poser, der im Gegensatz zu den übrigen Juden den Bart sich rasiren ließ, war dies vom Ober-Landesrabbiner bei strenger Strafe verboten worden. Poser wendete sich nun direct an den König Friedrich II., aber auch hier fand er keinen Schutz, denn Friedrich schrieb an den Rand der Bittschrift: „Poser soll mich und seinen Bart ungeschoren lassen!" Anzeigen. werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet and müssen für die nächst* XUOv/1 iXbv folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncenexpedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. In unserer Gemeinde ist die eines Rabbiners v°lv z« --setz-». Das Gehalt beträgt jährlich 2400 Mark, hierzu 300 Mark für den obligatorischen Religionsunterricht und Nebeneinnahmen. Es wäre erwünscht, wenn Bewerber an den Festtagen Probe predigen würden. Meldungen find zu richten an den Borstand der Synagogen-Gemeinde z« GulMs Westpreußen. Ein j. Kaufmann, mos., Theilhaber eines der Mode nicht unterworfenen Geschäfts will fich verheirathen. Mitgift nicht unter M. 10000. Nicht anonyme Offerten ev. mit Photographie unter J. E. 8650 in der Expedition des! Berliner Tageblatt, Berlin SW. j In meinem Pensionate finden israelit. > junge Mädchen behufs Ausbildung, tmej schulpflichtige Kinder freundliche Ausnahme. > Frau Alma Silbermann, gepr. Lehrerin, Berlin W., Potsdamerstraße Nr. 30a. | Dringende Bitte um schnelle Hülfe! Eine hochachtbare, jüdische Familie, die einst bessere Tage gesehen, ist in Folge verschiedener schwerer Heimsuchungen seit längerer Zeit schon dem entsetzlichsten Elende preisgegeben. Das Elend ist derart schrecklich, daß der Familienvater, dessen Gattin binnen Wochenfrist ihrer Niederkunft entgegensieht, noch nicht einmal im Stande ist, die notwendige längst verpfändete Wäsche auszulösen. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß ich an den sich jederzeit in so herrlicher, herzerfreuender Weise bewährenden jüdischen Wohlthätigkeitssinn auch heute nicht vergeblich appellire und bitte freundlichst um gütige Zusendung von Spenden für die des Wohlwollens meiner geehrten Glaubensgenossen in hohem Grade würdigen, so sehr unglückliche Familie. Mainz, den 1b. September 1886. Joseph RoseNselbeV. Pellsionat und Höhere Töchterschule von Frau Dr. Leberson in Hannober, Miergartenstraße 3 und 4. » " Aufnahme von Zöglingen zu jeder Zeit. —,