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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-06-15 · Heft 25 (15.6.1886) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 25 (15.6.1886)
Date
1886-06-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig 7/ ...” in Bonn. G-epeHition: Leipzig, Woßptcrh 17. In redaetionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 50. Jahrgang. Leipzig, den 15. Juni 1886. Nr. 25. Inhalt. Leitende Artikel: Die ökonomische Bewegung. — Moses Mendelssohn und Ludwig Börne. — Einige Betrachtungen über den sog. Antisemitismus vulgo Judenhaß, in einem Briefe an den Herrn Redacteur dieser Zeitung. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Nürnberg, Dresden. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Lemberg. — Frankreich: Paris. — Rußland: Odessa. — Türkei: Constantinopel, Canea. — Amerika: Chicago, Newark. — Bonn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Beständigkeit und Wandelbarkeit. — Vermischtes. Sieitc't'ibe Bonn, 9. Juni. Me ökonomische Kewegung. ii. Was verstehen wir unter der ökonomischen Bewegung von oben nach unten? Seit uralter Zeit, schon in den alten indischen Staaten, war es ein finanzielles Mittel der Regierungen, den Austausch der Produkte, also den Handel mit Abgaben zu belegen, indem man die Einfuhr fremder Erzeugnisse Zöllen unterwarf. Ja, im alten Indien ging man so weit, dem Kaufmann den Verkaufspreis seiner Maaren von Staatswegen zu bestimmen, indem man alle Kosten derselben, auch den Transport z. B. über die Flüge, normirte und den Prozentsatz des Gewinnes für den Kaufmann und ebenso für den Staat festsetzte*). Nicht ganz so weit, aber doch ähnlicher Weise, ging es in den meisten Staaten des Alterthums. Die mosaische Gesetzgebung machte auch hierin einen Gegensatz aus: sie wußte von keinen Handelsbeschränkungen — mit Ausnahme des Familienerbbesitzes — und keinen Eingangszöllen. Ihre Abgaben bestanden in den Zehenten und den Erstlingen. Später belegten die Könige das Volk mit Abgaben, namentlich Naturalien, wodurch die zehn Stämme zum Abfall bewogen wurden. Im Mittelaller ging man noch weiter; furcht blos von Land zu Land, sondern auch von Provinz zu Provinz wurden die Maaren Zöllen unterworfen, ja jede Stadt erhob solche z. B. als Mahl- und Schlacht- ’) Vgl. Lassen, indische Alterthümer Bd. II S. 576. steuer. Hier bildete sich dann auch noch eine besondere Handelsbeschränkung aus, indem nur Zunfthandwerkmeister die Handwerkerwaaren ihres Faches feil haben durfte». Es war natürlich, daß mit der freieren Bewegung des Geistes auch die Einsicht Platz griff, daß auf diese Weise der Austausch der Produkte als Ein- und Ausfuhr äußerst erschwert und kostspielig, die Industrie niedergehalten und die Waaren dem Käufer vertheuert wurden. Seit den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts, besonders seit der Abschaffung der Kornzölle in England durch Sir Robert Peel, gelangte die Idee des Freihandels zu weiter Verbreitung und theilweiser Geltung. Man sagte: der Austausch der Erzeugnisse zwischen den Nationen müsse frei sein von jegliger Schranke und Abgabe, weil dadurch jeder Staatsangehörige seine Bedürfnisse am wohlfeilsten und besten befriedigen kann, jede Nation der anderen die ihrem Lande und ihrer Kunst eigenthümlichen Erzeugnisse liefert und die Industrie vor jenem Schlendrian geschützt wird, in welchen sie immer verfällt, wenn die Concurrenz beschränkt oder gar verhindert ist. Hierdurch werde eine Ausgleichung zwischen den Völkern bewirkt und überall nur die Industrie betrieben werden, welche in einem Lande naturwüchsig wäre; eine künstlich gesuchte, darum zu keinem Gedeihen gelangende Industrie werde vermieden. Höchstens gab man zu, daß ein Industriezweig, so lange er im Stadium des Versuchs und des Aufsprießens sei, durch Zölle geschützt werden könne; gelangt er aber nicht dahin, ohne diese bestehen zu können, so sei er nur eine Belastung der eigene» Bürger. Dieses Freihandelssystem wurde eine Zeit lang als das allein richtigste von den Theoretikern angesehen, und 25

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