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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-08-17 · Heft 34 (17.8.1886) · p. Seite 542

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 34 (17.8.1886)
Date
1886-08-17
Page
Seite 542 (sequence 14)
Language
German
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542 Jeuilleton. Die Ruinen von Tahpanches. Je mehr die ägyptischen Denkmäler ans Licht geschafft und die Inschriften und Papyrusrollen entziffert und gelesen werden: desto öfter finden sich in ihnen Belege für die Berichte und Aussprüche in der h. Schrift. Wie oft werden dadurch die Combinationen der Kritiker beseitigt! Gleiches ergab sich aus jüngsten Funden für den höchst interessanten Theil aus dem Buche des Propheten Jeremias, in welchem er die Erlebniffe des Restes der Juden nach dem Falle Jerusalems unter Wegführung des Volkes durch Nebuchadnezar bespricht, wie man zuerst den Propheten befragte, ob im Lande bleiben oder nach Aegypten ziehen? wie er gebot, nicht nach Aegypten zu ziehen, wo sie untergehen würden, sondern ruhig im Lande zu bleiben, wo Nebuchadnezar ihnen nichts zu leide thun werde; wie jedoch die Juden dem Ausspruche des Propheten nicht folgten, sondern ihn sogar zwangen, mit nach Aegypten zu ziehen. Man lese nun das 43. Kap., B. 8: „Da wurde das Wort des Ewigen dem Jirmejahu in Tahpanches, sprechend: Nimm große Steine dir zur Hand und verbirg sie in Mörtel im Ziegelofen, am Eingang des Hauses Pharaos in Tahpanches, vor den Augen der Männer, der Jehudim und sprich zu ihnen: Also spricht der Ewige der Heerscharen, der Gott Israels: siehe, ich sende und nehme Nebuchadnezar, König von Babel, meinen Diener, und setze seinen Thron über diese Steine, die ich verborgen und er breitet seinen Teppich über sie, und er wird kommen und das Land Mizrajim schlagen, den zur Pest bestimmten mit Pest, und den zur Gefangenschaft mit Gefangenschaft, und den zum Schwerte mit dem Schwerte. Und Feuer werde ich anzünden in den Häusern der Götter Mizrajims und er wird sie verbrennen und wegführen, und sich das Land Mizrajim umwerfen, wie der Hirt sein Gewand umwirft, und abziehen von dort wohlbehalten. Und zerbrechen wird er die Säulen zu Beth Schemesch im Lande Mizrajim und die Häuser der Götter Mizrajims im Feuer verbrennen." — Jetzt haben sich nun für den ganzen Inhalt dieses Kap., gegen den Neuere mannigfache Zweifel hegen zu müssen glaubten, in den Ruinen von Tahpanches die thatsächlichsten Belege gefunden. In dem verlassensten Winkel des nordöstlichen Nil-Deltas, wo man bisher nur Tempel und Gräber gefunden hatte, hat der englische Forscher Flinders Petrie während der letzten Wochen das Glück gehabt, auf die Ueberreste eines alten Königspalastes zu stoßen, der übereinstimmend in der Geschichte von 4 großen Culturvölkern seinen Platz hat. Nach dem Buche des Propheten Jeremiah (Kap. 43) brachte Johanan, der Sohn Kareah's, gefolgt von allen Hauptleuten und allen Uebrigen aus Judah, entgegen der Stimme des Propheten, die flüchtigen Töchter des Königs Zedekiah, der entthront in Babylon gefangen saß, in einen Palast des Pharao, damals Ua-ab-Ra (26. Dynastie 585 v. Ehr., hebräisch Hophra, griechisch Apries), der sie sehr gastlich aufnahm, den Männern große Länderstrecken zwischen Tahpanches und Bubastis und den Prinzessinnen diesen Palast anwies, den die Bibel „Pharao's Haus in Tahpanches" nennt. Die Gegend, damals fruchtbar durch die Ueberschwemmungen des Pelusischen und Tanatischen Nilarmes, ist jetzt öde Wildniß; die östlich gelegenen Hügel, genannt Tell Defenneh, nach allen Egyptologen das „Pelusische Daphnä" der griechischen Schriftsteller und das „Tahpanches" der Bibel, zogen den Reisenden wegen der zahlreichen verstreuten Reste von schwärzlichem Mauerwerk und Scherben an, um so mehr als seine Araber ihm die lokale Bezeichnung für dieselben nannten, nämlich: „Dl Lusr ei Bint el Yahudi“, d. h. „Thurm der Tochter des Juden". Den interessanten Bericht in der „Times" über die einsame Arbeit des Forschers mit 40 arabischen Männern, Knaben und Mädchen in der verlassensten Oede können wir leider nur sehr verkürzt geben. Das Gebäude, zuerst Festung, war rechtwinklig, massiv; sämmtliche, auch die Zwischenmauern waren enorm stark. Es enthielt 16 quadratische Zimmer in jedem Stock, die Zahl der Stockwerke ist nicht mehr zu ermitteln. Die Gründungsdokumente, welche Petrie in den 4 Ecken fand: (Trankopfergefäße, Kornmahlsteine, Modellziegel, Knochen eines Opferstieres und eines kleinen Vogels, und eine Reihe kleiner Tafeln in Gold, Silber Lapis-Lazuli Jasper, Karneol und Porzellan mit eingravirtem Namen und Titel des Königs) ergaben Psammetich I. als Erbauer der Veste um etwa 665 v. Chr. und zwar war sie, wie Herodot (Buch II. Kap. 154) berichtet, bestimmt für die carischen und jonischen Söldner, mit deren Hülfe er den Thron erkämpft hatte, und deren Ansiedelung und Schiffsdocks in „Daphnä und Pelusium", lange nachdem sie der spätere König Amasis nach Memphis umquartiert hatte, noch zu Herodots Zeiten zu sehen waren. Dieses „Kasr" nun steht mitten in einem 2000 Fuß langen und 1000 Fuß breiten, einst mit einem Wall (größte Stärke 50 Fuß) umgebenen Hofraum, dessen Nord-Thor sich auf den Kanal (den Pelusischen Nilarm), dessen Süd-Thor sich nach der alten Heerstraße zwischen Egypten und Syrien. öffnet. 6 Zoll unter dem Boden fanden die Araber eine Unmenge von Pfeilspitzen aus Bronce und Eisen, Pferdegebissen, eisernen Werkzeugen und Gittern, Ketten u. s. w. Nach Herodot müßte ein zweites solches Lager, das als Hauptquartier des Feldherrn und gelegentliche Residenz des Königs diente, auf der andern Seite des (nun kanalisirten) Nilarms gelegen haben. Später sind von verschiedenen anderen Herrschern in ganz unregel-

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