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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-02-09 · Heft 7 (9.2.1886) · p. Seite 111

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 7 (9.2.1886)
Date
1886-02-09
Page
Seite 111 (sequence 15)
Language
German
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111 weiten Ausblick auf's Meer. Weiße Segel kreuzten darauf, sonst nichts als Bläue vor uns; das Wasser verschwamm mit dem fernen Horizonte. „Ein prachtvoller Blick, den Sie hier haben — finden Sie nicht auch?" „Nein — ich nicht, ich mag hier nicht bleiben," rief sie energisch und schüttelte den Kopf; „die Sehnsucht wird mich hier noch tobten!" Es lag etwas in ihr, das mein tiefstes Mitgefühl weckte; jedenfalls war ich sicher, daß es nicht Jerusalem war, um das sie klagte. Ich griff nach ihrer Hand: „Warum sind Sie so traurig, Ruth? O bitte, sagen Sie mir, was Sie unglücklich macht?" Ich dachte dabei an ihr Verhältniß zu der corpulenten Mirjam. Aber sie schien nicht in der Stimmung, mir Vertrauen zu zeigen. Ohne ein Wort zu erwidern, starrte sie in die blaue Ferne. Da fiel mir ein, daß Menah mir erzählte, Ruth spreche anzösisch. „Vous parlez fran9ais, Mademoiselle?“ frug ich, nur um ihren Gedanken eine andere Wendung zu geben. Eine seltsame Bewegung durchlief sie bei den Worten; sie versuchte zu reden, brachte aber keinen Laut deutlich hervor. Schon bedauerte ich, sie vielleicht durch die fremde Sprache in Verlegenheit gesetzt zu haben, und wollte auf's Spanische zurückkommen, als sie sich gefaßt hatte und in recht leidlichem Französisch frug, ob ich eine Französin sei? „Nein — aber ich kenne Frankreich aus zehnjährigem Aufenthalt." Nun wurde sie gesprächig; ich mußte von Paris erzählen und dem Leben dort; sie wollte auch wissen, wie lange die Reise dahin daure und ob man sie in Frankreich verstehen würde. Wir waren auf einmal recht in Zug gekommen . . . „Ruth" — rief plötzlich eine gebieterische Stimme. „Vater — hier . . ." Er stieg langsam durch die Fallthür herauf. Heut noch steht er lebhaft vor mir, wie ich ihn damals sah. Es war, als habe ein Künstler in ihm den Racentypus der Juden zum Ideal verklärt. Den schwarzen Seidentalar hielt eine verblichene Schärpe zusammen; ein knappes dunkles Barett saß auf dem kurz geschorenen Kopfhaar. Ruth glich ihm. Er hatte etwas Monumentales in den Zügen — nichts darin vom Schachergeist und der Kriecherei des getretenen Hebräers. Ich stellte mich ihm vor und fing an, das Französisch seiner Tochter zu loben. Da gerieth er in Zorn. „Sie soll die fremde Sprache nicht reden!" rief er nach ihr gewandt, und rollte die Augen wie ein alter Prophet, der auf Abtrünnige stößt. Mich aber durchzog eine Ahnung, daß Frankreich vielleicht das Jerusalem sei, nach dem Ruth sich sehne. i i Wir suchen einen seminaristisch ge- G bildeten ^Br68 Rettgionslehrer 2 und sehen Meldungen unter Einsen- G düng der Zeugnisse und des Lebensm laufs baldigst entgegen; Gehalt lb00 M. m jährlich. Ä Bewerber, welche die Sekretariats- 8 geschäfte der Gemeinde zu übernehmen 8 befähigt sind, werden hierfür besonders d entschädigt. Beuthen,Oberschlesien,im Febr. 1836. Der Vorstand der Synagogen- * Gemeinde. 5 In meinem Pensionats finden isr. junge Mädchen behufs Ausbildung wie schulpflicht. Kinder freundliche Aufnahme. Frau Alma Silbermann, gepr. Lehrerin, Berlin W., Potsdamerstr. 30 a. Eine schon seit 20 Jahren im besten Betriebe stehende >M.63 Bäckerei nebst Matzengeschäft ist sofort aus freier Hand unter den günstigsten Bedingungen zu verkaufen. Offerten sud K. 199 an Rudolf Moffe, Nürnberg. Anzeigen. Jsr.Töchtcr-Penswnat ».Höhere Unterrichts-«»statt. Gegründet 1864. — Aufnahme von Zöglingen zn jeder Zeit. — Prospekt auf Wunjch. Frau Direktor Therese Gronau, Serlin, Hinörrsiiistr. 1t. Löingsplatz. Der verblichene Privatier Marcus Metzbacher dahier, hat für die israel. Cullusgemeinde Nürnberg einen Fond von M. 900 für junge Israeliten gestiftet, welche sich dem Lehrfache widmen und die Befähigung zur Ertheilung des Religionsunterrichtes erwerben wollen, zu diesem Zwecke sich in einer bayerischen Präparantenschule oder in einem bayrischen Lehrerseminar befinden. Bewerber wollen sich binnen 14 Tagen bei uns unter Vorlage ihrer Zeugnisse melden. sM.56 Nürnberg, 28. Januar 1886. Administrativ der Cultusgemeinde. (ofilloii und Carneval- Gegenstände, komische Mützen Orden, Knallbonbons, Masken, Perrücken, Touren, Attrapen, Costüme aus Stoff, Bigotphones und alle weiteren Specialitäten empfiehlt die Fabrik von Gellte & Benedictus, Dresden. Jllustr. deutsch.u. sranz.Preiscourante gratis u.frco. Pensionat für wissenschaftliche u. praktische Ausbildung junger Mädchen von Elise Höniger, gepr. Schulvorsteherin, Breslau, Gartenstraße 8. Gesunde angenehme Wohnung mit Garten. Französische uud englische Conversation im . Hause; Unterricht in den verschiedenen Zweigen 1 des Wissens und in technischen Fertigkeiten, i Näheres durch Prospekt. j Eine gepr. Erzieherin (mos.), mit guten Zeugnissen wünscht zum 1. April oder früher ein Engagement anzutreten. Offerten unter E. L. Colberg, Markt 12._ Schüler, welche eine der Lehranstalten Darmstadts besuchen wollen, finden bei streng religiöser Erziehung und sorgsältiger Beaufsichtigung gute Pension und gründliche Nachhülfe bei A. Stern, [g.107 Lehrer an der städtischen Schule.

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