Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1869)
- Date
- 1869-12-28
- Page
- Seite 1049 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Zndenthnms. Femlleton-öeilage zu Nr. 52. Leipzig, den 28. December 1869. Zwei Skizzen aus der Religionsgeschichte Schwedens. Mitgetheilt von Di-. £ Lewysohn, Rabbiner zn Stockholm. II. «Schluß.) Genanntes Buch hat nach ehemaliger Sitte einen keineswegs allzu kurzen Titel; er lautet: Die Herrlichkeit des Christenthums, welche Gott nach seiner überschwenglichen Barmherzigkeit und Liebe, unter der Vorsorge Sr. König!. Majest. zu Schweden, zween jüdischen Männern, Israel Mandel und Moses Jacob, nebst ihren Weibern und Kindern im Jahre Christi 1681 kund gethan hat, bei deren Tauffe am Festtage Michaelis gepredigt und mit einer Zugabe wahrhaftiger Begebnissen auch gründlicher Erörterung der Frage: Ob eine allgemeine Bekehrung der Juden zu hoffen sei? Ausgefertigt von M. Christophoro Bezelio, Teutscher Kirchen kastors prim, und deß Lonsistorii ^.ssossors. (Stockholm s. a.: wahrscheinlich 1682). — Der Leser setzt sicherlich voraus, daß hier dem pietistischen Redefluß im vollen Maße und nach Herzenslust Genüge gethan wird; es kostet in der That eine Ueberwindung den fortlaufenden Wust von dem niedrigsten Glaubenshaß und bald wieder von der süßwässerigen salbungsvollen Faselei kirchlicher Frömmelei zu durchlesen; anmerkenswerth ist nur die unverblümte Naivität des protestantischen Jesuitismus über die Art, wie man die Juden zur Taufe bewege, je nachdem sie etwas vom Talmud wissen, oder nicht; offenherzig ist auch des Verfaffers Geständniß vieles aus andern Schriften anzuführen, ohne sie zu benennen, „er will", sagt derselbe, „sie damit ihrer Ehre nicht beraubet haben, er will nichts fleischliches begehen, als wollte man gesehen sein, etwas gelesen zu haben, wiewohl es auch geschehen kann, daß derselbe Geist beiden einerlei Gedanken giebt, die doch von einander nicht wissen." Wir entnehmen dem Buche folgendes Factum: Israel Mandel und Moses Jacob kamen am 17. Mai 1681 mit Weib und Kindern, 12 an der Zahl über die West- und Ostsee nach Stockholm und wollten das Christenthum annehmen. Da sie nur der deutschen Sprache fähig waren, so wendeten sie sich an den Pastor bei der deutschen Kirche, den Verf. obigen Buches und an seinen Eidam M. Aegidius Strauch. Der König Carl XI. befahl dem Consistorium für die Leute Sorge zu tragen und anberaumte den Michaelistag zu deren Taufe. Der König, die Königin und die Königinmutter waren Taufzeugen. Folgende höhere Geistliche führten die 12 Täuflinge aus der Sacristei zum Ware I) der Bischof Carl Carlson, 2) der Bischof Petrus Bäng, 3) der Superintendent Erlandus Broman, 4) der Superintendent Johannes Gezelius, 5) der Pastor prim. Mathias Jser, 6) der Professor der Theologie Samuel Schunk, 7) der Prof, der Logik und Mathematik Matthias Steuchius, 8) der Pastor Johannes Vulteljus, 9) der Pastor Ericus Tilasius, 10) der Pastor Aegidius Strauch, II) der Pastor Daniel Unger und 12) der Notar Johannes Sigtunius. Alle diese Personen wurden von den Täuflingen als Taufzeugen erkoren. Alle Aemter schickten Abgeordnete zur Feier und die Kirche war vollgedrängt von andächtigen Zuschauern. Die Täuflinge durften sich selbst ihre christlichen Namen wählen, die Frau des Mandel (Carl Christian) benannte sich nach der Königin, der in der schwedischen Geschichte als edle Fürstin bezeichnetenUlrika Eleonore (Mutter des Heldenkönigs Carl XII)., die Frau des Jacob (Gustav Michael) benannte sich etwas bescheidener Hedwig Eleonore.*) Die Täuflinge hatten 25 Fragen zu beantworten, von welchen manche über zwei Druckseiten umfassen. Die 4. Frage lautet: „Kan denn ein Jud, so lang er Jud bleibt, nicht selig werden?" Natürlich wurde diese Frage mit: Nein beantwortet. Die 14. Frage lautet: „Kan aber ein Mensch die Zehen Gebote Gottes halten?" die ebenfalls verneint wird und zwar wegen ... der Erbsünde. Daß der Teufel in den Antworten seine gebührende Stelle findet, darf wohl vollkommen in seiner Ordnung sein. Nach der Katechese folgt eine Anmerkung also lautend: „Also sind sie unterrichtet worden, und obwohl sie nicht *) Ulrika E. war Gemahlin, Hedwig Mutter des Königs.