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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-05-11 · Heft 20 (11.5.1886) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 20 (11.5.1886)
Date
1886-05-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. GXpeöiLrorr: Leipzig, WoßpLertz 18. i Diese Zeitung erscheint wöchentlich, j Preis vierteljährig 3 Mark. Abonne- > ment in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 50. Jahrgang. Leipzig, den 11. Mai 1886. Nr. 20. Inhalt, Leitende Artikel: Ernest Renan. — Die protestantisch-theologischen Fakultäten. — Znnz-Stiftung. — Gegen den Antisemitismus in Oesterreich. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Breslau. — Oesterreich- Ungarn: Bonn, Wien. Pest, Lemberg, Aus Ungarn, Aus Galizien. — Frankreich: Paris. — Italien: Rom. — Amerika: Philadelphia.— Bonn: Notizen. —Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Zum Peßach. — Die Prüfung der Brautleute. — Vermischtes. Bonn, 5. Mai. Ernest Renan. i. Der Priester von Nemi. Unter den höher gebildeten Menschen giebt es solche, welche auf dem Boden, aus dem sie erwuchsen, haften bleiben und je nach ihrer Begabung und den Verhältnissen gleich einem Baum mehr oder weniger aufschießen; dann aber solche, die sich von diesem Boden loslösen und im Wandel der Entwickelung mannigfaltige Phasen durchschreiten; endlich auch die, welche von Jugend auf in eine gewisse Geistesrichtung gelangt sind, und diese, immer weiter schreitend, konsequent entfalten und zu neuen Zielen sichren. Zu der zweiten Klasse gehört Ernest Renan, welcher, wie er jüngst ausführlich erzählt hat, in einem Priesterseminar in strengster kirchlicher Gläubigkeit herangebildet worden, aber indem sein reicher Geist nach Erweiterung seines Wissens emsig strebte, auf die Pfade der Kritik gerieth, den Glauben an die kirchliche Tradition verlor, in seiner religiösen Ueberzeugung wechselte, bis er fast an der Grenze derselben anlangte. Nichts ist daher interessanter, als diesen phantasiereichen Forscher auf seinem Wege zu begleiten und die verschiedenen Stationen zu erkennen, auf denen er eine Zeit lang Rast hielt, um in irgend einer seiner mehr oder minder bedeutenden Schriften seine zeitweise Anschauung abzuspiegeln. Abgesehen von diesem allgemeinen Interesse, hat auch für uns diese Entwickelung eine besondere Wichtigkeit, da Renan allzu oft das Gebiet des Judenthums betrat und auch hier einen Wechsel der Ansichten erfahren hat, den er kundzugeben nicht anstand. Wir mögen uns da fragen: wo steht Renan gegenwärtig? und hierzu bietet das von ihm vor Kurzem veröffentlichte „philosophische Drama: Der Priester von Nemi'") hinreichende Gelegenheit. Nichts hindert uns, in diesem Drama Renan sich selbst zeichnen zu sehen. — Die ausführliche Borrede beginnt der philosophische Dichter in folgender Weise: „Ich habe in diesem Werke einen Gedanken entwickeln ivollcn, der dem des hebräischen Messianismus analog ist, d. h. dem Glauben an den endlichen Triumph des religiösen und moralischen Fortschrittes trotz der wiederholten Siege der Dummheit und des Bösen. Ich habe versucht zu zeigen, wie die gute Sache an Boden gewinnt, ungeachtet der Bitterkeiten, der Mißgeschicke, selbst der Niederlagen, so wie der Fehler ihrer Apostel und Märtyrer." Und in ähnlichem Sinne läßt er am Schluffe einen „Propheten Israels" auftreten und einen Vers des Jeremias citiren. Dennoch müssen wir gestehen, daß wir in Beidem, in diesem Anfänge wie Schlüsse, Renan einen Fehltritt begehen sehen. Denn gerade im Gegensatz des „hebräischen Messianismus," des Glaubens an den „Triumph des religiösen und moralischen Fortschrittes", zeigt das Drama den Untergang des Versuches, einen solchen Fortschritt zu bewirken, und Nichts darin giebt dem Leser auch nur die schwächste Bürgschaft, daß dieser Fortschritt doch einmal siegen werde. Der Tempel zu Nemi, nahe bei Alba l) „Ernest Renan, le Prebre de Nemi, drama philosophique, Paris, Calmann Levy, 1886,“ 20

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