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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-07-20 · Heft 30 (20.7.1886) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 30 (20.7.1886)
Date
1886-07-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudmlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. Gxpeöition: Leipzig, Moßpkcrh 17.! In reoactionellen Angelegenheiten i wende man sich an vr. Philippson in 1 Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 50. Jahrgang. Leipzig, den 20. Juli 1886. Nr. 30. luKüN. Leitende Artikel: Gegen den Antisemitismus in Frankreich. — Politische Briefe aus Oesterreich. — Die Bekehrung eines angehenden Missionärs. — Ueber einige Maßregeln zur Sicherung der prompten Leistung der Wehrpflicht von Seiten der Juden. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Königsberg, Vom Rlein, Bochum. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Graz, Preßburg, Lemberg, Leutschau. — Rußland: Wilna. — Großbritannien: London. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Vermischtes. Bonn, 14. Juni. Gegen den Antisemitismus in Frankreich. ii. Wir würden unsere Aufgabe als Berichterstatter nicht genügend erfüllen, wenn wir nicht erwähnten, daß Herr Brunetidre auf das Schreiben des Herrn A. Frank in demselben Blatte, nämlich im Journal des Debats, vom 25. Juni geantwortet hat. (Wir holen bei dieser Gelegenheit die Bemerkung nach, die wir in unserm ersten Art. vergessen hatten, nämlich, daß Brunetiöre seine Beurtheilung der „France juive“ in der Lieferung der Revue des Deux Mondes Dem ersten Juni gegeben hatte.) Wir gehen um so lieber darauf ein, als diese Polemik zwischen Brunetitzre und Frank uns ein Bild davon bietet, wie in Frankreich in den höher gebildeten Kreisen ein solcher Streit geführt wird. Mit derselben Feinheit und Milde, wie Frank die Jrrthümer und Borurtheile Bruneticres bekämpft, antwortet dieser dem ersteren. Die Achtung vor der Person und vorder vorausgesetzten Unparteilichkeit wird keinen Augenblick verletzt, und doch wird damit Ernst und Nachdruck in der Bestreitung der gegnerischen Thesen verbunden. In seiner Antwort geht Br. über alle beiläufigen Punkte hinweg, namentlich was die Alliance betrifft, somit die Richtigkeit der Gegenrede Franks? zugebend, und hält nur drei Momente, und zwar dogmatischer Natur, aufrecht. Er verfährt dabei recht geschickt, indem er sich bei den beiden ersten auf jüdische Schriftsteller beruft. Zuerst was die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele betrifft, führt er einige Sätze aus Munk's „Palästina" an, in welchem dieser Gelehrte erklärt, daß die Unsterblichkeitslehre im Pentateuch als Glaubenssatz nicht vorkomme, wenn auch einzelne Andeutungen darauf Hinweisen. Wir wissen nicht, ob Herr Frank noch einmal das Wort ergreifen werde; wir unsrerseits können dem Herrn Brunetiöre den Borwurf einer Art Spiegelfechterei nicht ersparen. Er behauptete nicht nur, daß die Israeliten zur Zeit Moses', sondern auch die gegenwärtigen Juden an die Unsterblichkeit nicht glaubten, und sieht dies als einen wesentlichen Unterschied zwischen Judenthum und Christenthum an. Das heißt aber nicht allein einen Jrrthum behaupten, sondern auch die Fortentwicklung des Judenthnms auf dem Boden des Mosaismus leugnen. Und doch kann wohl Niemand einen Blick in die Bücher der Propheten werfen, ohne wesentliche weitere Entwicklung zu erkennen. Schon lange ist es her, daß wir im zweiten Bande unserer Religivnslehre nachwiesen, daß Moses allerdings die Unsterblichkeitslehre als Glaubenssatz nicht aufstellt und fanden den Grund darin, daß er jene schmähliche Knechtschaft und Aussaugung des ägyptischen Volkes nicht aufkommen lassen wollte, weiche die Priester durch den Unsterblichkeitsglauben hergestellt hatten, indem sie den Todtencultus und die für denselben zu bringenden Opfer zum Hauptelement des ägyptischen Götzendienstes gemacht und daraus ihre Herrschaft und ihre Reichthüiner gezogen hatten. Er wies vielmehr das israelitische Volk auf seine Arbeit und den daraus zu erzielenden Ertrag in Gottesfurcht und Gesctzestrene an. Die Folgezeit entwickelte aber den im Volke doch vorhandenen und durch die mosaische 30

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