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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-08-17 · Heft 34 (17.8.1886) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 34 (17.8.1886)
Date
1886-08-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Di*. Ludwig Philipps»» in Bonn. GZepeöition: Leipzig, Woßpkcth 17. In rebactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philrppson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 N.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. 50. Jahrgang. Leipzig, den 17. August 1886. Nr. 34. lakslt. Leitende Artikel: Die Juden und Sibirien. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Fürth, Aas Württemberg, — Oesterreich-Ungarn: Pest, Kralup a. M. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg. — Großbritannien: London. — Türkei: Konstantinopel. — Aegypten: Cairo. — Bonn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Die Ruinen von Tahpanches. Bonn, 10. August. Die Juden und Sibirien. Eine Episode aus der Geschichte der russischen Inden. Nach neueren Berichten sind in Sibirien weit über 300) Inden angesiedelt, von denen nur die geringere Zahl wegen Verbrechens dahin Deportirte sind, während die Mehrzahl nach dem officiellen Ausdruck „sich eingenistet" hat, ohne daß man angeben könne, auf welche Weise sie dahin gelangt sind. Es ist deshalb vor einiger Zeit ein strenges Verbot ergangen, Inden in Sibirien sich ansiedeln zu lassen. Man ersieht hieraus, daß die Inden das wenig anziehende Klima von Sibirien nicht scheuen. Auch erinnern wir an die Auslassungen des deutschen Reisenden Joest, der von Japan die Reise nach Petersburg durch Sibirien machte, überBegegnisse mit Juden in diesem Lande, und der sich sehr vortheilhaft für die letzteren äußerte. Um so interessanter und zugleich nach mehreren Seiten hin belehrender, wird die Darstellung von Vorgängen aus noch nicht lang vergangener Zeit sein, die wir dem von uns schon mehrfach erwähnten Buche von Julius Elk „Die jüdischen Colonien in Rußland" (Frankfurt a. M., Kauffmann 1886) entnehmen. Da Herr Elk für seine Angaben die betr. Urkunden und amtlichen Schriftstücke beibringt, ist an der Wahrheit derselben nicht zu zweifeln. Wir versetzen uns in das Jahr 1836 unter der Regierung des Kaisers Nicolaus. Mehrere seiner Minister hatten dem Zar die Ansicht beigebracht, dem großen Elend der in Westrußland zusammengehäuften Juden durch Gründung von Ackerbau-Colonien abzuhelfen, und der Monarch hatte sich dieses Gedankens mit seiner gewohnten Energie bemächtigt. Der Finanzminister Graf Kankrin schlug nun in einem Memoire zu diesem Zwecke Sibirien vor. Es handle sich darum, ein Land hierzu anzuweisen, dessen Klima den Juden zusage und wo ausgedehntes Ackerland vorhanden sei, das fruchtbar gemacht werden könne. Diese Bedingungen erfüllte nach Kankrins Ansicht einzig und allein Sibirien; hier fänden die Juden ein Klima, wie sie es sich nicht besser wünschen konnten, hier war gutes Ackerland in Hülle und Füllen welches nur der Colonisten harrte, um reichen Ertrag zu liefern; wenn also irgendwo, so mußten auf den Fluren Sibiriens die jüdischen Colonien unzweifelhaft vortrefflich gedeihen. Dies Memoire erhielt den vollen Beifall des Kaisers; im Jahre 1836 ertheilte derselbe den Befehl, im Gebiet von Omsk und Tomsk 15154 Dcsjatin') Ackerland behufs Gründung von jüdischen Colonien anzuweisen; alsdann ward sofort der hierauf bezügliche Erlaß im ganzen Reich bekannt gemacht. Der Name Sibirien schien auf die Juden eine wahre Zauberkraft anszuüben; sie geriethen plötzlich in eine fast unbegreiflich zu nennende Begeisterung für das sibirische Colonial-Projekt, und die hierüber hocherfreute kaiserliche Regierung ') 1 Tesjaiin — 109Ar — pp. 4'/. preußische Morgen.

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