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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-02-16 · Heft 8 (16.2.1886) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 8 (16.2.1886)
Date
1886-02-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. GXpeöition: Leipzig, Woßptcrh 18. _I..... _, In redactionellen Angelegenheiten! wende man sich an Dr. Philippson in! Bonn direct, in allen übrigen an die I Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr! 12 M.) sind gleichfalls an letztere! einzusenden.! 50. Jahrgang Leipzig, den 16. Februar 1886. Nr. 8. Jabalt. Leitende Artikel: Die kosmoreligiösen Beziehungen bei Jesaias II. — Wohlthätige Werke. II. — Heinrich von Treitschke's Deutsche Geschichte im 19. Iah hundert, 3. Theil. V. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Breslau, Hamburg. Posen. — Oesterreich-Ungarn: Aus Ungarn. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London — Rußland: Aus Finnland, Odessa. — Bonn: Notizen. - Bonn, Hamburg: Literarische Notizen u. Vorträge. — Feuilleton: Menah's Hochzeit. m öe Clzttfief. B onn, 10. Februar. Die Kosmoreligiösen Beziehungen bei Jesaias II. i. Daß mit dem babylonischen Exil eine große Wendung im religiösen Leben des jüdischen Stammes eingetreten, ist längst anerkannt. Ein Jahrtausend hatte im Schoße des alten Israels der Kampf der Gotteserkenntniß mit dem Heidenthume des Monotheismus gegen den immer wieder eindringenden Polytheismus gewährt; jetzt war er entschieden, und mit der Rückkehr nach Palästina verschwand das Heidenthum vollständig aus dem jüdischen Volke, das — in großem Gegensatz zur früheren Zeit — für seine Religion mit bewunderungswerthem Heldenmuth gegen das sich ihm aufdrängende syrische Heidenthum zu kämpfen und es zu überwinden vermochte. Man hat viel über diese offenbare Wendung gesonnen, um sie geschichtlich zu erklären. Noch bei dem Untergange des salomonischen Tempels muß in demselben viel Götzendienst getrieben worden sein, wie es uns Ezechiel in seiner zweiten Vision bekundet, und dieser mußte es noch selbst gesehen haben, da er 25 Jahre alt war, als er aus Jerusalem mit dem Könige Jojachin hinweggeführt ward. Nichts davon in der zweiten jüdischen Colonie iu Palästina von ihrem Beginne an. Allerdings herrschte in derselben hinsichtlich der Ausübung des Gesetzes ein noch recht laxer Geist, wie sich aus den Anstrengungen Esras und Nehemias ersehen läßt, z. B. hinsichtlich der Heilighaltung des Sabbaths, und kostete es doch die nachdrücklichsten Mahnungen der nachexilischen Propheten, um den Bau des Tempels zu vollführen. Aber schon die Zurückweisung der in monotheistischer Beziehung zweideutigen Samaritaner beweist die Festigkeit und Entschiedenheit der Colonisten im Glauben. Uns scheint die Erklärung jener bedeutungsvollen Wandelung sehr einfach. Daß zu allen Zeiten, selbst als das Heidenthum von den Königen und deren Großen, ja selbst von einem großen Theile der Priesterschaft und von falschen Propheten gestützt und gefördert ward, ein nicht geringer Theil des Volkes der Gotteslehre treu anhing und von dem mächtigen Worte der Propheten darin gestärkt und festgehalten wurde, kann nicht verkannt werden. Das Einschreiten des Propheten Elija und sein Wort von dem „Hinken auf zweien Seiten" zeigt uns den Glaubensstreit in der Krise. Im babylonischen Exil nun, namentlich in der letzten Zeit desselben, als es die Rückkehr nach Palästina galt, mußte eine Scheidung zwischen den treuen Anhängern der Gotteslehre und denen, welche sich dem Heidenthume, wohl besonders dem, das sie umgab, zuneigten, vorsichgegangen sein. In den Reden des Jesaias II (Kapp. 40—66) zeigt es sich, daß es unter den Exulirten Biele gab, die sich dem Götzendienste und den heidnischen Gebräuchen ergeben hatten; es mußte sich jetzt bekunden, wer sich zur Fahne des einzigen Gottes schaaren oder dem Zuge nach der Vermischung mit den dortigen Nationen folgen wollte. Wenn der Prophet Israel als den „erkorenen Knecht Gottes" pries und ihm sowohl in seiner Knechtesgestalt als in seiner Aufrichtung und Wiederherstellung eine weltgeschichtliche Bedeutung zuertheilte, so konnte

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