Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 33 (10.8.1886)
- Date
- 1886-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Zudcnthums. Ei» unparteiisches Organ filr alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig ' ,' in Bonn. GzepeöiLion: Leipzig, Woßpkoch 17. In reoactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 50. Jahrgang. Leipzig, den 10. August 1886. Nr. 33. Jahaltf Leitende Artikel: Elijah. — Auswanderung. — Die Colonisation. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Kissingen, Frankfurt a. M., Kassel, Posen. — Schweiz: Zürich. — Frankreich: Paris. — Italien: Rom. — Rußland: Bonn, Turek. — Großbritannien: London. — Arabien: Paris. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Correspondenz. Slcitcvibe €Xzti&e( Bonn, 3. August. Elijah. Wer weithin in der Ebene zu wandern Hut, erfreut sich, am Horizonte eine aufsteigende Höhe, einen emporragenden Berg zu gewahren, wenn er auch von dem blauen Duft der Ferne umflossen ist, daß seine Umrisse unsicher erscheinen. In der Zeit der Schwäche und Mittelmäßigkeit ist es um so nothwendiger, auf große Gestalten, auf mächtige Geister der Vergangenheit zurückzublicken, um sich an ihnen aufzurichten und aus dem Odem, der von ihnen herströmt, Muth und Zuversicht für die Zukunft zu ziehen. Und an solchen Erscheinungen hat es Israel im langen Laufe seiner Geschichte nicht gefehlt, und je drohender die Gefahr, je drängender das Unheil war, desto sicherer traten gewaltige Männer auf, welche den Wirren gewachsen und mächtig waren, das Geschick zu beschwören oder wenigstens die Besserung vorzubereiten. Eine solche, über die kleinlichen Zeitverhältnisse fast riesig emporragende Gestalt war Elijah, unter den namhaften und unbenannten Propheten der thatkräftigste, unerschrockenste, der sein Leben für die Gotteslehre immer von Neuem einsetzte. Man hat ihn des Zelotismus geziehen, und ihn sogar in einer spätem Kirche zur Rechtfertigung von Ketzerverfolgung, von hinterlistigem und boshaftem Wüthen gegen Andersgläubige gemißbraucht. Dies ist falsch, wie wir sehen werden. Daß Elijah auch der zartesten Empfindungen fähig war, und diesen gemäß handelte, wird uns in der Geschichte der Wittwe von Zarphath (1. Kön. 17.) geschildert. Die h. Schrift bedient sich zur Charakterisirung nicht der vielen Worte; sie giebt in dem kurzen Bericht von einer Thatsache ein für allemal die Zeichnung einer Persönlichkeit. Aber die Verhältnisse seiner Zeit forderten seine Entschiedenheit heraus; wenn Stahl und Stei»aneiumür«chhlaM»^.müsst» ste. Funken sprühen. Er kämpfte für die Rettung der höchsten Idee, für das einzige Heil seines Volkes; und doch war es nur gebotene Nothwehr, die ihn unnachsichtig gegen den schonungslosen Feind handeln ließ: es galt sein eigenes Leben, und noch mehr, ob die Gotteslehre im Volke völlig erstickt oder neubelebt werden solle, ob despotische Herrscher, gewissens- und gesetzlos, das Volk niedertreten oder diesem seine Rechte gewahrt bleiben sollen. Der Prophet Elijah darf nicht mit politischen Strebern verwechselt werden, welche um ihrer Macht und der zu erlangenden Herrschaft willen gegen Alle wüthen, die ihrer Fahne nicht folgen; nicht mit jenen herrschsüchtigen Fanatikern, welche jede abweichende Meinung mit Schwert und Scheiterhaufen verfolgen und in die Geheimnisse des Hauses und des Herzens eindringen, um sich Opfer zu suchen. Bei Elijah hieß es: ich oder du, und noch mehr: Gott oder Baal! — Sehen wir näher zu. In dem Zehnstämmereich hatte die Politik der Könige von vornherein das Heidenthum zu ihrer Hilfe gerufen und zu ihrem Fundament gemacht, um das Volk von Juda und Jerusalem fern zu halten und um, frei vom Gesetze Mosis, sich die absolute Herrschaft zu verschaffen. Wie schon seit Salomo, trugen hierzu am meisten die fremdländischen Königinnen bei, welche ihren Götzendienst nach Israel verpflanzten, ihre heidnische 33 3