Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 29 (13.7.1886)
- Date
- 1886-07-13
- Page
- Seite 463 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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463 Das Schlußgcbet wurde b8n Rabbiner Hecht, von Montgomery, mit vielem Gefühl und vieler Inbrunst gesprochen und Mendelssohn's Trauermarsch von Organist Schaffter excellent vorgetragen, bildete dm Schluß der imposanten Feier innerhalb des Tempels. . Der Sarg wurde dann von den folgenden Bahrtuchträgern durch das Schiff des Tempels die hohe Treppe des Tempels hinunter an den Todtenwagen getragen, sie hatten jedoch trotz aller Anstrengung des Comitös große Mühe sich durchzuwinden. In Abwesenheit des Gouverneurs nahm Richter Lazarus dessen Stelle ein, dann waren es der Bürgermeister Guillote, die Herren A. Lehmann, M. Frank, Moses Heidenheim, Bruenn, Präsidenten der verschiedenen Gemeinden, Herr Julius Weis, Präsident des Touro Jnfirmary, E. I. Kursheedt, Präsident des Waisenhauses, S. B. Newman» Präsident der Conferenz der Wohlthätigkeiten, der Ehrenw. Chas. Gayarre, Präsident der geschichtlichen Gesellschaft von Louisiana, Wm. Preston Johnson, Präsident der Tulane Universität, der ehrenw. Louis Busch, Präsident der Louisiana Erziehungsgesellschaft, und Hr. W. Kruttschnitt, der Consul des Deutschen Reichs, als Vertreter der „Rothen Kreuz Gesellschaft." Die Kaiserin von Deutschland hatte ja jüngsthin erst dem Rabbiner Gutheim eine Medaille für die dieser Gesellschaft geleisteten Dienste zugesandt. Der Leichenzug setzte sich in Bewegung; die Straße war förmlich belagert vom Menschenmassen, und von dem Tempel an die ganze Carondelet bis Canal Str. entlang waren beide Seiten dicht besetzt, hinter den spalier-bildenden Menschen wälzte sich die Menge nach dem an Canal Straße harrenden nach dem Begräbnißplatze führenden Eisenbahnzug zu. Unterdessen füllten sich die Kutschen, die so massenhaft da waren, daß fast keine mehr aufzutreiben war, und die Waisenkinder folgten dem Trauerzuge eine kleine Strecke. Der Eisenbahnzug nach dem Begräbnißplatz war drückend voll, die verhergehenden Züge hatten schon viele Personen i nach dem erst neulich von Mitgliedern der Tempelgemeindc j angekauften Ruheplatz gebracht, welcher nun in der Einsenkung j der ersten Leiche seine Weihe erhielt. An Ort und Selle j angelangt, wurde die Leiche nach jüdischem Gebrauch der! Mutter Erde einverleibt: „Staub zu Staub," Rabbi Leucht las das Grabgebet vor, Rabbi Eisenberg hielt eine sehr ansprechende Grabrede, L. Weiß, von Jackson, Miss., recitirte | das Kaddish, Gebet der Leidtragenden, und die Abschiedsworte j an den Todten fielen dem Rabbiner Bien von Bicksburg an- \ heim. Die dumpfen Töne der auf den Sarg fallenden Erdschollen klangen schaurig in den Ohren wieder, und bald war die Gruft gefüllt und von dem großen Blumenflor weit hinaus überdeckt. Der Repräsentant des Judenthums, der Volksmann, der Freund der Armen und Bedrückten ist todt, aber sein Geist lebt unter uns, seine guten Thaten bleiben in unserer Erinnerung wach. Einer seiner letzten edlen Handlungen geschah! so zu sagen im Vorgefühl seiner baldigen Auflösung; er! hatte seit mehreren Jahren David, den drittältesten Sohn! unseres so sehr bekannten Freundes Herrn Salomon Marx in der hebräiscken Sprache und Literatur unterrichtet und j sich als bejahrter Mann vieler Mühe unterzogen und darauf gedrungen, daß trotzdem er Ende dieses Monats zur Rabbiner- Convention nach Cincinnati zu reisen gedachte, dennoch die nöthigm Papiere zur Aufnahme seines Schülers in das! Rabbiner-Seminar daselbst vorher eingesandt wurden, was auch erfolgt, und kurz vor seinem Tode traf die Annahme des Gesuches hier ein. Die hereinbrechende Nacht sah die Leidtragenden den Weg heimwärts einschlagen, die Trauerrede Wittwe und ihr Sohn wurden von zahlreichen Freunden in das nun so still gewordene Heim begleitet, und während der Woche findet allabendlich Trauergottesdienst im Tempel statt. Eine unserer alten Landmarken schwindet so nach der andern dahin und das Deutschthum wird dadurch seines schönsten Schmuckes beraubt. Anzeigen. Ty| gAyiA werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst« «iuv5 folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Vakanz. In der israelitischen Gemeinde Hierselbst ist die vacantgewordene Kantoru. Schiichterstelle sofort zu besetzen. Mit derselben ist ein jährliches Einkommen von 900 M. baar und ca. 500 M. Emonulenten nebst freier Wohnung verbunden. Geeignete Bewerber, die auch das Vorlesen der Thora verstehen i und deutsche Staatsangehörige sind, belieben * sich zu melden. Reisekosten werden nur dem ' Gewählten erstattet. Schwersenz, den 29. Juni 1881. j Der Synagogen-Vorstand.! ~miar ”V Zu allerlei Mondamin s? Fruchtgelees. Schutzmarke. Puddings etc. Ersetzt Gelatine. Erleichtert die Zubereitung1. Verbindet den höchsten Wohlgeschmack mit der leichtesten Verdaulichkeit. Auch zur Verdickungvon Suppen ete. vortrefflich. Mondamin ist ein entöltes Mais-Product, Fabr. Brown & Poison, k. e. Holl. Paisley (Schottland) u. Berlin, Heiligegeiststr. 35 Ul, i*t in fein. Esswaarenu. Drog.-Handlg. in tyi u. tyjengl. Pfd.-Packet. zu haben.