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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-06-08 · Heft 24 (8.6.1886) · p. Seite 383

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 24 (8.6.1886)
Date
1886-06-08
Page
Seite 383 (sequence 15)
Language
German
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383 daß sie sogar zu der Synagoge von Avignon beitrügen. Gegen das Christenthum wären sie durchaus gleichgillig und sie betrachteten sich mehr als Unterthanen des Papstes in seiner Herrschaft zu Avignon, als solche des Königs von Frankreich. Ihre Treue wäre daher sehr verdächtig. Der Vers, dringt daher darauf, sie zu verjagen und ihre Güter zu confisciren, was dem Schatze mehr als eine Million Gold einbringen würde. Wenigstens müsse man sie ihrer Aemter berauben, und verkaufe man diese wieder, so trüge dies mindestens 50000 Thaler ein. Dies ist der Inhalt der sg. Beschwerdeschrift; doch ist nicht einmal der Beweis erbracht, daß diese Aymar, Etienne und Andrau oder Thomassin wirklich Abkömmlinge von Juden waren, was allerdings möglich war. Der Borwurf, daß sie mit der Gemeinde von Avignon enge Verbindungen unterhalten, stützt sich auf keine Thatsache. Wie dem aber auch sei, so geht doch aus diesem Schriftstück genügend der Haß hervor, den man auch damals gegen die getauften Juden hegte. Hat doch die provenyalische Sprache eigene Ausdrücke geschaffen, um die von Juden abstammenden Familien zu bezeichnen. Sie nannte diejenigen, deren Ahnen Juden gewesen, juifs du tronc, und die, welche mit ihnen verschwägert waren, juifs de la ventresque. Anzeigen. Ty| qama weiden mit 20 Ff. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- IUhvI CwIfCs folgende Wochennnmmer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Ezpedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Bacanz. Bei der hiesigen israelitischen Korporation ist die Kantor-, Schächter- und Religionslehrerstelle schleunigst mit einem Inländer zu besetzen. Mit dieser Stelle ist ein Einkommen von jährlich 1500 Mk. nebst freier Wohnung verbunden. Meldungen unter Überreichung von Zeugnissen nimmt entgegen Der israel. Korporations-Borstand B.2603s zu Schwersenz. Engagement-Gesuch. Ein Kaufmann, 30 Jahre alt, israelit., unverheirathet, seit 16 Jahren in Manufactur-, Kurz-, Woll- und Weißwaaren- Branchen thätig und zuletzt 2 Jahre selbstständig gewesen, ist infolge der Ausweisungen in Preußen gezwungen, sein in einer größeren Provinz-Stadt Westpreußens bestehendes Posamenten-, Kurz. Woll- und Weißwaaren- Geschäft aufzugeben und sucht gestützt auf Ia Referenzen pr. 1. Juli Stellung als Lagerist, Reisender, Verkäufer oder Comanditeur in Bayern, Baden, Wnrtemberg oder Hessen, nur nicht in Preußen. sLc.1955 Gefl. Offerten erbeten unter 2. 3691 an Rudolf Moffe, Leipzig. Vertag von Baumgärtner’s Buchhandlung in Leipzig. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. SILO AH. Eine Auswahl von Predigten. Zur Erbauung, sowie besonders zum Vorlesen in Synagogen, die des Redners ermangeln. Von Dr.!L. Philippson. 3 Bde. gr. 8. drosch. 6 Mk» Glaubensgenossen! Das Unterzeichnete Comite hat in seiner Sitzung am 16. Mai o. beschlossen, einen nochmaligen Hulferuf zu Gunsten der des Landes verwiesenen Glaubensgenossen ergehen zu lassen. Die Nothwendigkeit hierzu ergiebt sich aus dem Umstande, daß nach neu ausgenommener Liste, allein hier in der noch Stadt 37 Familien mit zusammen 182 Personen vorhanden sind, welche allesammt unterstützt und nach überseeischen Ländern befördert werden müssen. Es sind dies alle Diejenigen, welche Prolongation erhalten haben, und größtentheils in diesem und den beiden nächsten Monaten den Ort verlassen müssen. Diese Personen sind, obschon eben so arm wie alle die bereits Fortgeschafften, die besseren Elemente, welche sich hier allesammt auskömmlich ernähren konnten, jedoch mit dem Augenblicke, da sie den Ort verlassen müssen, auch nicht einen Pfennig mehr besitzen. Und wie hier am Orte, so werden auch in den Kreisen Memel und Heydekrug noch eine ganze Anzahl Personen sich befinden, welche nach Ablauf des Prolongationstermins nach überseeischen Ländern auswandern müssen. Unsere Sammlungen und erlangten Zuwendungen zu Gunsten der Ausgewiesenen betrugen bis zur Stunde 36 831 Mark 81 Pf.; hiervon sind zur Beförderung von 648 Personen bereits verausgabt 34 489 Mark 41 Pf., verbleiben uns also in der Kasse nur noch 2342 Mark 40 Pf. Nach unseren Voranschlägen werden also mindestens noch 8000 Mark herbeizuschaffen sein, bis es gelingen kann, alle die Ausgewiesenen sortzuschaffen und nothdürftig, aber auch nur. nothdürftig zu unterstützen. Glaubens- und Stammes-Genossen! Wir lenken nochmals Eure Aufmerksamkeit aus diese tiefschmerzliche Angelegenheit, und bitten um Geldspenden zur Unterstützung der Ausgewiesenen. Dieses Unterstützungswerk ist eine jüdisch-nationale Sache, vor welcher alle anderen Angelegenheiten der Wohlthätigkeit zurückstehen müssen. Dieses Werk ist von so großer Wichtigkeit, daß alle andere guten Werke klein und kleinlich dagegen erscheinen. — Bedenkt, wie Ihr es so gut habt gegen diese Unglücklichen. Ihr wohnt in Ruh und Frieden, und diese werden gejagt und gehetzt, Euch stehen alle Freuden und Genüsse in reichem Maße zu Gebote, und diese müssen nackt und bloß in die fremde und feindliche Welt hinauswandern, Ihr habt eine ruhige und freundliche Heimstätte und diese sind gleichsam „herausgerissen aus dem Lande des Lebens", Ihr erfreut Euch der „Häuser gefüllt mit jedem Gute" und diese haben nicht einmal eine Stelle, um das ermüdete und sorgenschwere Haupt niederzulegen. Ja, wer weiß es denn, ob die Unglücklichen nicht gar für uns leiden müssen, ob nicht an ihnen das Wort des Propheten seine traurige Bestätigung findet (Jesaj. 53, 5): „Sie sind geschlagen ob unserer Sünden, zermalmt ob unserer Mssethaten, die Zucht unseres Heiles traf sie und in ihren Wunden ist Genesung für uns". Denket nach und Ihr werdet mir vielleicht beistimmen. — Jedoch mit Euren Spenden zu Gunsten der Ausgewiesen, bedenket Euch nicht lange; gebt rasch und gebt reichlich und in den Wunden der Betroffenen werdet Ihr Heil und Hülfe finden für alle Eure Klagen und Plagen. Das sei Gottes Wille! Das ständige Hülfs-Gomits für die Uothstände russischer Israeliten;n Memel. Im Aufträge: Rabbiner vr. I. Rii lf.

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