Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1886)
- Date
- 1886-02-02
- Page
- Seite 95 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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95 oder Schriftsteller möchte sie kennen lernen und plaudern hören. Die naiven Backfische unserer Romane und Dramen sind endlose Varianten auf ein verbrauchtes Thema. Menah war wie eine neue Melodie. * * * Nachdem ich ihr die „reinen, von Christenhand unberührten Gefäße" angeschafft, frühstückten wir zusammen. Nur war sie — Fehler hat eben Jede — zur Pünktlichkeit schwer zu erziehen, weil sie mit der Malerei ihrer Hand- und Fußnägel nie zur rechten Zeit fertig wurde. „Da steht die Chocolade und ist kalt geworden! Ich habe großen Appetit, und wenn Du morgen zu spät kommst, warte ich nicht, sondern frühstücke allein," rief ich. Dann streckte sie mir gewöhnlich zehn kleine schmale Finger entgegen, entstellt durch den Anstrich mit Hennah: „Du wirst doch nicht verlangen, daß ich mit ungefärbten Nägeln zu Deinem Frühstück komme, Christin! Das Färben nimmt aber viel Zeit; kein Nagel darf tiefer roth angemalt sein, als der andere!" Glaubte sie, daß die Finger zur Entschuldigung nicht ausreichten, streckte sich auch noch ein winziges Füßchen aus dem Lederpantoffel und wies eine ähnliche Verzierung auf. Strümpfe tragen in Tanger fast nur Europäer. Ihre Zuneigung sprach sich meist sehr originell aus. Nächst der Sehnsucht nach Jerusalem bestand ihre „Religion" nämlich in gewissen abergläubischen Gebräuchen, deren Unterlassen oder Uebertreten sie mit Unglücksfällen in Verbindung brachte. Vor diesen wünschte sie mit rührendem Eifer mich zu bewahren. Traf sie meine Pantoffeln z. B. nicht mit den Spitzen nach Osten gekehrt, dann schlug sie die Hände zusammen und schrie: „Pecado — pecado!'‘ Dann sollte ich, „ihr zu Liebe", das Fenster auf bestimmte Weise öffnen, mich zuerst auf die linke Seite legen, wenn ich zu Bett ging, an bestimmten Tagen keine Stecknadeln anfassen und dergl. mehr. Dabei ließ sie keine Gelegenheit vorüber, mir zu versichern, wie gern sie mich als „servidora“ nach meinem Land „Europa" begleite!: würde. „Was denkst Du, Menah! Du wärst mir eine schöne Dienerin! Aus meinen Tassen trinkst Du nicht, von meinen Tellern ißt Du nicht und meine Speisen sind Dir stress. Am Sabado aber, wo Du nichts anrühren willst, müßte ich mein Essen selber kochen und meine Stube selber kehren, während Du Deinen -Scholenst vor Deiner Sabbathlampe verzehrtest." Da mußte man sie aber bitten und schmeicheln hören! „Wir könnten Alles so gut einrichten, Christin, wenn Du nur wolltest! Du siehst, daß ich mein Geschirr ganz rein neben Deinem halten kann. Freitag aber würde ich alle Arbeit für uns Zwei voraus besorgen. Da könnten wir uns am Sabbado dann vor Deine Thür setzen und die Leute von Europa vorübergehen sehen." — Einige Tage nachdem wir Bekanntschaft gemacht, kam sie in einer Malpause auf mich zu: „Zeige mir deinen Gott, Christin." „Wie könnte ich! Er ist unsichtbar wie der Deine." Sie schüttelte den Kopf. „Du willst nur nicht — und ich möchte ihn gern um etwas bitten." „Unmöglich, Menah, — Niemand kann ihn sehen." Mit triumphirendem Blick: „Ich habe ihn ja aber schon gesehen." „Nun, wie sieht er denn aus?" „Wie eine Frau, die ein kleines nacktes Kind trügt." Sie hatte die Bekanntschaft dieses „Christengottes" durch eine Spanierin gemacht, die bei meinem Wirth gewohnt hatte und frug mich wiederholt nach ihm. Es wäre nrir der strengen jüdischen Gemeinde gegenüber wohl schlecht bekommen, hätte ich ihren Wunsch erfüllt! Anzeigen. 4*0 wer^en uüt 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- JLXAöüX U;tv/ folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Danksagung. Alle die Freunde, Vereine und Gemeinden, welche bei Gelegenheit meines Jubiläums! durch Zuschriften mich erfreuten, wollen hierj mit meinen Dank emgegennehmen, da ein 1 Augenleiden mich verhindert, an sie persön-! lich zu schreiben. l Odessa, den 20. Januar 1886.! Dr. Schwabacher, Stadtrabbiner. 1 In meinem Pensionate finden isr. junge Mädchen behufs Ausbildung wie schulpflicht. Kinder freundliche Ausnahme. Frau Alma Silbermann, gepr. Lehrerin, Berlin IV., Potsdamerstr. so a. In einer größeren Synagogengemeinde des Neg.-Bezirkes Düsseldorf ist die Stelle eines Vokdctns «ni> rhordmWtc« neu zu besetzen. Leistungsfähige Bewerber belieben ihre Offerten und Zeugnisse mit Gehaltsansprüchen unter A. 1230 au Rnd. Mosse, Cölri. Ein gut situirter Gutsbesitzer, Jahr alt, von sehr ansehnlichem Aeußeren, sucht die Bekanntschaft einerJsraelititt,am liebsten Wittwe, behuss Berheirathung. Strengste Discretion. Briese mit Photographie richte mau sub J.H.8655 an die Expedition des Berliner Tageblatt, Berlin 81V. Cotilloii und Carneval- Gegenstände, komische Mützen Orden, Knallbonbons, Masken, Perrücken, Touren, Attrapen, Costnme aus Stoff, Bigotphones und alle weiteren SpecialitÜten empfiehlt die Fabrik von Gelhke & Benedictas, Dresden. Jllnstr. deutsch, n. franz. Preiscom ante gratis u. srco.