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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-07-27 · Heft 31 (27.7.1886) · p. Seite 494

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 31 (27.7.1886)
Date
1886-07-27
Page
Seite 494 (sequence 14)
Language
German
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494 Lehrervereine müßten unsere Anstellungsfrage häufiger auf die Tagesordnung bringen. Insbesondere müßte die jüdische Presse und namentlich die Blätter, welche, wie z. B. die „Allg. Z. d. I.", dem jüd. Schul- und Lehrerwesen stets das Wort geredet, für unfern Zweck gewonnen werden. Auffallend sei, daß der D. I. G. B. zur „Erstrebung eines gleichmäßigen Systems der definitiven Anstellung und Pensionirung von Gemeindebeamten" wenig oder gar nichts gethan. Daraus müsse geschlossen werden, daß er über die kläglichen Verhältnisse, namentlich der Lehrer hiesiger Gegend, nicht genügend informirt sei. — Den Schluß des Vortrages bildete die wiederholte Mahnung, den jetzigen Zeitpunkt, wo die Erhaltung des Confessionsschulen so sehr begünstigt werde, nicht ungenutzt vvrübergehen zu lassen. Die darauf beginnende Debatte nahm mehrere Stunden in Anspruch. An derselben betheiligten sich die Herren Dr. Zuckermandel, Ackermann-Thalfang, Cohn-Saarlouis, Rothschile-Remagen und besonders Baum-Bosen. Es wurden alsdann folgende Thesen angenommen: 1) Die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des israelitischen Lehrers sind zu mannigfaltig. Es ist eine Trennung des Lehramtes von den Nebenämtern, besonders der Schechita, anzustreben. Wo die Vereinigung, der Verhältnisse wegen, nicht zu umgehen ist, bleibt das Lehramt unter allen Umständen das oberste und darf durch die Nebenämter nicht leiden. 2) Die Art unserer Anstellung an den nicht öffentlichen Schulen hat sowohl für den Lehrer, als für die Gemeinde und Schule die traurigsten Folgen. 3) Wir wünschen die öffentliche Schule, die gesetzliche Regelung der Religionsschule und Nichtzulassung unqualificirter Lehrer. 4) Zur Erreichung dieses Zieles wählt die Versammlung eine Commission, welche die geeigneten Mittel und Wege aufzusuchen und Bericht zu erstatten hat. In die Commission wurden gewählt: Sender-Tholey, Tiefenbronner-St. Johann, Leeser-Forbach, Nußbaum-Trier und der Unterzeichnete. — Gegen 8 Uhr Abends wurde die Versammlung auf den folgenden Morgen vertagt. Bei dem nun folgenden gemeinsamen Abendessen wurde, wie vorher der ernsten Arbeit, dem Frohsinn sein volles Recht zu Theil. Die Arbeit des andern Tages galt zunächst der Fortsetzung der Statutenberathung, welche ohne erhebliche Debatte zu Ende geführt wurde. Wegen Mangel an Zeit mußten zwei Punkte der Tagesordnung ausfallen. Es folgte nun die Abgrenzung der Specialbezirke. Ueber den Zweck der Specialkonferenzen wurde schon früher berichtet. Von vr. Zuckermandel wurde noch beantragt, diese Conferenzen zur Förderung der Kenntnisse in der jüdischen Literatur zu benützen. — Die nächste Conferenz soll am 15. und 16. Mai 1887 zu St. Johann stattfinden. Gegenstände der Tagesordnung sind: 1) Ueber die Pflege gottesdienstlicher Gesänge in der Religionsschule. (Res. EpPstein'Hoppstädten, Corres. Berendt-Osann). 2) Berichterstattung über die Thätigkeit der Commission. 3) Der hebr.-grammatische Unterricht. (Res. Rothschild - Remagen, Corres. Ackermann- Thalfang). Nachdem die Versammlung dem Vorsitzenden für die umsichtige Leitung der Verhandlungen gedankt, schloß derselbe Mittags um 12 Uhr die Conferenz mit dem Wunsche: Auf frohes Wiedersehen! Scheuer, Schriftführer. Vermischtes. Eine Gerichtsscene. Vor der 87. Abtheilung des Schöffengerichts zu Berlin befanden sich, des groben Unfugs beschuldigt, drei junge Handlungsbeflissene, Gustav Gerson, Alexander Grün und Sigismund Hirschfeld auf der Anklagebank; dem Ersteren wurde außerdem Sachbeschädigung zur Last gelegt. In der Mittagsstunde des 26. April, am zweiten Osterfeiertage, passirten die Angeklagten, aus der in jener Gegend belegenen Synagoge kommend, die Lothringer Straße. Hier bemerkten sie einen kleinen alten Mann, der an die ihn umstehenden Personen Druckschriften vertheilte. Es war dies eine in Berlin allbekannte Persönlichkeit, der ehemalige Händler, jetzige Judenmissionar Elias Cohn, welcher vor etwa drei Jahren zum Christenthum übergetreten ist und dann in antisem. Versammlung Vorträge hielt, die sich gegen seine ehemaligen Glaubensgenossen richteten. Wie derselbe im Termin über seine persönlichen Verhältnisse angab, ist er bei der Traktatgesellschaft, welcher der Baron von Unger-Sternberg vorsteht, als Traktätchen - vertheiler angestellt, wofür er ein monatliches Gehalt von 80 bis l00 Mk. — je nach seinen Bedürfnissen' — erhält. Der Glaubenswechsel hat ihn seiner ganzen Familie entfremdet, der eine seiner Söhne ist englischer Vizeconsul in Tripolis, der andere ein in New-Iork ansässiger gutsituirtcr Kaufmann. Cohn behauptet aber auch, daß er seit seinem Uebertritt zur christlichen Kirche und seiner Thätigkeit für die innere Mission von der gesammten Berliner Judenschaft aufs Heftigste angefeindet werde und den gröbsten Beleidigungen ausgesetzt sei. Diese Gesinnung sei auch die Ursache des zu Grunde liegenden Vorfalls, den Cohn folgendermaßen

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