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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-03-16 · Heft 12 (16.3.1886) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 12 (16.3.1886)
Date
1886-03-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthmns. Ein mipartciischks Organ ftir alles jüdische Jntereffe. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buch- Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Wlippson in Bonn. Gspeöition: Leipzig, Woßplcrh 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in'allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 50. Jahrgang. Leipzig, den 16. März 1886. Nr. 12. ludstt. Leitende Artikel: Die Stellung Moses Mendelssohns im und zum Judenthume. — Wohlthätige Werke. — Der Sieg des Rechtes. — Zeitungsnachrichten: Deutschiand: Dresden. Karlsruhe, Königsberg i. Pr., Posen, Viersen- — Oesterreich-Ungarn: Wien, Brünn, Preßburg. — Rumänien: Botuschan. — Bulgarien: Philippopel. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Australien: Sidney. — B onn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen, Vorträge re. — Feuilleton: Wir plaudern aus der'Schule, in Scherz und Ernst. Bonn, 10. März. Die Stellung Moses Mendelssohn's im und zum Judenthume. ii. Wenden wir uns zunächst Maimonides zu. Es ist nicht schwer, wie Herr vr. Wiener thut, vom „Januskopfe", vom „Philosophen von vorne, Rabbiner von hinten" zu sprechen. Bei Männern wie Maimonides und Mendelssohn sind wir nicht berechtigt, anzunehmen, daß sie nicht aus ihrer innersten Ueberzeugung geschöpft und diese in ihren Schriften zum Ausdruck gebracht haben. Wir können ihre Ansichten kritisiren; wir können sie aus unserer Meinung heraus des Jrrthums zeihen und trotz ihrer unsterblichen Verdienste und der Verehrung, die wir ihnen widmen, diese ihre Jrrthümer bestreiten. Aber ihren Charakter anzutasten, sie für zweideutige Geister zu erklären, die nach jeweiligen Umständen bald die eine, bald die andere Seile herauswenden, das ist gewiß unstatthaft, noch dazu, da beide Männer eine unabhängige Stellung einnahme«: am unabhängigsten von ihren Glaubensgenossen. So liegt uns die Pflicht ob, die Stellung beider Männer im und zum Judenthume zu untersuchen und ihrer Theoxie nachzuforschen. — Wir begegnen nun beiden Männern in einem eigenthümlichen Produkt. In dem gewaltigen Kampfe, welchen zu Maimonides' Zeit das Christenthum und der Islam mit einander und zusammen gegen das Judenthum führten, sah sich Maimonides bewogen, sowohl den Bekenntnißschriften jener beiden Religionen gegenüber, als auch zum Nutzen der etwa schwankenden Juden nach den Grundlehren des Judenthums zu forschen und diese möglichst präcise zu formuliren. Gewiß lag es Maimonides fern, einen Dogmenbau aufzuführen und die Lehren zu flxiren, so daß daraus sog. Glaubenssätze und Bekenntnißformeln auch für die Juden geschaffen würden, woran diese fortan gebunden wären. Obschon jene 13 Grundlehren des Judenthums (ünp>y), wie sie Maimonides aufgestellt, selbst in die Gebetbücher als ein Anhängsel zu den Morgengebeten ausgenommen und zu dem bekannten Hj1 verarbeitet wurden, gehörten sie doch nie zu den „Pflichtgebeten", und ihr Bekenntniß wurde niemals als eine Bedingung der jüdischen Lehre gefordert. Unterlagen sie ja doch selbst der Kritik und Joseph Albo reducirte sie auf drei Grnndlehren. Gewiß müssen wir aber annehmen, daß Maimonides in ihnen seine volle Ueberzeugung aussprach, daß sich in ihnen für ihn Lehre und Leben, Theorie und Praxis vereinigten. Merkwürdiger Weise nun verpflanzte Mendelssohn sich selbst auf den Boden dieser 13 Grundlehren. Er verfaßte eine freie Uebersetzung derselben, die handschriftlich aufbewahrt blieb und von Kayserling in seiner trefflichen Lebensbeschreibung Moses Mendelssohn's (Leipzig, Herrmann Mendelssohn 1862) S. 565 mitgetheilt worden. Auch er also, der die Jkkarim Albo's gewiß gekannt, hat in jenen seine Üeberzeugung ausgesprochen gefunden. Heben wir einige Punkte daraus hervor. Maimonides beginnt jeden der Artikel: yoxD nübw — Mendelssohn überträgt dies: „Ich erkenne für wahr und gewiß." Es hängt dies mit seiner Ansicht zurr

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