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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-21 · Heft 51 (21.12.1869) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 51 (21.12.1869)
Date
1869-12-21
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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so bemerke ich daß die Kirche stets so viel Geld für sich gebraucht hat, daß für die Schulen nicht viel übrig blieb, daß der Staat die Schulen im armseligen und dürftigen Zustande von ihr hat übernehmen müssen, und daß die Gesammheit der Bürger es gewesen ist, die die Schulen erst zu dem gemacht hat, was sie jetzt sind. Nun sagt der Herr Kultus-Minister: es sind aber doch viele Lehranstalten herübergekommen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Ja wohl. Es ist aber im Jahre 1794 unser Landrecht dazwischen gekommen und das hat gesetzlich erklärt: alle Schulen sind Veranstaltungen des Staats; Jedermann, jedem Schüler, welcher Konfession er auch sei, steht der Zutritt dazu offen; und unsere Gesetzgebung hat weiter erklärt: ihr Bürger alle ohne Unterschied habt beizutragen für diese Anstalten. Wie können Sie nun das Recht und Gerechtigkeit nennen, wenn Sie den Bürgern ohne Unterschied das Geld aus der Tasche ziehen in der Form von Steuern und nachher sagen: du hast trotz deines Studiums und Examens nicht das Recht, an einer Anstalt zu lehren? Die Methode des Herrn Ministers ist die: nachdem er und seine Vorgänger die Kommunen gezwungen haben, wider ihren Willen den Anstalten einen konfessionellen Charakter anzukleben, nachdem dieselben so lange gemißhandelt worden sind, bis sie endlich nachgaben, (Murren rechts.) beruft man sich heute auf dieselben Statuten, die man erzwungen hat. Ist das Recht und Gerechtigkeit? Oder ist es nicht ein Zustand, wobei unsere doch wahrlich nichts Unmäßiges fordernden Gemüther in Aufregung gerathen müssen? (Sehr richtig!) Meine Herren, ich bedaure allerdings, daß gerade bei der Etatdebatte diese Sache vorgekommen ist. Es sind mehrere Petitionen vorhanden, bei denen wir zu derselben Frage kommen werden. Eines nur muß ich dem Herrn Kultusminister sagen: mit diesen Ausflüchten vom persönlichen Recht der Juden, denen aber das Recht der christlichen Lehranstalten entgegenstehe, mit diesen Ausflüchten wird er Niemanden täuschen, außer den wenigen Anhängern, dieser überhaupt hier im Hause noch hat! (Lebhaftes Bravo links.) Kultusminister v. Mühl er: Nur ein Wort! Herr Abgeordneter Wehrenpfennig beruft sich zur Beleuchtung oder zur Bewahrheitung seiner Behauptung, daß der christliche Charakter der Lehranstalten ein künstlich gemachter, ein gegen Gesetz und Recht vom Kultus-Minister erfundener sei, auf das allgemeine Landrecht. Mir sind die Ausführungen sehr wohl bekannt, an die er dabei gedacht haben mag, obgleich ich ihm einwenden muß, daß jene Ausführungen nur gerichtet sind gegen den konfessionellen Charakter der höheren Lehranstalten, nicht gegen den christlichen. Ich will ihm aber ein anderes Zeugniß vorführen, das er als maßgebend für sich nach seinem Bildungsorgane und seiner früheren Berufsstellung anerkennen muß. Es ist dies das Zeugniß der Philologen-Versammlung von 1851, welche in Erlangen, wenn ich nicht irre, damals versammelt war. Diese Versammlung, die aus freien Schulmännern bestand, von keiner Behörde berufen war, sondern frei zusammen kam und die mitten in der Schule stand, hat mit der größten Bestimmtheit, und ich glaube fast mit Einstimmigkeit erklärt, daß unsere höheren Schulen in Deutschland christliche Schulen sein und bleiben sollen. Das ist ein Zeugniß aus dem Kreise der Schule selbst, das eine vollkommen gültige Autorität haben muß. (Bravo! rechts. Widerspruch links.) Präsident: Zu einer persönlichen Bemerkung ertheile ich das Wort dem Herrn Abgeordneten Wantrup. Abgeordneter Dr. Wantrup: Der Herr Abgeordnete Dr. Wehrenpfennig hat die Kriegsakademie angeführt; ich glaube, der Herr Präsident wird mir bezeugen, daß ich von dem Kadettenkorps gesprochen habe, wo Knaben und Jünglinge unterrichtet werden, während in der Kriegsakademie Männer die Zuhörer sind — das ist ein Unterschied. Präsident: Ich ersuche diejenigen Herren, welche den eben verlesenen Antrag annehmen wollen, aufzustehen. (Geschieht.) Das ist die Majorität. Der Antrag ist angenommen. Druck von I. B. Hirschfeld in Leipzig.

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