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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-09-28 · Heft 40 (28.9.1886) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 40 (28.9.1886)
Date
1886-09-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein un-artmschcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippjon in Bonn. Gxpeöition: Leipzig, Woßptach 17. In revactionellen Angelegenheiten j wende man sich an I)r. Philrppson in I Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 50. Fahrgang. Leipzig, den 28. September 1886. Nr. 40. Inhalt. Leitende Artikel: Zu den Festen. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Cassel, Danzig. — Oesterreich- Ungarn: Men, Prag. — Schweiz: Zürich. — Rumänien: Bukarest. — Amerika: New-Uork. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Ludwig Lowe's Begräbniß. — Vermischtes. Bonn, 21. September. Zu den Festen. Wenn dieses Blatt in die Hände seiner Leser kommt, hat sich jene hohe und weihevolle Feststimmung der Gemüther bemächtigt, welche mehr oder weniger die Fülle religiöser Gedanken und Empfindungen in uns erweckt, zum Bewußtsein und Gefühl bringt, die vorzugsweise diese Feste enthalten und für die Feiernden mit sich bringen. Diese Gedanken und Empfindungen sind nicht blos religiöser, sondern tief sittlicher und wahrhaft socialer Natur. Auch gilt dies nicht sowohl als doctrinäre Annahme und Voraussetzung, da jene vielmehr in der Tiefe jedes jüdischen Geistes, jedes der väterlichen Religion noch nicht ganz abgestorbenen Glaubensgenossen ruhen, und deshalb eben nur des nahenden Festes bedürfen, um wieder empor zu kommen und ihre heilsame Wirkung zu thun. Das Elternhaus, die Erziehung und Gewöhnung haben die Bedeutung und die Feier dieser Feste in das Gemüth eingesenkt, und so kommt es, daß auch ohne weitere Belehrung die andächtige Feststimmung sich einstellt und sicherlich einen gewissen Einfluß auch auf den weiteren Verlauf des Jahres ausübt. Diese Feste treten auch in einer Zeit des Jahres ein, welche in vollem Maße dazu geeignet ist. Nach der Zeit eines gewiffen Stillstandes auf allen Gebiete» des menschlichen Lebens während des Hochsommers rüstet man sich jetzt zu der arbeitsvollen und kampferfüllten Wintercampagne; ein regeres Leben bricht wieder an, man will wieder schaffen, sich mühen, nach der Weiterentwickelung aller allgemeinen wie individuellen Verhältnisse ringen, und man fühlt sich deshalb um so geneigter, sich zum bevorstehenden mühe- und wechselvollen Gange durch die Auffrischung und StärkMg der geistigen, der religiösen und sittlichen Kräfte vorzubereiten. — Das verflossene Jahr hat uns Juden durch das Dahinscheiden sehr bedeutender und für uns wirksamer Männer herbe Verluste gebracht, und wir müssen uns gestehen, daß wir augenblicklich vergebens nach dem Ersätze derselben, nach der Ausfüllung der dadurch entstandenen Lücken umschauen. Ist es doch eine geschichtliche Erfahrung, daß Zeiten kommen, in welchen eine überraschende Anzahl hochbegabter Männer neben und nach einander erstehen, welche eine epochemachende Wirkung üben und dieser Zeitperiode ihren hervorragenden Charakter aufprägen. Dann aber folgen Zeiten, in welchen es an solchen ausgezeichneten, schöpferischen Geistern fehlt, in welchen man zufrieden sein muß, einer tüchtigen Mittelmäßigkeit zu begegnen, die nicht geradezu von der erreichten Höhe wieder herabsinken läßt. Wir sind weit entfernt davon, ein solches Urtheil über die Gegenwart und nächste Zukunft unserer Glaubensgenossenschaft auszusprechen. Allein, daß wir große Verluste in den letzten Jahren durch den Tod erlitten haben und sie noch nicht ersetzt sehen, können wir uns nicht verhehlen und dürfen es uns auch nicht um des Angedenkens derer willen, die für uns so angestrengt gearbeitet und gestritten haben. Jndeß darum dürfen wir nicht verzagen: die rechte Zeit findet 40

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