Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 14 (30.3.1886)
- Date
- 1886-03-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein mMrtciischcs Organ filr alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner 0r. Ludwig Philippson in Bonn. GXpeöiLion: Leipzig, WoßpLach 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 50. Jahrgang. Leipzig, den 30. März 1886. Nr. 14. ladsN. Leitende Artikel: Die Stellung Moses Mendelssohns im und zum Judenthume. — Politisches aus der österreichischen Reichshauptstadt. — Wohlthätige Werke. IV. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aus Schlesien. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Lemberg, Krakau. — Italien: Rom. — Russland: Moskau, Turek.— Bonn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Wir plaudern aus der Schule, in Scherz und Ernst. Bonn, 24. März. Die Stellung Moses Mendelssohn's im und;nm Ändenthnme. IV. Im Beginn des zweiten Abschnittes setzt Mendelssohn zunächst dieBeranlassung zurAbfassung seines „Jerusalem" auseinander. Die Grundsätze und Ansichten, die er im ersten Abschnitt ausführlich begründet und dargestellt hat, waren bereits von ihm in dem ausführlichen Vorwort zur Uebersetzung von Menasseh ben Israels „Rettung der Juden" ausgesprochen worden, und waren in Zeitschriften und Broschüren Angriffe auf dieses Vorwort erschienen. Zur Widerlegung der letzteren gab M. nun im ersten Abschnitt die gründliche und systematische Darstellung und Begründung dessen, was er in jenem Vorwort nur in kurzen Umrissen gezeichnet hatte, seiner Ansichten über Gewissensfreiheit und über das Verhältniß des Staates und der Kirche zu dieser. In einer eigenen Schrift 0 richtete sich aber der Angriff persönlich auf M., daß er mit diesen Ansichten „dem Glauben seiner Väter im engeren Verstände widersprochen habe, wie dieser selbst in den Büchern Mose ausdrücklich festgesetzt ist." In den letzteren werde allerdings ein „Kirchenrecht" festgestellt, Zwang und „Das Forschen nach Licht und Recht, in einem Schreibe» an Herrn M. Mendelssohn, Berlin 1782." positive Strafen, z. B. der Tod auf die Uebertretung des Sabbaths, auf Lästerung des göttlichen Namens u. s. w. verordnet. „Das bewaffnete Kirchenrecht ist immer einer der vorzüglichsten Grundsteine der jüdischen Religion selbst." Noch mehr. Der Gegner sieht in dieser Schrift einen Schritt Mendelssohns zum Christenthume. Dieses habe „den Zwang und die lästigen Ceremonien aus dem Wege geräumt" und Mendelssohn müsse sich also in Folge seiner Theorie zu diesem bekennen." Diese Angriffe waren es, welche unserem Mendelssohn die Feder in die Hand gaben, um im „Jerusalem" sowohl sein allgemeines System über die Rechte der Gewissensfreiheit gründlich darzulegen, als auch seine Ansichten vom Judenthume auseinander zu setzen. Er antwortete hinsichtlich des Christenthums nur ausweichend, weil er eine eingehende Polemik auf diesem Gebiete aus guten Gründen stets zu vermeiden suchte. Er bringt sein berühmt gewordenes Gleichniß heran: „Wenn es wahr ist, daß die Ecksteine meines Hauses austreten und das Gebäude einzustürzen drohet, ist es wohl gethan, wenn ich meine Habseligkeiten aus dem untersten Stockwerke in das oberste rette? Bin ich da sicherer? Nun ist das Christenthum, wie Sie wissen, auf dem Judenthume gebaut und muß nothwendig, wenn dieses fällt, mit ihm über einen Haufen stürzen." „Beim Anscheine eines Widerspruches zwischen Wahrheit und Wahrheit, zwischen Schrift und Vernunft, muß der Christ nicht den Juden zum Kampf auffordern, sondern mit ihm gemeinschaftlich den Ungrund des Widerspruches zu entdecken suchen. Es gehet ihrer Beiden Sache an." Beschuldige man ihn deshalb, daß er der Sache ausweiche, so versichert er, daß er „wenigstens 14