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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-09-14 · Heft 38 (14.9.1886) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 38 (14.9.1886)
Date
1886-09-14
Page
Seite 606 (sequence 14)
Language
German
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60b mich überzeugt, jener talmudische Weise hätte, wenn er hierüber befragt worden wäre, seine Empfehlung des Schweigens hiernach beschränkt. Ja, mein Freund, es sind dem Menschen vielfache Gaben ertheilt worden, deren Wirkungen unter Umständen wohlthätig, unter anderen höchst schädlich sind. So ist besonders die Rede ein zweischneidiges Schwert, das den Knoten durchhauen, aber auch Andere und sich selbst schwer verletzen kann. Doch auch hier ist es die wohlbedachte Pflicht, welche uns gebieten muß, es »ach Kräften zu führen oder sinken zu lassen. Die neue Synagoge;u Kaiserslautern. Wir haben zur Zeit über die Einweihung der neuen Synagoge zu Kaiserslautern berichtet. Jüngst brachte nun die „Franks. Ztg." einen Bericht über die Synagoge, welchem wir einige interessante Bemerkungen entnehmen. Der Architect, der dieses schöne Bauwerk geschaffen, ist der renommirte Herr Ludwig Levy. Indem man sich nicht begnügte, dem ersten besten Bauunternehmer ein Werk zu veraccordiren, das für höhere Zwecke bestimmt ist, sondern sich einen tüchtigen Künstler auswählte, hat die kleine Gemeinde ihrem Bildungsgrade ebensowohl wie dem edlen Ernste, der sie leitete, ein schönes Zeugniß ausgestellt und es ist nur zu wünschen, daß ihr Beispiel auch anderwärts bei viel Größeren und Mehrvermögenderen zünden möge, die durch sie in Schatten gestellt sind. Sicher dankt sie auch diesem Umstande den hohen Grad von Wohlwollen, mit dem die bayerische Regierung ihre Zwecke unterstützt und gefördert hat. In der Wahl des Architekten hat der Bauausschuß entschieden Glück gehabt, wenn irgendwo, hat sich hier der Architekt gelohnt. Während gerade die Herren Praktiker so häufig das Geld an Unrechter Stelle wirkungslos vergeuden, kann man hier sehen, mit wie geringen Mitteln tüchtige Schulung und künstlerische Reife einen durchaus würdigen, befriedigenden Monumentalbau hinzuftellen versteht, der außerdem noch dem Bilde der Stadt eine dauernde Zierde verleiht. Die Gemeinde selbst zählt circa 700 Köpfe und die Bausumme beträgt in Allem circa 200,000 Mark. Bekanntlich wird für Gebäude des israelitischen Cultus von den Architekten vorzugsweise der arabische Stil gewählt, weil man mit ihm in Erinnerung des orientalischen Ursprungs, am Besten die beabsichtigte Stimmung erzeugen zu können glaubt. Erst in neuerer Zeit hat man hie und da den Versuch mit einer jüngeren Epoche gemacht, indem man sich an die vorhandenen jüdischen Baudenkmale des Mittelalters auf unserem Boden anschloß. Der gewiß nicht minder natürliche Weg, sich der architektonischen Formensprache unserer Zeit, der Renaissance, zu bedienen, ist dagegen meines Wissens bei einem irgend beachtenswerthen Werke noch nicht eingeschlagen worden. Auch Ludwig Levy hat den maurischen Stilcharakter zu Grunde gelegt. Diesen durch vielfache Anwendung mittelalterlicher Constructionsmotive zu modifiziren und durch ein in modern renaissancistischer Weise durchgebildetes Detail zu einem harmonischen Ganzen zu verschmelzen, ist eine Aufgabe von nicht zu unterschätzender Bedeutung, an der schon gar viele Borgänger gescheitert sind und nur ernstestes Studium, tüchtige natürliche Anlagen und ein gesunder Geschmack können ein so befriedigendes Resultat erreichen, wie es hier zu unserer Freude vorliegt. Die hochbefriedigende Wirkung des Innern beruht zum nicht geringen Theil auf der wohlverstandenen sehr gut gelungenen Anwendung der Farbe. Die Farbengebung ist ebenso decent und energisch und hält sich trotz der mäßigen, zur Verfügung gestellten Mittel ebenso weit entfernt von Aermlichkeit wie von Ueberladung, so daß die Grundformen der Architektur auf das Schönste zur Geltung kommen und gehoben werden. Der brave Meister verdient gewiß redlich das Lob, das ihm yon Seiten des Bauleitenden so reich zu Theil geworden ist. Es war ein schönes erhebendes Fest, das Ende Februar des Jahres zu Kaiserslautern gefeiert wurde zur Einweihung der neuen Synagoge — ein Fest des Friedens und der Eintracht! Mögen noch recht viele ebenso tüchtige Leistungen Veranlassung zur Feier so erfreulicher Feste in unserem lieben Vaterlande geben! A. Linnemann. Die Unterzeichneten nehmen Geldj!Spenden an für verschämte Arme in' : 42 Städten zu den bevorstehenden Hohen'!Feiertagen wie auch zur Miethe und'; Feuerung. Sternberg. L. Cohen, Cassirer. Mecklenburg. A. Rosenbaum, Vorsteher. Anzeigen. Israel. Handels- und Sprach-Jnstitut, — Internationales Pensionat zu Brüssel (Belgien). fl*~ 168—170 Chaussee d’Ettcrbeck, dem Park Leopold gegenüber. Direktor: Prof. L. Kahn (F. 8. 8. L. etc.) vereideter Translator am Brüsseler Gerichtshöfe. Schnelles Erlernen der neuern Sprachen. — Besondere Curse für erwachsene junge Leute

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