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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-06-08 · Heft 24 (8.6.1886) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 24 (8.6.1886)
Date
1886-06-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Zeilun Allgemeine des Iudenlhums. Ein unparteiisches OiM für alles jüdische Interesse. erscheint wöchentlich. , -rig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 1i5) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippen in Bonn. Gspsörtion: Leipzig, Woßptah 17. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 50. Jahrgang. Leipzig, den 8. Juni 1886. Nr. 24. lvksli. Leitende Artikel: Ernest Renan. — Die ökonomische Frage. — Nachtrag zu „Politisches aus der Reichshauptstadt Oesterreichs". — Wohltätige Werke. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Hamburg, Dressen, Leipzig, Hersfels. — Oesterreich- Ungarn: Wien, Brünn, Aus Steyermark.—Rumänien: Berlin. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Rußland: Lemberg.— Bonn: Literarische Notizen.—Fenilleto»: Die Palme und dieCeder in der Bibel. — Ein Schriftstück aus dem Jahre 1611. Bonn, 2. Juni. Ernest Renan. IV. Der Bibelforscher. (Schluß.) Wir glauben in den vorangegangenen Artikeln nachgewiesen zu haben, daß die Verlegung des „Jahvecultus" nach dem „Norden" in das Zehnstämmereich nichts als eine aller Begründung ermangelnde und allen Thatsachen, Berichten und Andeutungen widersprechende Erfindung ist, folglich auch, daß der „jehovistische" Geist im Reiche Israel seine eigentliche Heimstätte gehabt und der „Jehovist" hier im Norden den wesentlichsten Theil des Pentateuchs verfaßt habe. Es ist dies eine Verirrung des Kriticismus, die, je mehr die h. Schrift ihr widerspricht, desto mehr verurtheilt werden mnß. Spricht doch schon die große Thatsache dagegen, daß die Zehn Stämme, nachdem sie von Salmanassar hinweggeführt worden, so weit dem religiösen Bekenntniß Israels entfremdet waren, daß sie sich alsbald unter den Völkerstämmen ihrer neuen Wohnsitze verloren, während in den Judäern der „jehovistische Geist" so lebendig war, daß sie gerade im Exil die lauterste und höchste Entwickelung dieses Geistes vollzogen, Ebenso haben wir nachgewiesen, i) Bei der Auszählung der Stellen, welche die Führerrolle Judas auch in der voroavidischen Zeit bezeugen, haben wir die Stelle (Richter 1, 2.) übersehen, wo bei der Weitereroberung Canaans nach Josua's Tode Juda zuerst gegen die canaanitischen Völker auszieht. daß nicht bloß die Propheten, was selbst einige Kritiker zugeben, sondern auch die historischen Bücher den Pentateuch vor sich hatten, ihn voraussetzen, an ihn sich anlehnen, und dies nicht bloß in der Abfassung dieser Bücher. So viel auch in ihnen vom Abfall der Israeliten von der Lehre und dem Gesetze und von Ausschreitungen gegen diese berichtet wird, so bleibt doch immer ein Kern des Volkes jenen getreu; die Neigungen zum Heidenthume erscheinen als Ausnahmen und Abweichungen, und es kommen immer wieder Thatsachen vor» welche in Einzelheiten das Borhandensein, die Kenntniß und die Ausübung des pentateuchischen Gesetzes erweisen. Hiermit ist aber dem Kriticismus der größte Theil seines Bodens genommen, und daß dies der Fall ist, erweist sich aus den Verschiedenheiten und Schwankungen in dem, was er als Resultat producirt. — Ohne daß wir nun uns noch weiterhin mit einzelnen Behauptungen Renan's beschäftigen können, was uns schon der Raum dieses Blattes verbietet, müssen wir doch noch einige allgemeine Bemerkungen hinzufügen. Renan selbst, obschon er sich doch wesentlich auf die neuesten kritischen Hypothesen stützt, ist mit diesen dennoch durchaus nicht zufrieden. Er bezichtigt sie der „Unfruchtbarkeit" (gterilitö p. 245), sowohl, weil sie nur ungewissen Stoff bieten, als auch den Geist, der die Schriften zusammengefaßt, und die Bedingungen, unter denen sie entstanden, nicht anzugeben vermögen. Er nennt es eine unglückliche Idee, Genesis und Leviticus einem und demselben Verfasser zuzuschreiben. Die Art, wie man das Deuteronomium behandelt, eS bald als den ersten, bald als den späteren Codex bezeichnet, entrüstet ihn u. s. w. Indem er nun diese Lücke ausfüüen und die analytische durch die synthetische Methode ergänzen 24

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